Hersteller_Presonus DAW Software
Test
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25.02.2012

Presonus Studio One 2 Professional Test

Digital Audio Workstation

Eins, die zweite

Ob man sich bei Presonus ernsthaft Gedanken über den Produktnamen gemacht hat? Wenn man eine DAW auf den Markt bringt, die “Studio One” heißt, wie lautet dann eigentlich die Bezeichnung nach einem Major-Update? “Studio Two” wäre ein bisschen merkwürdig. “Studio One B” klingt nach Beta-Version. So ist es eben “Studio One 2” geworden. Vielleicht sind das aber auch gute Nachrichten, wenn sich Unternehmen mehr auf ihr Produkt konzentrieren als mit Marketingfuzzis irgendwelche fancy Bezeichnungen auszubrüten. Immerhin erinnert “One, Two” an “Test, Test, one, two, check, check.” – und das trifft die Sache hier ja ganz gut. Also: “One 2, check, check”!

Die erste Vorstellung auf einer Pressekonferenz in Berlin ließ aufhorchen, denn Studio One 2 wurde mit Features ausgestattet, die dafür sorgen, dass man die Software ab sofort ganz bestimmt nicht mehr einfach als “noch eine DAW” abtun kann. Nun sind Versprechen und Produktpräsentationen zwar feine Sachen, doch muss im Praxisbetrieb unter Beweis gestellt werden, wie sinnvoll, praktisch und betriebssicher das Gesamtpaket ist. Gespannt? Ich schon!

DETAILS

Tjaaa, wo fängt man am besten an, ein so umfangreiches Paket zu beschreiben? Schließlich sind DAWs anno 2012 monströse Programme, die im Laufe der Zeit immer mehr Aufgaben in sich aufgenommen haben, die vormals von Hardware oder spezialisierter Software übernommen wurden. Wie so oft ist es daher sinnvoll, einmal ein paar Schritte zurückzugehen und das Konstrukt mit etwas Abstand zu betrachten: Presonus Studio One 2 ist demnach eine Digital Audio Workstation, die Recording, Editing, Mixing und sogar Mastering übernehmen kann. Darüber hinaus können verschiedenartige Klangerzeuger angesprochen werden, wozu natürlich die Möglichkeit vorhanden ist, mit MIDI-Daten zu operieren. Das wär´s im Groben, doch sind es ja schließlich die Feinheiten, die interessieren. One scheint sich anzuschicken, der Dreh-und Angelpunkt im Leben des am Computer musizierenden und produzierenden Menschen sein zu wollen. Das zeigt sich nicht nur darin, dass man sich als “Artist” eintragen kann, sondern auch im offenbar recht unbeschränkten und ununterbrochenen Workflow von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung.

Da wäre zunächst einmal die Mastering-Funktionalität, deren Vorhandensein ja gerne von vielen Herstellern proklamiert wird. Bei Presonus jedoch unterscheidet man schlicht zwischen “Song” und “Projekt”, wobei letztgenanntes ein File ist, in welchem fertige Songs zu Alben compiled und auf vielfältige Weise mit Effekten bearbeitet werden können. Dem PQ-Editing – also dem Setzen von Index-Markern, Pausenzeiten und dergleichen – schließt sich aber nicht wie so oft die schnöde Möglichkeit an, eine Audio-CD zu brennen: Studio One 2 unterstützt das hochprofessionelle DDP (Disc Description Protocol), welches vormals von Masteringstudios auf digitalem Datenband als Medium in die Presswerke geschickt wurde. Natürlich ist auch an “Digital Publishing” gedacht worden, denn MP3-, FLAC und Ogg-Vorbis-Coder fehlen genauso wenig wie eine direkt integrierte Upload-Funktion zur beliebten Sound Cloud und der Integrationsmöglichkeit für Artwork. Wer jetzt noch nicht beeindruckt sein sollte, der ist es vielleicht nach der folgenden Information: Wie so oft fällt im Zusammenstöpseln eines Albums auf, dass man eigentlich im Mix eines Songs etwas ändern müsste. Was bei normalem Mastering sehr umständlich (und ein Geld- und Zeitfresser sondergleichen) ist, ist selbst bei bislang üblichem Vorgehen umständlich, denn es will geändert, gebounct und wieder in die Disc-Session integriert werden. Bei Studio One 2 switcht man über den Browser in den entsprechenden Song, macht seine Änderungen und wählt “Update Mastering File” – und fertig ist die Sache.

Unter der Haube des für OS X (ab 10.6.8) und Windows (XP und Vista) erhältlichen Audio-Sequencers werkelt eine 64-Bit-Engine, für die Außenwelt zeigt man sich anschlussfreudig. Mit ASIO und CoreAudio kann man eigentlich jede vernünftige Hardware nutzen - Software darf per VST3, AU und ReWire fleißig Nullen und Einsen austauschen. Außerdem gibt es da noch eine “Kleinigkeit”, aber die verrate ich erst später…

Für Ein- und Umsteiger wird die Welt möglichst einfach gemacht. So wurden etwa die “leichteren” und billigeren Programmversionen “Artist” und “Producer” nicht mit der Axt abgespeckt, sondern sind durchaus noch ordentlich funktionierende DAWs. Es gibt ja so manche Krücken-DAWs da draußen, bei denen man die ganze Zeit das Gefühl hat, geärgert zu werden, weil manche nicht überlebensnotwendigen Vitalfunktionen einfach gesperrt sind. Die Leute bei Presonus gehen mit ihren Kunden glücklicherweise nicht so um. Das Programm kann neben Amerikanischem Englisch auch in Deutsch, Spanisch, Französisch, Chinesisch und Japanisch betrieben werden. Zumindest für die Sprache Schillers und Goethes kann ich eine gewissenhafte Übersetzung bescheinigen, das Manual ist dennoch nur auf Englisch verfügbar. Das ist natürlich blöd, weil man deutsche Begriffe aus dem User-Interface dort natürlich nicht finden kann. Keycommands sind frei belegbar, mehr noch: In One kann der User die Tastenkürzel anderer DAWs auswählen, um sich schneller wohlzufühlen. Allerdings kann man natürlich nicht seine Custom-Keys mitnehmen. Schade, aber nachvollziehbar.

Das “Studio Eins” verfolgt eine Ein-Fenster-Philosophie, allerdings keine festzementierte Ein-Fenster-Doktrin: Dort, wo es sinnvoll ist, darf dann auch mal ein Fenster über den anderen liegen, beispielsweise bei Settings - zudem gibt es Detach-Funktionen. Militant durchgezogen wird hingegen die Drag-and-Drop-Funktionalität. Dies gilt für Audiofiles genauso wie für komplette Effektketten mitsamt ihrer Einstellungen. Überhaupt ist das Handling mit Files verschiedener Gattungen ausgesprochen angenehm, denn der rechts im Hauptfenster einblendbare Browser ist schlau und selbsterklärend programmiert worden. Eine Vorhörfunktion für Audiofiles ist selbstredend an Bord und ja, das Tempo kann dabei an das Songtempo angepasst werden. Für die “Explorer” unter den Usern (das klingt besser als “Greenhorns”, gell?) wäre vielleicht eine Vorhörfunktion für Effekte und Instrumente eine gute Idee, quasi als “Educational Goodie”. Realisiert werden könnte das vielleicht mit Basic-Audio- oder MIDI-Files oder dem gerade im Hauptfenster selektierten Material.

Mit im Paket sind ein kleiner Drum-Sampler, ein Sample-Player/Synth und ein einfacher subtraktiver Synthesizer. Unter den Effekten sind besonders ein Impulse-Response-Plug und ein neu gestalteter Amp- und Cabinet-Simulator erwähnenswert. Wie es sich für eine moderne DAW gehört, sind fast alle Parameter automatisierbar. Erkennt man, dass die Informationsdichte in diesem Text gerade zunimmt? Das ist ein klares Indiz dafür, dass ich endlich loslegen möchte! Also, jetzt aber hinein ins Getümmel!

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