Test
8
18.08.2017

Pioneer XPRS-12 und XPRS-215S Test

Aktiv-PA

Keine Frage, wenn sich DJs die Turntables in die Hand geben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es Pioneer-Gerätschaften in der DJ-Booth gibt. Bei Beschallungsanlagen ist das noch nicht der Fall, doch Pioneer bietet mittlerweile Systeme für Großbeschallungen, Festinstallationen sowie für Bands und DJs. Bonedo bittet die aktive XPRS-Serie zum Test. Sie umfasst zwei Topteile (12/1 und 15/1) und einen 2x15xZoll-Subwoofer. Partyalarm oder Spaßbremse?

Details

Das Test-Setup besteht aus dem Subwoofer XPRS-215S und zwei Topteilen vom Typ XPRS-12. Alternativ gibt es auch die XPRS-15 mit einem 15-Zoll-Woofer. Der aktive Sub stammt eindeutig aus der Abteilung „Fette Hose“. Mit seinen raumgreifenden Abmessungen von 75 x 52 x 81 Zentimetern und dem beeindruckenden Gewicht von knapp 56 Kilogramm ist er eine imposante Erscheinung. Das macht schon etwas Mühe, den Kameraden alleine aus seinem Transportkarton zu hieven.

Gleich vier Griffe spendierte man dem XPRS-215S, ebenso vier bereits montierte 80-Millimeter-Transportrollen auf der Rückseite. Die beiden 15-Zoll-Treiber besitzen jeweils eine eigene Resonanzkammer und arbeiten als Team in ein weiteres, trichterförmiges Volumen. Diese Bandpass-ähnliche Konstruktion fordert eine gewisse Größe, um guten Bass liefern zu können.

Der XPRS-215S besitzt, wie die ganze XPRS-Serie, ein 15 Millimeter starkes Birken-Multiplexgehäuse. Es wurde ordentlich verarbeitet und außen wie innen mit schwarzem Strukturlack versehen. Alle Anbauteile (Griffe, Hochständeraufnahme aus Metall mit M20-Gewinde, Aktivmodul) sind versenkt angebracht. Der mittig platzierte Schalltrichter wird durch ein Lautsprechergitter geschützt, das weder über Akustikschaum noch ein Akustikvlies hinter dem Gitter verfügt. Das wirkt optisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit, zudem Wasser und Flugbier ungehindert an die Membran gelangen können.

Das Aktivmodul ist in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht. Schraubt man es heraus, wird der Blick auf einen der Treiber frei. Dieser besitzt einen Ferritmagneten und einen Blechkorb. In dem Gehäuse findet man Dämmmaterial und das Aktivmodul ist sorgfältig mit Dichtungsband versehen. So soll es sein.

Das Aktivmodul ist mit Class-D-Endstufen des italienischen Herstellers Powersoft bestückt, die jede der beiden Chassis mit 600 Watt befeuern. Zudem gibt es einen integrierten DSP und eine aktive PFC (Power Factor Correction). Der DSP stellt vier Trennfrequenzen (80, 100, 120 oder 150 Hz) zur Auswahl, die per Poti zugänglich sind. Rechts daneben befindet sich ein stufenloses Master-Level-Poti (von off bis +10 dB). Mit dem Phase-Taster lässt sich die Polarität des Subwoofer-Signals von 0 auf 180 Grad drehen, während ein Dreifachschalter der vorderen LED eine passende Funktion zuweist. In der Power-Einstellung zeigt die LED vorhandene Netzspannung an. In der Limit-Einstellung kündet die LED vom Erreichen der Leistungsgrenze. Für den dezenten Einsatz lässt sich die blaue LED auch deaktivieren.

Hinsichtlich der Audioanschlüsse beschränkt sich der XPRS-215S auf das Nötigste: Zwei Combo-Buchsen-Eingänge (XLR/Klinke) samt Signal-LEDs dienen zur Kontaktaufnahme. Weitere Bässe oder Topteile lassen sich über zwei XLR-Link-Out-Buchsen andocken. Die Stromversorgung erfolgt via Kaltgerätebuchse samt Netzschalter. Eine Kombination aus PowerCon-Eingang und -Ausgang hätte dem Bassboliden hingegen besser zu Gesicht gestanden.

Topteil

Die XPRS-12 verfügt ebenfalls über ein von Powersoft bestücktes Ampmodul, allerdings mit leicht geänderten Anschlüssen und Funktionen. Die Stromversorgung via Kaltgerätebuchse ist auch hier vorhanden, ebenso gibt es das Master-Volume-Poti und den Dreifachschalter für die Front-LED. Neu ist der Schalter für den „Extern Sub Mode“, der das Topteil mit einem Lowcut versieht, wenn die Box mit einem Basslautsprecher betrieben wird. Die vier Presets (Flat, Bass, Speech, Wedge) optimieren das Top für unterschiedliche Einsatzzwecke.

Das Top besitzt zwei Eingangskanäle (Combo-Buchse) mit je einem Input-Level-Poti, allerdings verwaltet Kanal 2 nur Line-Signale, besitzt aber ein weiteres Cinch-Pärchen für den Anschluss eines Zuspielers. Kanal 1 kann zusätzlich ein dynamisches Mikrofon verstärken, die Vorverstärkung ist in vier Schritten einstellbar. Da sich beide Eingangszüge gleichzeitig nutzen lassen, ist eine Durchsage bei laufender Hintergrundmusik auch ohne externes Mischpult möglich. Über eine Mix-Out-Buchse können die Signale von Kanal 1 und 2 an weitere Boxen geleitet werden.

Der Neodym-Hochtöner sitzt auf einem Kunststoffhorn mit einer Abstrahlcharakteristik von 90 x 60 Grad. Die Box besitzt eine Schräge und kann somit auch als Bühnenmonitor herhalten. Zwei Gummiauflagen schützen dabei den Lack. Toll, dass sich für den Monitoreinsatz das Hochtonhorn drehen lässt. Dazu schraubt man das Lautsprechergitter ab und entfernt die Schrauben des Horns und dreht es um 90 Grad. Da alle Schrauben mit Gewindehülsen verheiratet wurden, sind Abnutzungserscheinungen bei häufigen Hornwechseln unwahrscheinlich.

Wo wir gerade den Schrauber in der Hand haben, werfen wir noch einen Blick auf den 12-Zoll-Treiber und in das Innere der Box. Der Ferrittreiber ist von einfacher Bauart und besitzt einen Blechkorb. Das Gehäuse ist mit Dämmmaterial versehen und verfügt über eine zusätzliche Kammer, die weitere Gehäuseresonanzen unterdrücken soll. Pioneer nennt diese Technik AFAST, sie erinnert an einen Helmholz-Absorber. Was sonst? Zum Beispiel zwölf M10-Flugpunkte mit innen liegendem Metallwinkel aus Flacheisen, der das Gewicht der Box auffängt und verteilt. So gehört sich das!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare