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24.10.2017

Pioneer XDJ-RX2 Test

All-in-One DJ-Workstation für Rekordbox

Mixstation mit Touch-Display, FX und Performance-Pads

Alle Fakten zum Pioneer XDJ-RX2 im bonedo.de-Test: Als Pioneer vor gut 2,5 Jahren den XDJ-RX präsentierte, war das Interesse der DJs und Verleiher groß und es dauerte nicht lange, bis sich das Gerät an die Spitze der Verkaufscharts in seiner Geräteklasse katapultieren konnte. Eine Standalone-Mixstation mit Features aus Pioneers CDJ/XDJ/DJM-Serie, ohne großen Verkabelungsaufwand einsatzbereit, perfekt für das mobile Setup, das heimische DJ-Studio oder den Platz im Partykeller. Und dazu auch noch preiswerter als vergleichbare Einzelkomponenten?

Nun ist der Nachfolger XDJ-RX2 im Handel erhältlich. Der Preis beträgt 1699 Euro und auch dieses Modell lockt mit tollen Ausstattungsmerkmalen, darunter USB-Laufwerke, Touchscreen, Performance-Pads, DJM-Effekte, zwei Mikrofoneingänge, professionelle Outputs und ein USB-Audiointerface für rekordbox dj. Nicht zu vergessen die Option, die DJ-Performance gänzlich ohne Computer darzubieten und es zudem via integriertem USB-Recorder für die Ewigkeit festzuhalten. Selbst vor Videomixing macht der Controller nicht Halt, wenn DJ über das entsprechende Software-Plug-in verfügt. Das klingt schon enorm ...

Details

Im Paket ist folgender Lieferumfang auszumachen: 1 Stück amtliche Pioneer XDJ-RX2 Hardware, etwa 9 kg schwer und 73 x 11 x 44 cm groß. Dazu ein Handbuch, die Garantiehinweise, ein USB- und Stromkabel sowie Lizenzen für rekordbox dj und bei einer limitierten Anzahl an Modellen zusätzlich eine Serial für rekordbox video.

Die Verarbeitung gefällt, auch wenn das Gehäuse, mal abgesehen von der Faceplate, überwiegend aus Kunststoff besteht. Andernfalls hätte man wohl ein paar Kilo mehr zu schleppen. Die kann DJ, so der Einsatzzweck primär der mobilen Diskothek, Event- und Partybeschallung dient und der XDJ-RX2 nicht als „abgespecktes Flaggschiff-Setup“ für Bedroom, Homestudio und dergleichen herhalten soll, dann in ein geeignetes Transportbehältnis investieren. Die optional erhältliche DJC-RX2-BAG kostet 129 Euro. Das FLT-XDJ-RX2 Flightcase liegt bei stattlichen 539 Euro (UVP). Junge, Junge.

Front und Backpanel

Kleine Änderungen zum Vorgänger hinsichtlich der verfügbaren Anschlüsse werden beim Blick auf die Rückseite deutlich: Statt mit Phono/Line-Umschaltern arbeiten zu müssen, hat es hier für je zwei separate Phono-Line-Eingänge und die obligatorische Erdungsschraube sowie einen Cinch-Aux-In gereicht. Folglich lassen sich vier externe Zuspieler und noch ein weiterer Line-Zuspieler anschließen. Beide Mikrofonbuchsen sind nun als Kombobuchsen ausgeführt. Nicht mehr vorhanden ist der Netzwerkanschluss für den Computer-Link – das läuft jetzt über USB. Für die Saal- und Monitoranlage stehen XLR-, Klinke- und Cinch-Ausgänge bereit. Weitere Ingredienzien hinten: eine Kaltgerätebuchse mit Schalter zur Versorgung des integrierten Netzteils und eine Kensington-Vorrichtung zum Anketten. Recht so! Vorn sind eine Standard- und eine Miniklinkenbuchse für Kopfhörer verbaut.

Vier imposante Standfüße erinnern an die großen Desktop-Laufwerke und auch die Bedienelemente vermitteln Vertrauen und zeugen von der so typischen Verarbeitungsqualität Pioneers. Das intuitive Layout wirkt keineswegs überladen und das Jogwheel ist ein echter Handschmeichler, lässt aber eine Einstellmöglichkeit für den physischen Drehwiderstand vermissen. Für meinen Geschmack könnte das Rad ruhig etwas mehr Widerstand aufweisen, aber das ist Ansichtssache.

Player-Sektionen

Bleiben wir doch gleich in den Deck-Sektionen. Diese präsentieren sich im besten CDJ-Design, oben beginnend mit der „manuellen“ Loop-Sektion samt Flankenanpassung via Jogwheel, dazu gesellen sich Autoloop, Cue/Loop-Speicher nebst Lösch- und Aufruftasten sowie der Loop-Cutter auf zweiter Instanz über „Shift“. An prominenter Stelle residieren die Transportsektion, ferner Spul- und Skip-Tasten, darüber Slip und Reverse.

Auf der anderen Seite lässt sich mittels Regler die Start-/Stoppgeschwindigkeit der Tracks festlegen, zudem kann der Vinyl-Mode für den Jogwheel-Sensor (de) aktiviert werden. Instant Doubles, Sync und Master halten die Decks im Gleichlauf. Wo es sinnvoll ist, sind die Tasten beleuchtet. Der 100 Millimeter lange, vierstufig skalierbare Pitch (6, 10, 16 Prozent und Wide) ermöglicht einen zehntelgenauen BPM-Abgleich. Die Master-Tempo-Funktion, die wahrlich gute Arbeit verrichtet, beugt Mickey-Maus und Darth-Vader-Effekten vor.

Performance Pads

Unter den Tellern finden sich mit acht RGB-Performance-Pads pro Deck doppelt so viele Tasten wie beim Vorgänger ein. Sie dienen der Steuerung von Hotcues, Beat-Loops, Slip-Loops und Beat-Jumps. Diese Auswahl an Betriebsmodi ist im Vergleich zu mancher DJ-Software, auch der des Herstellers selbst, nicht wirklich bahnbrechend, hat man doch heute mit Pitch-Play, Slicer, Sample-Bataillon, Pad-FX und dergleichen deutlich mehr Möglichkeiten des Live-Remixings. Hier käme dann rekordbox dj ins Spiel. Für die Hotcues, deren Multicolor-Modus deaktiviert werden kann, lässt sich auch eine Quantisierung zwischen 1 und 1/8 Beat einschalten, sodass man beim Triggern im Takt bleibt.

Deutlich besser als beim Vorgänger ist das Feeling der Performance-Pads. Sie sind nicht mehr aus Hartplastik gefertigt, sondern spielen sich so, wie man es von gängiger Controller-Hardware her kennt. Den Design-Kniff, nicht das ganze Pad zu beleuchten, sondern lediglich einen Rahmen, empfinde ich als sehr gelungen. Schade nur, dass es keinen integrierten Sample-Puffer wie beim XDJ-Aero (Test hier) gibt, mit dem man einen Satz Jingles, IDs oder auch Kickdrum, Clap und Co. auf das Gerät verfrachten kann. Wer folglich Samples abfeuern möchte, findet beispielsweise im DJS-1000 einen kompetenten Partner, nutzt rekordbox dj oder schließt einfach ein iOS-Device an den Aux an, auf dem eine vergleichsweise kostengünstige App läuft.

Mikrofon und Rekorder

Streift der Blick gen Norden, finden wir über den beiden „Decks“ rechter Hand die klanglich überzeugende Mikrofonabteilung mit Einschaltknopf und Talkover sowie HiQ und LowQ. Gegenüber residieren die beiden USB-Anschlüsse für Wechseldatenträger. Erlaubte Formate sind Fat, FAT32 und HFS+. Maximal 10.000 Dateien pro Ordner, höchstens 10.000 Ordner in einem Ordner und maximal 8 Ordner-Ebenen.

Der zweite Anschluss kann als Master-Recorder dienen und man hat die Möglichkeit, Track-Marker zu setzen. Der Mix wird in 44,1 kHz mit 16 Bit aufgezeichnet. Das veranschlagt etwa 1 GB pro 90 Minuten Recording. Ob man hier das neueste House- oder EDM-Set für die Nachwelt festhält oder ein Event mit sämtlichen Ansprachen plus Karaoke-Show auf den Stick brät, das Feature ist klasse. Wollt ihr DJ Obis Weltrekord im Dauerauflegen brechen und euch ins Guinness Buch eintragen, eine große SSD geht natürlich auch. Man würde sich das auch für die DJM-Flaggschiffe wünschen.

Display zum Anfassen

Im Zentrum residiert über dem Mischpult ein in der Intensität regelbarer 7-Zoll-Vollfarb-Touchscreen mit beleuchtetem Push-Encoder, ein Bereich, der dem CDJ-2000NXS2 wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Besonders auch, was die in der Revision teils neu hinzugekommenen, umgebenden Navigationselemente angeht – mal abgesehen davon, dass es hier ohne CD-Laufwerk und Karteneinschub konzeptionell selbstredend keine Buttons für SD-Card und Disk gibt und auch Link zur Verbindung mit weiteren CDJs fehlt. Neben dem Bildschirm sind links die Schalter für die Betriebsart auszumachen, also USB 1 und 2 für eure Sticks und Platten, gefolgt von MIDI für den Controller-Einsatz, und rekordbox für die Direktverbindung mit dem Rechenknecht. Oben drüber sitzen die Tasten für Browse, die temporäre Tag-Liste, Track-Infos und den Menü/Utility-Modus für spezifische Voreinstellungen, die Sortierfunktion etc.

Mischpult

Zwei Kanäle, Dreiband-EQs, Master-Channel-Meter mit 15 LEDs Ampelfarbcodierung, Color-FX, schaltbare Curves für den Überblendregler (kein Magvel, nebenbei bemerkt), das erinnert ein wenig an den DJM-450. Der CF-Reverse-Switch fehlt allerdings. Ebenso ein ISO/EQ-Schalter, jedoch liegt das Geheimnis im Utility-Mode, denn dort lassen sich diverse Anpassungen vornehmen (siehe Screenshots). Unten folgt die Cuemix-Abteilung mit dem potenten, gut klingenden Kopfhörerverstärker. Auch hier gilt: Wer „monosplitten“ möchte, macht dies via Display-Eingabe im Utility-Setup. Ebenso an Bord: getrennte Master- und Booth-Regler, die jeweils um 6 und 12 dB abgesenkt werden können.

Die vier Sound Color-FX nebst Parameter-Regler heißen Dub Echo, Sweep, Filter und Noise. Gate und Crush haben sich verabschiedet. Rechter Hand logiert die Beat-Effektsektion (Delay, Echo, Spiral, Reverb, Trans, Flanger, Pitch, Roll), die auf den Master, Aux, das Mike und die Crossfader-Seiten oder Kanäle abgefeuert werden kann. Die Beat-FX dürfen hinsichtlich des Timings via Encoder frei eingestellt werden anstatt mit dem Beat-Tasten, die Auswahl an „Klangveredlern“ passt. Hier ein paar Beispiele.

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