Test
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29.09.2015

Praxis

Mixer

Beide Decks greifen mittels Input-Selektor auf eine von sechs Eingangsquellen zu. Im Klartext bedeutet dies, dass am linken Mixer-Channel wahlweise Seratos Decks 1 und 3 (USB-A oder USB-B) oder aber einer der beiden analogen Inputs (Phono oder CD/Line) wiedergegeben werden können. Beim Mixer-Channel 2 lassen sich die Decks 2 und 4 (USB-A oder USB-B) oder aber die entsprechenden analogen Inputs selektieren. Im Test funktionierte die Ansteuerung der jeweiligen Software-Decks absolut vorbildlich und die ausgewählten Player waren blitzschnell einsatzbereit.

Die Frequenzbänder der Dreiband-EQs sind sehr gut aufeinander abgestimmt. Sie klingen ausgezeichnet und zeigen sich außerdem angenehm übersteuerungsfest. Dank „Full Kill“ lassen sie sich nicht nur zur klanglichen Anpassung, sondern auch für effektartige Sounds nutzen. Die gleiche Güteklasse kann ich auch den Filtern mit ihrer sehr gut abgestimmten Resonanz bescheinigen. Einen luftigen und kräftigen Gesamtklang attestiere ich den Phono-Preamps: Ein transparenter Höhenbereich, wohlig klingende Mitten sowie fein aufgelöste und kraftvolle Bässe kommen mir zu Ohren. In der Mitte der Bedienoberfläche entdecke ich die Regler für den Master-Out und den separat regelbaren symmetrischen Booth-Ausgang. Der Main-Out ist rauscharm, druckvoll und erfreulich übersteuerungsfest. Filigran aufgelöste Höhen treffen auf angenehm warm klingende Mitten. Abgerundet wird das Klangbild von einem sehr kraftvollen Bassfundament. In Sachen Sound gibt es von mir daher die Schulnote 1.

Fader und Konsorten

Der neu entwickelte kontaktlose 45 Millimeter lange, magnetische Magvel Crossfader kann in meinen Augen den Rane-Modellen und Innofadern locker die Stirn bieten. Mit dem Feeling-Adjust-Regler am Frontpanel lässt sich der Arbeitswiderstand komfortabel und stufenlos zwischen federleicht und angenehm träge justieren. „Curve Control“ erlaubt stufenlose Werte zwischen einem schalterartigen Öffnen des Faders für butterweiche Übergänge und harten Cuts. Im Defaultzustand gibt der Crossfader in seiner „schnellsten“ Einstellung dann schon nach knapp 0,5 Millimetern Regelweg das Signal frei. Was soll ich sagen: Für Turntablists und Scratch-DJs ist der Magvel Fader absolut „traumhaft“. Eine Einschätzung, die mir diverse DJ-Kollegen, die den Mischer in meinem Studio antesten konnten, bestätigten.

Nicht minder toll: Das Pult wird mit drei verscheiden harten Paaren „Rubber-Bumpers“ ausgeliefert. Diese austauschbaren Gummis dämpfen das seitliche Aufprallen des Crossfaders ab. Da der Satz bei meinem Testgerät leider nicht komplett ist, kann ich nur eine Aussage zu den im Gerät verbauten Gummis der härtesten Stufe treffen: Der Fader fühlt sich beim Arbeiten sehr gut an und eignet sich hervorragend für Scratches mit schnelleren Fader-Bewegungen (Orbits...). Erneut gehen die Daumen nach oben!

Das Cut/Lag-Poti des DJM-909, mit dem sich der Zeitpunkt, ab dem der Fader reagiert konfigurieren lässt, gibt es beim Nachfolger als Hardware-Regler nicht mehr. Doch glücklicherweise lässt sich diese Einstellung nun im Hardware Panel auf dem Computer vornehmen. Außerdem bietet das Hardware Panel die Möglichkeit die Parameter von Effekten zu ändern, individuelle Presets zu erstellen, die Loop-Sektion zu konfigurieren, u.v.m. Die drei Fader-Reverse-Schalter auf dem Frontpanel sind für meinen Geschmack allerdings zu klein und fummelig ausgefallen. Außerdem gibt es auf der Faceplate des Mischers keine Status-LEDs für die Arbeitsrichtungen der Fader. Hier hat nun doch der Rane TTM57mkII einmal die Nase vorn.

Bei den beiden Linefadern handelt es sich laut Pioneer ebenfalls um eine Eigenkonstruktion. Sie sind in der kleinsten Einstellung nicht ganz so leichtgängig und präzise wie der Magvel Crossfader und der Arbeitswiderstand lässt sich obendrein nicht regulieren. Doch als Turntablist und Scratch-DJ kann ich wirklich gut damit arbeiten. Wie der Hersteller mir mitteilte, lassen sich sämtliche Fader bei Bedarf voraussichtlich in Zukunft durch Innofader austauschen. Beim Crossfader des Pultes halte ich das allerdings für absolut überflüssig, wobei die Umrüstung der beiden Linefader für eingefleischte Innofader-Anhänger eventuell eine Überlegung wert sein könnte. Als etwas unvorteilhaft empfinde ich die Positionierung des Cue-Crossfaders, der Cue-Drehregler und des Sampler-Volumes neben den Kanal-Fadern. Dieser Bereich sollte bei einem Battlemixer meiner Meinung nach komplett frei blieben. Das ist besonders für spezielle Beatjuggles wichtig. Beim Layout des Rane TTM57mkII wurde dies berücksichtigt.

Effektsektion

Entgegen meiner Annahme im Test-Preview verfügt der DJM-S9 nicht wie der 909er über eine Dual-Effektsektion, allerdings gibt es auch hier wieder die beiden Effekthebel, die nun erfreulicherweise noch größer und griffiger ausfallen und integrierte Status-LEDs mitbringen. Beides verbessert den Workflow sehr.

Die interne Effektabteilung des 909 verfügte über einen Touchscreen und hatte insgesamt 21 verschiedene Presets. Der S9 stellt hingegen 6 Fx-Buttons und insgesamt 16 verschiedene Effekte zur Auswahl. Durch Gedrückthalten der Effekt-Taste und drehen des Scroll-Knobs (oben links), kann man sich z.B. seine individuelle Fx-Palette zusammenstellen. Das kommt dem Workflow der meisten Turntablists und Scratch-DJs, meiner Meinung nach, sehr entgegen. Zumal ich beim Pioneer, anders als beim TTM, via Tap-Button das FX-Timing manuell eingeben darf. Und das ist gerade für Vinyl-DJs von großem Vorteil. Eigentlich kommen die Vinylisten beim TTM57mkII ohnehin zu kurz, da dieses Pult keine eigenen FX hat.

Wie auch immer: Die On-Board-Effekte können im Vinyl-Modus mit den Effekthebeln oder alternativ mit den Performance-Pads temporär aktiviert werden. Jedes Pad steht dabei für eine andere Timing-Stufe (1, 1/2, ¾ Beats). Das in der Mitte positionierte FX-Display ist zwar klein, zeigt aber gut lesbar alle relevanten Informationen an (Effektart, BPM, Timing...). Ergonomisch perfekt platziert präsentiert sich der Dry/Wet-Regler der Effektabteilung. Mit den sechs FX-Select-Buttons und den Bank-Tasten lassen sich die insgesamt 55 Serato/iZotope-Effekte der Software bequem ansteuern und die wichtigsten Informationen werden im FX-Display angezeigt. So können sich die Augen und die Hände auf das Publikum und den Mix konzentrieren und müssen dem Rechner keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Genau so soll es sein! Jedoch ist immer nur eine der beiden Effektabteilungen (intern oder Serato DJ) nutzbar, was in den meisten Fällen wohl passen sollte, oder? Alles gut also.

Hier gleich noch eine Besonderheit: Wer mit Vinyl-Schallplatten auflegt, hat beim S9 obendrein die Möglichkeit, das Signal durch den Rechner zu schleifen, um die Serato-FX zu nutzen. Das funktioniert im Test absolut reibungslos. Gleiches gilt auch für das Audiosignal des S-6 Samplers sowie für den Aux-Input des Mischers. Hier ist sogar eine Mehrfachauswahl der Quellen möglich. Pioneer ist es beim S9 gelungen, eine relativ komplexe, vielseitige und sehr hochwertige Effektsektion zu schaffen, die dennoch sehr einfach und spielerisch zu bedienen ist. Ein weiterer Punkt für Pioneer.

Mikrofonsektion

Die Mikrofonabteilung hat wohl aus Platzmangel nicht auf der Oberseite des Mixers Platz gefunden, sondern am Frontpanel. Ein praktischer und großer On/Off-Switch (de-) aktiviert das Mikrofon. Ein Level-Regler sorgt für den richtigen Pegel. Sehr warm klingt der Zweibänder und er eignet sich mit seinem 12-dB-Cut/Boost sehr gut zur klanglichen Anpassung des (rauscharmen) Signals. Die zuschaltbare Talkover-Funktion verfügt über eine praktische Status-LED und arbeitet zufriedenstellend, auch wenn ich das Attack-Verhalten als etwas zu langsam und den Release-Wert als ein wenig zu schnell gewählt empfinde. Das ist wieder einmal Geschmackssache, daher hört euch einfach mal das Soundbeispiel an. Für mich ist der einzige echte „Schwachpunkt“ hier das Echo (im Tape Delay Stil), denn ich darf ausschließlich die Geschwindigkeit der Wiederholung festlegen, aber weder Feedback noch das Dry/Wet-Verhältnis justieren. Ehrlich gesagt stellt sich mir die Frage, warum Pioneer hier nicht einfach die Möglichkeit geschaffen hat, das entsprechende Signal durch die Effektabteilung zu schicken? Das hat doch beim Sampler- und beim Aux-Signal auch funktioniert. Ist mir ein totales Rätsel!

Cue/Kopfhörersektion

Die Bedienelemente, ein Level-Regler für die Kopfhörerlautstärke, ein Cue/Master-Drehregler und der 20 Millimeter kurze Cue-Crossfader, finden sich rechts außen ein. Der Aufbau ist simpel, das finde ich grundsätzlich gut, da es sich hier um einen Battlemixer handelt. Doch leider liegen die drei genanten Bedienelemente etwas zu dicht aneinander gedrängt und ich blieb beim Betätigen des Cue-Crossfaders des Öfteren mal an den beiden Drehknöpfen hängen. Außerdem ist der Mini-Crossfader für schnelle Blenden etwas zu schwergängig, wie ich finde. Das geht besser. Der Klang jedoch, der an den beiden Kopfhörerbuchsen anliegt, ist klasse. Der Verstärker liefert eine satte Leistung, ohne dabei das Signal zu verzerren. Das gilt auch für leisere Kopfhörermodelle.

Doppel-USB-Port

Der doppelte USB-Port und die beiden integrierten Audiointerfaces (24 Bit, 48 kHz) sind sehr nützlich für DJs, die mit zwei Rechnern im Ping-Pong-Verfahren auflegen möchten oder unterbrechungsfrei von einem (Serato) DJ zum nächsten wechseln wollen. Getestet habe dieses Feature mit dem oben genannten iMac am USB-Port A und einem MacBook Pro mit 2,7 GHz Intel Core i7 Prozessor, 16 GB RAM sowie OS X Version 10.10.4 an USB-Port B. Völlig reibungslos und unterbrechungsfrei konnte ich im Test auf die virtuellen Player der beiden Computer zugreifen. Nach dem Umschalten der Selektoren waren die gewählten Decks stets sofort einsatzbereit. Auch ließen sich im Testlauf beide Effektabteilungen der Rechner simultan verwenden. Unterbrechungsfreien DJ-Ablösungen oder Ping-Pong-Sets steht beim DJM-S9 nichts im Weg. Absolut vorbildlich!

Trotz der Fülle an Bedienelementen und Features haben Pioneer beim DJM-S9 ein sehr übersichtliches und klar aufgebautes Layout realisiert, was sich sehr positiv auf den Workflow auswirkt. Dieses Pult lässt sich intuitiv und spielerisch bedienen und macht einfach Spaß. Die Interaktion von Rechner, Serato DJ und Pult verlief im Test absolut störungsfrei und die Software reagierte sehr direkt auf die „Befehle“ der Controller. Thumbs up!

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