Test
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22.11.2016

Praxis

Der in den Dorn einzuführende Plattenteller sitzt wirklich fest im Sattel, denn dem Druck meiner Hand gibt er so schnell nicht nach. Da wackelt nichts. Für meinen Mix- und Scratch-Test montiere ich das Ortofon „Made From Scratch“ am Bajonettverschluss des Tonarms und stelle die empfohlenen 4 Gramm Auflagegewicht ein. Das Antiskating reicht von 0 bis 6, ich wähle die Nullstellung, um bei Playback und Backcueing die höchstmögliche Spurtreue ohne Nadelspringen zu erzielen. Allerdings zieht der Tonarm im Schwebezustand ungewöhnlicherweise nach außen, was für eine bereits wirkende Gegenkraft spricht. Wirft es damit womöglich die Nadel beim Scratching aus der Vinylbahn?

Drehmoment

Der Plattenteller startet zügig! Das Drehmoment ist laut Herstellerangaben sogar etwas höher als beim Technics SL-1210 MK2. Allerdings kann ich den 500er-Plattenteller im Vergleich zum Klassiker mit dem Finger deutlich leichter bremsen. Für mich kein Manko, denn das Pitch-Bending durch Anschieben und Bremsen des Plattentellers geht damit angenehm von der Hand. DJs, die den Pioneer PLX-1000 gewohnt sind, müssen sich gleichwohl erst daran gewöhnen. Beim Loslassen der Schallplatte verhält sich der PLX-500 wie ein Profi, denn obwohl meine Hand auf dem Vinyl liegt, dreht sich der Plattenteller weiter, sodass der Drop ohne wesentliche Verzögerung erfolgt. Starte ich den Plattenteller per Knopfdruck, zieht er recht gut an und fährt unterhalb einer Sekunde auf seine optimale Geschwindigkeit. Die nicht einstellbare Bremse stoppt den Track leicht gedämpft und klanglich effektvoll.

Performance

Ein weiteres Kriterium für das Maß der DJ-Tauglichkeit eines Plattenspielers ist sein Gleichlauf. Den 0,1 Prozent des PLX-1000 ist der PLX-500 mit 0,15 Prozent nur knapp unterlegen. Ein Indiz für ein stabiles Tempo sind die Stroboskopspiegel. Bei einer Abspielgeschwindigkeit von 33 rpm hält der Punkt auf dem Plattenteller seine Position, bei 45 rpm hingegen wandert er sichtbar, was auf eine stärkere Schwankung deutet, wobei dies noch kein Indiz für ständige Phasenkorrekturen der Tracks im Mix sein muss. Serato DJ – mit einem angeschlossenen Technics SL-1210 M5G und Pioneer PLX-500 betrieben – bestätigt dies im Test. Nach zwei Minuten Spielzeit desselben Tracks auf beiden Turntables bleibt der PLX-500 ohne Korrektureingriff phasengenau zum Technics 1210-M5G.

Ein DJ-Plattenspieler definiert sich auch über sein Verhalten beim Scratching. Eine stabile Lage des Plattentellers ist die erste Voraussetzung. Dank seines guten Drehmoments schiebt der Plattenteller das losgelassene Vinyl gut an. Lediglich beim Tear-Scratch merke ich, dass ich dem Plattenteller nicht so viel Druck wie bei einem Technics SL-1210 MK2 zumuten sollte. Ein wenig Einspielzeit und ich arrangiere mich sehr gut mit dem geringeren Drehmoment. Trotz des zu beanstandenden Antiskatings bleibt der PLX auch beim Scratching der Rillenspur recht treu und ich kann dem 500er gute Mixing- und Scratching-Eigenschaften attestieren.

Klang

Im direkten A/B-Vergleich zum Technics SL-1210 M5G und unter maximalem Pegel am Mixer brummt das PLX-500 Phono-Signal leicht, bei der Line-Ausgabe ist ein Rauschen zu vernehmen. Dieses Brummen und Rauschen höre ich unter normaler Lautstärke allerdings nicht, sodass sie nicht in die Bewertung einfließen.

Beim Abspielen herkömmlichen Vinyls stelle ich beim PLX-500 eine sehr leichte, dunkle Färbung des Klangbilds fest. Mit dem gleichen montierten Tonabnehmer spielt der Technics SL-1210M5G einen Hauch brillanter und transparenter. Vom Ausgangspegel her fahren beide Plattenspieler das gleiche hohe Level.

Für sich genommen überzeugt der PLX-500 unterm Strich mit einem sehr guten Sound, allerdings klingt der von Pioneer beigelegte Tonabnehmer im Vergleich zu einem auf dem SL-1210 M5G montierten „Ortofon Pro“ Einstiegssystem deutlich dumpfer. Daher empfehle ich, sich zum Digitalisieren ein anderes System zuzulegen, wenn möglich sogar ein elliptisches.

Rekordbox als Aufnahmetool und DVS-Software

Zum Aufnehmen eurer Schallplatten und zur Musikverwaltung der digitalen Tracks bietet Pioneer die kostenlose Software Rekordbox an. Diese bietet eine praktische automatische Start- und Stoppfunktion der Aufnahme, mit der beispielsweise komplett eingespielte LP- oder EP-Seiten in ihre einzelnen Tracks zerlegt werden. Zudem kann eine Normalisierung der Lautstärke erfolgen.

Zum Digitalisieren von Schallplatten ohne Macken oder Kratzerknacken reicht Rekordbox aus. In die Jahre gekommenes Vinyl verlangt indes oftmals eine klangliche Nachbearbeitung, für die spezielle Programme konsultiert werden sollten. Die im PLX-500 verbaute Soundkarte kommt aber auch dem DVS-Betrieb zugute, allerdings setzt dies im Pioneer-Kosmos eine Investition von 139 Euro in rekordbox dj und weitere 109 Euro in das DVS-Plugin sowie einen Satz kompatibler Vinyls voraus. 

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