Test
5
28.03.2017

Praxis

Der Koloss bietet wahrlich eine vortreffliche Arbeitsumgebung. Es macht einfach Spaß, mit diesem Gerät zu arbeiten. In meinen Augen ist Pioneer die Verarbeitung und Haptik vom Scheitel bis zur Sohle gelungen, die Software pariert auf den Fuß, der Workflow ist klasse. Auf der Bedienoberfläche gibt es genug Raum, um nicht mit den Fingerspitzen an den Potikappen hantieren zu müssen oder benachbarte Regler mitzureißen. Kein Wunder, kommt der Testproband doch auf Abmessungen von 87 x 41,9 x 9,8 Zentimeter (zum Vergleich: Ein ausgewachsenes Setup aus zwei CDJ-2000NXS2 und ein DJM-900NXS2 misst in der Breite zusammen etwa 93 Zentimeter). Beim Gewicht kommt er auf stolze 10,7 Kilogramm. Das wirft man sich wahrlich nicht einfach so über die Schulter. Dennoch sollte sich der Laptop-bewaffnete Beschallungsreisende unbedingt ein passendes Case auf die Einkaufsliste schreiben – auch wenn hier noch mal gut 15 Kilo Gewicht hinzukommen und 250 Euro anstehen, die sind aber gut investiert.

Als zentrales Element eines DJ-Setups mit Turntables und CDJs macht sich der DDJ-SZ auch gut, schöner wäre allerdings, wenn die Deck-Sektionen Standalone-Player integriert hätten, wie beispielsweise beim Denon MCX8000.

Von klanglicher Seite habe ich nichts auszusetzen. Druckvoller und transparenter Sound, genug Dampf auf dem Kopfhörer-Output, adäquate Parametrisierung der Hardware-FX, hier hat sich nichts geändert. Bei den Oszillator-Sounds gibt es allerdings eine kleine Kosmetikmaßnahme: Cymbal und Horn haben zugunsten von Siren und Drop die Segel gestrichen. Da der DDJ-SZ2 einer behutsamen Produktpflege unterliegt, möchte ich an dieser Stelle nicht den ganzen Controller im Detail besprechen, sondern diesbezüglich auf den DDJ-SZ Test verweisen und nun ausschließlich mit den Neuerungen fortfahren.

Serato, Mac und PC

Für die Verwendung mit Serato heißt es zunächst, sich zu registrieren, ein Serato-Benutzerprofil anzulegen, im Anschluss den Software-Installer und Treiber für Windows oder Mac (!) herunter zu laden und zu installieren.

Core2Duo-CPUs und Systeme mit 2 GB RAM werden laut Software-Spezifikationen nicht mehr unterstützt, ebenso wie Mac OS X 10.7 und 10.8. Als Hardware-Mindestvoraussetzung gibt der Hersteller die CPUs i3, i5 und i7 an. Windows darf ab Version 7 ins Spiel kommen, Mac OS X ab Version 10.9 und in puncto Arbeitsspeicher sind nun 4 GB RAM Pflicht. Sobald alle Installationsvorgänge erledigt sind, kann die Inbetriebnahme des DDJ-SZ2 Plug & Play erfolgen und man kann loslegen. Konfigurationen der Ein- und Ausgänge lassen sich im Pioneer-Panel vornehmen.

Dezente optische Veränderungen: Der Browser Encoder ist jetzt silberfarben. Einige Tasten leuchten blau statt rot (Tempo, Key), es gibt abweichende Bezeichnungen respektive Funktionsaufdrucke (Censor, Loop-Sektion etc) sowie eine neue Skalierung der Channel- und Master-LEDs.

Funktionale Veränderungen: Neben dem Sync-Button ist nun eine Quantize-Taste platziert. Aktiviert ermöglicht sie das Abfeuern von Loops und Cues entsprechend der voreingestellten Taktung. Diese Funktion gibt es grundsätzlich seit Serato DJ 1.6 und sie war beim SZ zuvor via Performance-Pad aufzurufen. Hier allerdings ist sie deutlich besser platziert.

Auf der gegenüberliegenden Seite, gleich neben dem Schleifenbaukasten, hat wie beim DDJ-SX2 eine Flip-Sektion Einzug gehalten. Damit lassen sich live eingespielte Hotcue-Abfolgen aufzeichnen, abspeichern und bei Bedarf wieder abrufen. Hierfür steht bei den Performance-Modi der Layer „Saved Flip“, wo ihr eure zuvor gespeicherten Flips findet.

Pitch Play und Key

Die „Grid-Sektion“, vormals zuständig für manuelle Taktrasterkorrekturen, wurde zur „Key-Sektion“ umfunktioniert. Die Beatgrid-Anpassung ist also nicht mehr über den Controller zugänglich. In der Regel sollte man seine Tracks im Vorfeld schon so bearbeiten, dass man dies im Live-Betrieb nicht flickschustern muss. Mit den Tasten lässt sich nun die Tonart nach oben oder unten transponieren, mit einem anderen Track Keymatchen und auf den Ursprung zurücksetzen.

Noch mehr Key-Spielereien erlaubt das Pitch-Play-Feature von Serato DJ, zu bedienen via Performance Pad-Sektion. Hier legt man mittels Tastenkombination einen Cuepoint der Wahl fest und spielt diesen auf der Matrix in acht unterschiedlichen Tonlagen an, die zudem über die Parameter-Tasten variiert werden können.

Die Up-Range steht für die Originaltonhöhe und +1 bis +7 Halbtöne, wohingegen die mittlere Range neben der Originaltonhöhe bis +3 und -4 spielen lässt und die Low-Range schließlich Original und -1 bis -7 Halbtöne bedient. Voraussetzung hierfür ist das Aktivieren des Pitch ’n’ Time Plug-ins aus dem Lieferumfang, das obendrein noch einen verbesserten Keylock aktiviert und im Normalfall 29 Euro kostet. Dieser „Preispolitik“ darf man sicher skeptisch gegenüberstehen, es ist allerdings Seratos Baustelle, nicht Pioneers. Hören wir uns einen Vergleich und die Pitch-Play-Funktion einmal an.

Rekordbox?

Vor dem Fazit muss ich noch einen Wermutstropfen einschenken. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der DDJ-SZ2 nicht mehr kompatibel mit Pioneers rekordbox dj und das ist laut aktuellem Stand auch nicht vorgesehen. Weiterhin ist zu bemerken, dass der (nahezu identische) Rekordbox-Controller DDJ-RZ auch etwas günstiger ist. Gut, für den muss Pioneer keine externe Software-Lizenz draufschlagen, aber dennoch muss man nun für die neuen Features etwas „mehr zahlen“ und mit leicht eingeschränkter Kompatibilität leben (Traktor, Mixvibes und auch der Rest sämtlicher MIDI-fähigen DJ-Programme funktionieren natürlich, wenn man selbst Hand anlegt und sich selbst ein Mapping anlegt. Ein Traktor-Mapping, das es beim Vorgänger noch gab, ist für den DDJ-SZ2 (noch) nicht erhältlich).  

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare