Test
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04.02.2020

Praxis

Wie fühlt es sich an?

Erster Eindruck: Wenn man wie ich sowieso auch mit Stereokopfhörern oft nur auf einem Ohr vorhört und mit dem anderen Ohr der Monitorbox lauscht, ist der 02 Stick keine große Umstellung im Workflow. Aber rein von der Haptik ist es natürlich etwas völlig anderes. Durch den dickschaumigen, rutschfesten Kautschuk-Stab sitzt die unters Ohr geklemmte Hörmuschel sehr angenehm, man hat nie das Gefühl, sie könnte plötzlich wegflutschen. Aber man legt so einen Lollipop-Headphone sowieso viel eher ab als einen Stereokopfhörer. Und das ist etwas Gutes.

Das mag banal klingen, aber viele DJs setzen ihre Stereokopfhörer niemals während ihres Sets ab, sondern kleben fest mit dem Mischpult verkabelt in ihrer eigenen kleinen Soundblase. Mit dem 02 Stick habe ich – ohne die Ablenkung durch einen aufgesetzten Kopfhörer – mich noch intensiver mit dem Mischpult und letztlich auch dem Publikum beschäftigt und dadurch das eigene Set völlig anders erlebt. Durch den dick gepolsterten Griff ist die Kopfhaltung beim Mixen zwar geneigt, aber nicht verkrampft, der 02 Stick lässt sich auch freihändig gut zwischen Schulter und Ohr balancieren.

Wie hört es sich an?

Der Phonon SMB-02 Kopfhörer klingt hervorragend, aber bei nur einer vom SMB-02 entlehnten Ohrmuschel bemerkt man das nicht unbedingt. Beim Vorhören in der DJ-Booth geht es in erster Linie auch nicht um den Hörgenuss, sondern um das klare Erkennen von Bassdrum, Beat und Transienten.

Das gestaltet sich mit einem Stick gerade bei Musikstilen schwierig, die musikalisch opulent, aber rhythmisch nicht potent daherkommen. Der 02 Stick bildete aber auch Discostücke mit voll instrumentierten Tracks auf schlechten Pressungen gut ab, so dass ich trotz voller Beschallung durch Clubanlage und Monitorlautsprecher keine Probleme hatte, die richtigen Cue-Punkte auf der Schallplatte zu finden.

Natürlich muss sich DJ auf die Qualität der Monitore verlassen können. Bestehen Zweifel an der Monitoranlage in der DJ-Booth, macht das Mixen mit keinem Stick-Headphone Spaß. Headphone-Split am Mischpult hilft dann auch nicht, das funktioniert ja bauartbedingt nicht. Ein Lollipop ist sozusagen das genaue Gegenstück zu In-Ear-Headphones, die während des ganzen DJ-Sets getragen  werden, um die Belastung des Gehörs durch laute Monitorboxen zu vermeiden. 

Wie sieht es aus?

Natürlich benutzt man einen Lollipop auch, weil es anders aussieht: cool, elitär, nach Disco-Underground. Klar, ein gewisser Showaspekt ist in der DJ-Booth natürlich nicht unwichtig und da bietet ein Stick-Headphone unglaublich viele Möglichkeiten. Man bewegt sich viel freier in der Booth, legt den Kopfhörer ab, muss ihn nicht umständlich wieder über die Ohren fummeln, sondern nimmt ihn schnell zur Hand, hört in den Mix, setzt ihn wieder ab, arbeitet mit dem Pult und so fort.

Ich habe den 02 Stick öfters auch spontan in die Luft gereckt und damit zum Beat gerockt, einfach weil es so einfach ist. Mancher DJ verbindet mit einem Einohr-Hörer allerdings auch Assoziationen wie „Telefon“ oder „Duschkopf“. Das ist dann auch okay, für solche Kollegen ist ein Stick-Headphone dann eben nicht gemacht.

Für wen ist das?

Zuallererst ist der 02 Stick etwas für alle DJs, die nicht ständig mixen und suchen, sondern sich lieber dem Sound aus den Speakern in der DJ-Booth oder auf dem Dancefloor hingeben. Scratch-DJs und manische Mix-DJs fallen aus der Zielgruppe also von vornherein aus. Stylemäßig ist ein Stick natürlich für alle Fans von Disco und Deep House ein Must-have-Item, um wie mit einem Zepter die DJ-Booth visuell zu regieren. Aber auch für DJs mit extravaganten Frisuren oder Kopfbedeckungen ist ein Stick eine optimale Lösung.

Dazu kommen all jene DJs, die nicht lange in einen Track reinhören müssen, um ihn für den nächsten Mix zu cuen. Das gilt natürlich auch für alle DJs, die sich komplett auf den Sync verlassen und den Kopfhörer lediglich für den richtigen Cue-Punkt benötigen. Richtig eingesetzt vermittelt ein Stick-Kopfhörer also ein Gefühl von Bewegungsfreiheit, Eleganz und Power.

Befindlichkeiten und Alternativen

So ein Stick-Kopfhörer ist ein sehr individuelles Produkt. Da gehen die Meinungen dann eher über die Form des Sticks als den Klang der Ohrmuschel auseinander. Und auch die Frage, ob das Kabel per XLR-Stecker abnehmbar oder fest mit dem Stick verbunden ist, kann Glaubenskriege mittleren Ausmaßes auslösen. Wer also auf abnehmbare Kabel und z-förmig gebogene Lollipops steht, wird mit dem 02 Stick niemals glücklich werden.

Wer gerade und sehr leichte Sticks mit hoher Klangqualität bevorzugt, dürfte mit dem Phonon-Angebot jedoch seinen Traum-Hörer finden. Weil er so speziell ist, ist er auch nicht ständig im Webshop verfügbar. Interessenten sollten sich allerdings nicht von der „Sold Out“-Meldung auf der Website abschrecken lassen. Bei Interesse kann der 02 Stick zum sehr stolzen Preis von 299,- Euro geordert werden.

Alternativen?

Es geht aber auch günstiger. Habt ihr noch irgendwo die einzelne Muschel eines hochwertigen defekten DJ-Kopfhörers rumliegen? Dann habe ich einen Tipp für euch: Die Firma Acousticks baut Lollipops aus eben solchen Einzelteilen. Entweder kann man seine eigene Muschel dorthin schicken und zu einem Stick-Headphone verwandeln lassen oder einen bereits gebauten kaufen. Gerne greifen die Engländer für ihre Sticks auf Sony MDR V700 Ohrmuscheln zurück.

Die recht großen und schweren Sony Headphones waren in den frühen Nuller-Jahren sehr populäre DJ-Kopfhörer, allerdings brachen die Plastikaufhängungen gerne mal. Aber auch Muscheln anderer Hersteller wie Pioneer, Technics, AIAIAI sind möglich. Für knapp 100,- Euro gibt es dort z. B. schon einen dem Paradise Garage Lollipop nachempfundenen Headphone-Stick.  

Weitere Bezugsquellen für Stick-Headphones sind ArielLollipop aus New York City und Numark, deren sehr preiswerter Redphone bereits bei Bonedo getestet wurde.

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