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19.10.2016

Peluso Microphone Lab P67 Test

Doppelmembran-Röhrenmikrofon nach Vorbild des Neumann U 67

Brillianterer Nachbau

Das Röhrenmikrofon Peluso P67 trägt eine „große“ Zahl in sich: Die bloße Äußerung von (U) 47, 67 und 87 dürfte den Puls diverser Mikrofon-Nerds auf Trab bringen. Und das völlig zu Recht, denn mit diesen drei Mikrofonen setzte die Firma Neumann über Jahrzehnte hinweg Standards. Aufgrund ihrer Klangqualität und der vielfältigen Einsatzbereitschaft verrichten die oben genannten Mikrofone auch heute noch ihren Dienst in diversen High-End-Tonstudios. Nicht nur heute, auch zu ihrem jeweiligen Entwicklungszeitpunkt eroberten sich die Mikrofone einen sicheren Platz an den Schallquellen unzähliger Top-Produktionen. In der Mikrofon-Evolution sorgte die Neumann'sche Schmiede schon seit der 1928 marktreifen Neumann „Flasche“ CMV3 für Aufsehen.

Die Erfolgsgeschichte der Firma Neumann hängt vermutlich mit einem außergewöhnlichen Gespür für einen klanglichen Zeitgeist in Kombination mit technischer Top-Qualität zusammen. Im Hause Neumann wurde aber nicht nur aus freien Stücken weiterentwickelt. So mussten stark etablierte Mikrofone wie das U 47 teilweise notgedrungen weiterentwickelt werden. Das U 67, welches als Nachfolger des U 47 gilt, erblickte somit aufgrund eines Röhren-Produktionsstopps das Licht der Welt. Das drohende Aus der im U 47 verbauten Telefunken-Röhre VF-14-M zwang Neumann zur Entwicklung des U 67. Mit diesem Schritt wurde, durch die Weiterentwicklung der legendären M7-Kapsel die zusätzliche Schaltung der Richtcharakteristik Acht ermöglicht. Die daraus resultierende Kapsel K 67 vollbrachte damit erstmals das bis dahin einmalige Kunststück, die wichtigsten Richtcharakteristiken in einem Mikrofon zu vereinen (Niere Acht und Kugel). Technisch wurde das realisiert, indem zwei autark arbeitende Membrane Rücken an Rücken arbeiten. Die beiden Membrane der K-67-Kapsel teilten sich fortan nicht mehr eine Elektrode wie bei ihrem Vorgänger M7. Das röhrenverstärkte U 67 wurde schließlich durch die ausreichend miniaturisierte Transistortechnik abgelöst. Ende der 1960er Jahre wurde aus dem U 67 mit Röhrenverstärkung und K-67-Kapsel das U 87 A mit Transistorschaltung und modifizierter K-67-Kapsel.

Die Beschaffung der voran genannten, aber nach wie vor stark etablierten und beliebten Neumann-Arbeitspferde gestaltet sich als schwierig, weil sie in dieser Form nicht mehr hergestellt werden. Die größte Hürde zur Anschaffung eines solchen Exemplars dürften die Gebrauchtmarktpreise sein. Denn inzwischen gleicht der Vintage-Neumann-Mikrofonkauf einem achtbaren Investment. So wird je nach Modell und Zustand zwischen 5000 und 12000 Euro für ein U 47, U 67 oder U 87A veranschlagt. An dieser Stelle kommt die amerikanische Firma Peluso ins Spiel, welche sich neben anderen besprochenen (Neumann-)Legenden auch das U 67 zum Vorbild genommen hat, um eine qualitative und erschwingliche Alternative zu entwickeln. Der Gründer der Firma Peluso ist John Peluso, welcher seit etwa 35 Jahren sein Handwerk beim Reparieren und Warten von Vintage- Mikrofonen erlernt hat. Die Handfertigung der Peluso-Mikrofone ist im US-Bundestaat Virginia beheimatet.

Details

John Peluso auf Frequenzfang

Für die möglichst originalgetreue Entwicklung der Kopie standen John Peluso zehn originale Neumann U 67 Pate. Insbesondere die Frequenzgänge dieser in den 1960er Jahren direkt nach der Herstellung durchgemessenen U 67 Mikrofone finden sich im P67 wieder. Die Kopie eines brandneuen U 67 dürfte von daher nicht nur auf die äußerlichen Werte bezogen starke Ähnlichkeiten aufweisen. Die U 67 Frequenzkurven sollen sich mit einer Abweichung von +/- 1 dB im P67 wiederfinden. Das P67 dürfte allerdings ein Mehr an Brillanz abbilden als es ein originales und gealtertes U 67 aus den 60er Jahren vermag. Der Grund dafür ist unter anderem die mit dem Alter abnehmende Spannung der Membran eines in den 60er Jahren hergestellten Mikrofons, welche zu einem trägeren Impulsverhalten führt.

Das Lieferpaket: Das P67, optische fast ein U 67

Das P67 weist starke Ähnlichkeiten zu seinem Vorbild auf. Das Design des Mikrofonkörpers kommt in seinem matten (Edelstahl) Nickel- Look recht schlicht daher. Auffällig ist, dass die aus dem Neumannschen Hause gewohnte edle, robuste aber zurückhaltende Anmutung auch das P67 für sich zu beanspruchen scheint, in diesem Falle ohne Neumann-Logo, aber mit einem fein eingestanzten Peluso-Emblem und der Typenbezeichnung P67. Auch das Zubehör, wie das Holzetui, der mitgelieferte MX56-Verstärker und die Spinne kommen recht robust und damit „Neummann-mäßig“ daher.

Schaltung

Während das Neumann U 67 auf einer Verstärkung durch die Telefunken-Röhre EF-86 aufbaut, setzt das P67 im vorliegenden Testmikro auf eine russische Kopie der ursprünglichen Telefunken-Wehrmachts-Spezialröhre EF-95 (6Ж1П-ЕВ / 6SH1P). Sowohl das Vorbild als auch die russische Kopie sind 6,3V-Pentoden. Die Röhren aus russischer Herstellung sind in der Audioszene nicht bei jedem außerordentlich beliebt und lassen stellenweise in Sachen Klang nach oben Luft. Wer den Klang an dieser Stelle noch einer Feinanpassung unterziehen will, der wird in zahlreichen Shops und Foren unter der Bezeichnung EF-95, Tipps und Alternativen zu Röhren anderer namhafter Hersteller finden. Auf der anderen Seite übernimmt die Kapsel dann doch zu einem größeren Anteil die klangfärbende Aufgabe in einem Mikrofonaufbau, damit dürfte der zu erreichende Unterschied marginal sein. Von Peluso werden hier jedoch unterschiedliche Angaben gemacht. Laut E-Mail Auskunft und entgegen der Info, welche auf der Peluso-Webseite zu finden ist, wird das P67 aktuell mit Svetlana 6J1 oder GE 5754 Vintageröhren bestückt.

Bauliches

Das P67 ist mit der hauseigenen Doppelmembrankapsel PK-67 ausgestattet. Die Kapsel genießt in der DIY-Szene einen erstklassigen Ruf und wird gerne als Ersatzkapsel zur Grundüberholung oder zum Klonen der Modelle U 67 oder U 87 angewendet. Der beliebte Klang der PK-67 scheint mit der exakten Kopie der Neumann K-67-Kapsel zusammenzuhängen. Hierfür wurden über 50 Neumann-Kapseln durchgemessen, um möglichst originalgetreue Richtwerte für die Produktion der Metallbestandteile in China zu nutzen. Die Kapseln werden schlussendlich kombiniert mit deutschem Membranmaterial in den USA zusammengebaut. Die Resonanzfrequenzen der Neumann-Kapsel K-67 befinden sich zwischen 8 und 10 kHz. Diese Werte erreicht Peluso bei der PK-67 Kapsel mittels abschließender Stimmung in Virginia USA (wobei hier die Peakwerte mit 2 kHz etwas niedriger ansetzen, aber ebenfalls bis 10 kHz reichen). Mit den zusätzlichen Peaks zwischen 2 und 8 kHz wird vermutlich die etwas brillantere Klangfarbe eines frisch vom Fließband kommenden U 67 realisiert.

Die Richtcharakteristika können mithilfe des Verstärkers MX56 umgeschaltet werden. Das P67 bietet sechs verschiedene Stufen zwischen den Richtcharakteristiken Niere, Kugel und Acht. An dieser Stelle hat das P67 dem U 67 etwas voraus: Das U 67 bietet hier nur die drei Standard-Richtcharakteristiken Niere, Kugel und Acht – keinerlei Zwischenstufen. Der Transformer des P67 ist laut Peluso ein eigens, für dieses Mikrofon entwickeltes Sondermodel, welcher auf den Namen P-T-67 hört.

Technische Details

Mit 18 mV/Pa ist das P67 gegenüber dem U 67 mit 20 mV/Pa ein wenig unempfindlicher. Typischerweise liegt die Empfindlichkeit von Kondensatormikrofonen in einem Bereich zwischen 8 und 32 mV/Pa. Das P67 siedelt sich nach diesen Werten mit seinen 18 mV/Pa im oberen Drittel an und ist damit immer noch sehr empfindlich. Das P67 bietet zudem an anderer Stelle bessere Werte. Mit einem Übertragungsbereich von 20 - 20000 Hz besitzt das P67 ein Mehr an Bandbreite als das U 67 mit seinen 30 - 16000 Hz. Mithilfe des zuschaltbaren 10dB-Pads ist das P67 in der Lage, einen Schalldruckpegel von 148 dB SPL zu verarbeiten, was in etwa einer Jagdflugzeugturbine in einem Meter Entfernung entspricht (etwa 150 dB SPL). Hier besitzt das U 67 mit 116 dB SPL (bzw. 126 mit eingeschaltetem Pad) weniger Toleranzen.

Das Hochpass-Filter, zu dessen Grenzfrequenz ich beim P67 keine Werte gefunden habe, kann unter Umständen bei unerwünscht starkem Nahbesprechungseffekt Abhilfe schaffen. Das U 67 bietet an dieser Stelle eine Hochpassfrequenz von 100 Hz, welche mittels Neumann-üblichem Schalter direkt am Mikrofonkörper zugeschaltet werden kann. Auch beim P67 sind die Pad- und Hochpassoptionen an selbiger Stelle mittels Kippschalter abrufbar. Die Röhrenverstärkung kann nicht unbedingt als die rauschärmste Verstärkertechnologie bezeichnet werden, nichtsdestotrotz weist das P67 mit einem Rauschpegel von 14 dB(A) einen vergleichsweise guten Wert auf. Das Neumann M-149 beispielsweise, welches vom Hersteller Neumann als eines der rauschärmsten Röhrenmikrofone bezeichnet wird, bietet hier einen Wert von 13 dB(A).

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