Gitarre Hersteller_Peavey
Test
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11.12.2012

Praxis

Sound/ Bespielbarkeit

In diesem Test soll die MIDI-Fähigkeit der Gitarre keine Rolle spielen. Ich bin in erster Linie neugierig, wie hilfreich diese Technologie ist, wie sie funktioniert und was sie letztlich auch für den Klang der Gitarre bedeutet.

Aber von vorne: Um den Effekt des Stimmens zu verdeutlichen, habe ich die Gitarre verstimmt und den eigentlichen Stimmvorgang einmal aufgenommen. Dazu drücke ich den Tonregler nach unten - die Gitarre befindet sich jetzt im sogenannten Aktiv-Modus - schlage die Saiten an und drücke einmal auf das Volumenpoti.

Beeindruckend, ohne Frage. Der Effekt ist tatsächlich der gleiche, den man auch als "Cher-Effekt" kennt. Gestimmt ist sie jetzt, aber wie verhält sich der Ton im Aktiv-Modus im Vergleich zu dem eigentlichen Gitarrenton, den die beiden Humbucker liefern? Dazu wird einfach der Tonregler nach oben gezogen und die Gitarre in den passiven Modus geschaltet. Aber Achtung: Die gestimmte Gitarre exisitiert natürlich nur im aktiven Modus, ist also nur virtuell vorhanden, in der Realität sind die Saiten immer noch so ungestimmt wie vorher! Im passiven Modus muss ich deshalb zuerst von Hand dafür sorgen, dass sie die richtige Tonhöhe haben. Deshalb sollte man auch eine automatisch gestimmte AT-200 über Amp oder Kopfhörer spielen, denn beim trockenen Anspielen funktioniert es naturgemäß nicht, und bei einem sehr leisen Amp können die hörbaren nicht gestimmten Saiten ziemlich nerven. Das heißt auch, dass man bei leer werdenden Batterien im Passivmodus die Elektronik problemlos umgehen und über die beiden Humbucker weiterspielen kann, aber vorher tunlichst Hand anlegen sollte.

Deshalb geht es jetzt weiter mit dem Vergleich passiv - aktiv (Auto-Tune), und ich schalte pro Beispiel durch alle drei Pickup-Positionen von Steg nach Hals. Zuerst jeweils der Klang der beiden Humucker.

Als Amp habe ich einen Fender Deluxe verwendet und da ist sie dann auch schon, die Ernüchterung. Die pure, passive Gitarre klingt einfach völlig anders. Mit den Piezo-Pickups im Steg und dem virtuellen Sound ("... Antares pickup tones"), mit dem die Gitarre in diesem Modus arbeitet, klingt sie prozessiert und irgendwie glockig. Außerdem scheint das Auto Tune nicht so recht zu funktionieren, die Gitarre klingt verstimmt.

Dasselbe jetzt noch einmal mit einer Funky-Linie. Die Mittelposition mit beiden Humbuckern ist aktiviert.

Auch hier lässt sich gut heraushören, dass die beiden Sounds relativ wenig gemeinsam haben, im aktiven Modus fehlt es mir einfach an Charakter. Der Vollständigkeit halber jetzt noch einmal die Gitarre an einem Plexi Marshall und mit den verschiedenen Pickup-Positionen.

Der Grundsound der Gitarre ist wirklich gut und bietet genau die modernen Sounds, die man von einer Zwei-Humbucker-Gitarre erwartet. Aber mit aktiviertem Auto-Tune klingt das Signal künstlicher und weniger druckvoll.

Eine clevere Eigenschaft des Systems ist das Stimmen in verschiedenen Tunings. Mithilfe der Griffdiagramme, die man in der Bedienungsanleitung findet, lässt sich die AT-200 zu den unterschiedlichsten Stimmungen überreden. Ein kleines Beispiel: Möchte man ein Drop D, also die tiefe E-Saite auf D herunterstimmen, setzt man einen Finger einfach auf den zweiten Bund der tiefen E-Saite, also auf Fis, und schlägt alle Saiten an. Sobald das Volumenpoti nun gedrückt wird, tönt die Gitarre in Drop D. Oder vielleicht einmal ganz flott zur Baritonstimmung wechseln? Nichts leichter als das: Alle Saiten im fünften Bund greifen, anschlagen und das Volumenpoti drücken- et voilà. Übrigens: Mehr als fünf Halbtöne sollte die Originalstimmung nicht von der virtuellen abweichen, weil das System diesen Abstand unter Umständen nicht mehr sauber verarbeiten kann.

Das ist schon wirklich beeindruckend.

Als Letztes versuche ich ein Open G-Tuning, was nichts anderes bedeutet, als das alle Saiten leer angeschlagen einen G-Akkord bilden. Grundlage ist das Griffdiagramm im Manual, oder man tüftelt die Vorgehensweise selbst aus. Spaß macht beides.

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