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20.03.2019

Pearl Mimic Pro E-Drum Modul Test

Trigger-Modul für E-Drums

Vollwertiges virtuelles Drum-Studio zum Mitnehmen!

Das Pearl Mimic Pro ist ein Highend Trigger-Modul für E-Drums und kommt mit einem Touchscreen, einer internen 120 GB SSD und der Rechenpower eines Laptops. Im Inneren schlummert mit den Steven Slate Drums 5 ein vollwertiges virtuelles Drum-Studio, wie man es sonst nur von spezialisierten VST-Instrumenten aus der Musikproduktion kennt. Als universelles Trigger-Modul soll das Mimic Pro zudem mit allen gängigen Drum Pads der etablierten Hersteller kompatibel sein. All das klingt auf den ersten Blick wirklich fantastisch! Im Review sehen wir uns das fortschrittliche und nicht ganz billige Trigger-Modul genauer an.

Tatsächlich haftet dem Mimic Pro schon zum Testzeitpunkt (März 2019) und damit gut eineinhalb Jahre nach seiner Markteinführung ein gewisser Legendenstatus an. Dies hängt allerdings nicht nur mit den außergewöhnlichen Specs, sondern auch mit ausgeprägten Lieferengpässen zusammen. Das Musikhaus Thomann beispielsweise erhielt laut Auskunft eines Mitarbeiters nach dem offiziellen Release gerade einmal zwei Module, die in Windeseile wieder verkauft waren. Seit Beginn des Jahres 2019 scheint sich die Lage nun allmählich zu bessern und wir konnten ein Testgerät ergattern.

Details

Funktionale Kombination aus Touchscreen und Encoder

So wie das bei einem Modul dieser Preisklasse sein sollte, ist die Verarbeitung des Pearl Mimic Pro über jeglichen Zweifel erhaben. Das 31,8 x 16,5 x 7 cm messende Gehäuse wirkt mit seinen rund 2,5 Kilogramm Gewicht durchaus massiv und besteht größtenteils aus Metall. Ausnahmen bilden zwei Kunststoff-Abdeckungen an den Seiten und der ebenfalls aus Kunststoff gefertigte Push Encoder, der als kleines Helferlein für den Touchscreen konzipiert ist. Standardmäßig regelt er die Kopfhörerlautstärke, bei Bedarf kann er aber nahezu jedem anderen Parameter des Mimic Pro zugewiesen werden. Das ist vor allem dann eine feine Sache, wenn man exakte Einstellungen vornehmen möchte und die Eingabe mit den Fingern zu ungenau wird.

Der Touchscreen hat eine Diagonale von 7“ (ca. 17,8 cm) und basiert ganz zeitgemäß auf IPS-Technologie. Auch wenn man das Display nicht direkt von vorne, sondern aus größeren Blickwinkeln von der Seite betrachtet, bleibt die Darstellung also erfreulich akkurat. Multi-Touch-Fähigkeit, also die Möglichkeit, mehrere Parameter mit mehreren Fingern gleichzeitig zu regeln, steht dagegen nicht im Angebot. Meiner Meinung nach ist das aber auch gut so, denn die Gefahr, im Bühnenalltag unbeabsichtigte Einstellungen zu tätigen, wäre vermutlich größer als der Nutzen eines solchen Features.

Viele Trigger-Eingänge und analoge Ausgänge

Das Mimic Pro bietet stolze 16 Trigger-Eingänge zum Anschluss von Drum Pads. So kann man sich also ganz im Sinne des Mottos „My drum set is my castle“ ein recht umfangreiches Setup zusammenstellen. Zu verdanken ist das vor allem den fünf zusätzlichen Aux-Eingängen, die auf der Rückseite neben den üblichen Anschlüssen für Kick, Snare, Hi-Hats (Pad und Control), Toms und Becken sitzen. In allen Bereichen werden Zwei-Zonen-Pads unterstützt, und dementsprechend wird die Verwendung von dreipoligen TRS-Klinkenkabeln (also Stereo-Klinke) empfohlen. Für die Verwendung von Ride-Becken mit drei Zonen (Bow, Edge und Bell) gibt es, wie zu erwarten, zwei Buchsen, die allerdings so umfunktioniert werden können, dass sich stattdessen zwei Becken mit jeweils nur zwei Zonen anschließen lassen. Clever!

Ausgangsseitig wird man vor allem im analogen Bereich hervorragend versorgt. Neben einem Kopfhörerausgang finden sich zunächst sechs Line-Ausgänge (alle balanced und hinter hochwertigen Burr-Brown-Wandlern), von denen die ersten zwei fest für den Master-Ausgang vorgesehen sind. Bereits damit ist man im Routing verhältnismäßig flexibel und kann beispielsweise Kick und Snare auf jeweils einen separaten Mono-Kanal sowie Toms und Overheads/Raum auf jeweils einen Stereo-Kanal legen. Wer den FOH-Mann noch umfassender mit Einzelkanälen versorgen will, dem bietet sich die Möglichkeit, eine (nicht enthaltene) Kabelpeitsche an den dafür vorgesehenen DB25-Port anzuschließen und damit weitere acht Ausgänge nutzbar zu machen. Das ist doch wirklich beeindruckend! Bei 14 analogen Outputs plus Kopfhörer können selbst die meisten mobilen Audio Interfaces nicht mithalten. Ein Stereo-Eingang für den Anschluss eines Smartphones, Tablets oder prinzipiell auch zum Einspielen eines Monitor-Mix darf natürlich auch nicht fehlen!

Bei den digitalen Schnittstellen ist noch Luft nach oben

Im Gegensatz zu den vielfältigen analogen Anschlussmöglichkeiten zeigt sich das Mimic Pro im digitalen Bereich (noch) nicht besonders bindungsfreudig. Der USB-Port ist ausschließlich zum Anschluss eines Sticks und damit zum Dateitransfer und für Backups vorgesehen. Auf Audio oder MIDI über USB und auch auf direkten Datenzugriff von einem Rechner aus muss man zumindest zum Testzeitpunkt verzichten. Für MIDI-Verbindungen steht aber natürlich eine klassische Schnittstelle im 5-Pol-DIN-Format bereit, und gerade der fehlende Datenzugriff von außen wird dadurch, dass es sich beim Mimic Pro mit seinem Touchscreen um ein äußerst komfortabel zu bedienendes Modul handelt, deutlich relativiert.

Allgemein scheint in Hinblick auf digitale Schnittstellen das letzte Wort aber ohnehin noch nicht gesprochen. Ein mit der Beschriftung „EXT“ versehener RJ45 Netzwerk-Port ist zum Testzeitpunkt noch funktionslos, was sich mit künftigen Updates ändern soll. Ich persönlich muss hier ein wenig an Netzwerkprotokolle wie AVB oder Dante denken, aber das ist natürlich reine Spekulation. Der SD-Slot auf der linken Seite des Gehäuses wird ebenfalls noch nicht genutzt. Was sein Zweck sein wird, ist in diesem Fall aber leichter zu erraten.

Weiterhin benötigtes Zubehör

Allgemein ist bei einem so kostspieligen Gerät wie dem Mimic Pro natürlich ein sorgsamer Umgang angesagt. Im Handbuch wird auf die Möglichkeit hingewiesen, das LCD, ähnlich wie bei einem Tablet oder Smartphone, mittels einer Schutzfolie vor Kratzern zu bewahren. Da Pearl kein passendes Case im Angebot hat, empfiehlt es sich zudem, Ausschau nach einem universellen Koffer mit Schaumstoffpolsterung zu halten. Zumindest wenn man vor hat, das Mimic Pro mit auf Tour zu nehmen.

Weiterhin ist zur Integration des Mimic Pro in ein Set eine Halteplatte nötig, mit der man das Modul an einer Multiclamp montieren kann. Auf der Unterseite des Gehäuses sitzen vier passende Gewinde (ohne Schrauben), und Pearl empfiehlt (wie wäre es auch anders zu erwarten?) das hauseigene Modell Pearl RDMM. Prinzipiell lässt sich aber auch jede andere Halteplatte mit den standardmäßigen Lochabständen von 10 x 7 cm verwenden, wobei man sich um passende Schrauben dann selbst kümmern muss. Ebenfalls unabdingbar zum Betrieb sind natürlich ausreichend viele TRS-Klinkenkabel zum Anschluss der Pads.

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