Hersteller_Pearl E-Drum_Test_Profi_Pearl_E-Pro_Live
Test
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10.12.2013

Praxis

Der Aufbau des Pearl E-Pro Live geht in unserem Fall überaus einfach und zügig vonstatten. Da es sich um ein Vorführmodell der Firma Pearl handelt, sind alle Klemmen für Beckenarme und Tomhalter bereits fertig am Rack vormontiert. Die Bassdrum in den handlichen Maßen 20x12 Zoll steht separat unter dem Rack, die 14x4,5“ große Snaredrum wird ganz konventionell auf einem Snareständer platziert, alle drei Tom-Toms werden, wie auch die Becken, am Rack mit Klammern befestigt. Nachdem die gut lesbar markierten Kabel zwischen Modul und sämtlichen Pads verbunden sind, interessiert mich natürlich die E-Drum-Funktion dieses Hybriden. Denn die akustische Optik ist ohne Frage stimmig, aber was verbirgt sich unter der Haube?

Sage und schreibe 100 vorkonfigurierte Kits befinden sich in der Werksausführung im Modulspeicher. Diese weisen im Vergleich zu den anderen Test-Sets eine nicht so standardisierte Abfolge wie zum Beispiel Rock, Pop, Jazz, Elektro, Fusion oder Percussion auf. Das ist einerseits erfrischend, aber für alle E-Drummer, die vor allen Dingen Rock- und Pop- Musik spielen und im Wechsel zwischen den Songs auf vorgefertigte Setups zurückgreifen wollen, hat die Konkurrenz von Roland und Yamaha mehr zu bieten. Die Einzelsounds des Moduls klingen etwas eindimensional, sind aber besonders im Fall der Trommelklänge variabel und vielfältig vorhanden. Wer sich die Mühe macht, seine Wunschklänge auf einem der 100 User Kits zu verewigen, kann dazu in der Red Box auf eine sehr umfangreiche Auswahl an Sounds zurückgreifen. So klingen verschiedene Drum-Kits in der Werkseinstellung:

Hier könnt ihr euch Einzelklänge verschiedener Snaredrums, Bassdrums und Tom Toms anhören:

Die gummierten Pearl Tru-Trac-Pads liegen im Spielvergleich mit den Mesh-Heads von 2Box und Roland sowie den DTX-Pads von Yamaha deutlich zurück. Sie dämpfen zwar ausgezeichnet den Körperschall der Trommelkessel, was einem geräuscharmen Üben ohne Frage zuträglich ist, spielen sich aber weniger wie Trommelfelle, sondern eher wie eine Ansammlung von Practice-Pads, deren Rebound-Eigenschaften nicht verändert werden können. Die Bassdrum macht von allen Pads den besten Eindruck, ihr Trigger reagiert homogen in allen Dynamikstufen von sehr leise bis laut. Die Toms triggern auf der Fellzone nur im Center ausreichend, allerdings mit größeren dynamischen Ausreißern. Zum Rand hin lässt das Triggersignal nach und setzt mitunter sogar aus. Das Snare-Pad ist - wie die Tom-Pads auch - mit einem Zweizonen-Trigger ausgestattet. Dieser beinhaltet die Klangoptionen Rimshot und Center-Schlag. Ein dritter, zusätzlicher Rimclick ist nur mit Variation des Grundklangs möglich. Der Rimsound hat in den meisten Akustik-Presets nur bedingt etwas mit dem zugehörigen Center-Klang gemein, mischt sich nicht mit ihm und kann auch nicht gleichzeitig erklingen. Dieses Phänomen findet sich auch bei den Tom-Pads. Die Snaredrum hat acht Dynamikstufen, welche im leisen Piano bis Mezzoforte-Bereich mit feinerer Abstufung untereinander erklingen. Zum Forte-Bereich hin reißt die Lautstärke allerdings stark aus, was im Spiel auch bei mittellauten Schlägen zu ungewollten Akzenten führt. Auch in der einstellbaren höchsten Sensibilitätsstufe  kommt der Trigger in Verlegenheit und reagiert mit kleinen Aussetzern – insbesondere bei leisen Wirbeln.

Hier könnt Ihr die Snaredrum des Preset-Kits „Heartland“ hören. Auffällig ist der große Unterschied zwischen leisen und mittellauten Schlägen, letztere werden vom Trigger durchweg als laute Akzente gedeutet. Beim Versuch eines mittig gespielten Presswirbels ist der Trigger überfordert.

Und hier ein Beispiel nach dem Firmware Update der Red Box, der Trigger zeigt in mittellauten Anschlägen mehr Präsenz, die Ausschläge zwischen lauten und mittellaut gespielten Schlägen gehen nicht mehr ganz so weit auseinander. Bei Presswirbeln gerät der Trigger weiterhin ins Stottern.

Das Pearl ePro Live lässt sich via Zweikanal-Stereosumme auf eine PA verstärken, eine Einzelausgabe (Direct Outs) aller Signale ist nicht möglich. Die Signale können allerdings über die beiden Aux-Wege unabhängig von aktivierten Multieffekt-, oder Clicktrack-Einstellungen als Monitorsignal geroutet werden. Eine externe Audioquelle kann als Zuspieler bequem über die beiden Cinch-Buchsen eingestöpselt werden. Für Recording-Anwendungen steht neben der MIDI-In und -Out Funktion auch die Konnektierung des Moduls per USB zur Verfügung. Das seit Februar 2013 erhältliche Firmware-Update für die Red Box beinhaltet unter anderem 50 zusätzliche User-Kits. Dieses Update wird allerdings ab Werk nicht vorkonfiguriert, der User muss es sich erst selbständig von der Website des Red-Box-Soundshops herunterladen. Zusätzlich gibt es neben den notwendigen Update-Programm-Tools auch neue kostenpflichtige Kits zum Download, die ebenfalls per USB auf dem Modul installiert werden. Diese Kits sind in Zusammenarbeit mit Firmen wie Toon Tracks, Steven Slate Drums, Zildjian und anderen entstanden.

Für solch ein großes Drumkit muss allerdings der gesamte Speicher der Red Box überschrieben werden, ein sehr zeitaufwendiges Procedere. Wesentlich einfacher ist es, die Red Box als Trigger-Modul für eine externe VST-Software via Midi zu benutzen.

So klingt das Pearl E-Pro Live Snare-Pad mit einem Sample aus NI Abbey Road „Modern Drummer“:

Beim Thema Latenz schneidet das Pearl E-Pro Live mit insgesamt 16 Millisekunden Verzögerung schlechter ab als alle Konkurrenzprodukte in dieser Testreihe. Als einziges Set im Test war die Latenz auch beim Spielen des Pearl E-Pro Live zu bemerken. Das DTX700k und das DTX 900k aus dem Hause Yamaha stehen mit zehn beziehungsweise neun Millisekunden Latenz an dritter Stelle. An zweiter Stelle liegt das 2Box Drumit Five Mk2 mit 5 Millisekunden Verzögerung. Die beiden Roland Sets TD-15KV und TD-30K haben nur vier beziehungsweise drei Millisekunden Latenz und sind somit die klaren Gewinner in puncto Signalübertragung.

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