Gitarre Hersteller_PRS
Test
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17.11.2009

Praxis

Eine E-Gitarre ist, genau wie eine Westerngitarre, ein akustisches Instrument, denn auch hier werden Hölzer durch die Saiten in Schwingung versetzt und verstärken den Ton. Bedingt durch die massive und flache Bauweise ist dieser im Gegensatz zu Gitarren mit großem Resonanzkörper natürlich wesentlich leiser. Dass sorgsam ausgewählte Hölzer und eine gute Hardware trotzdem auch hier den Sound positiv beeinflussen, steht außer Frage. Das Ganze hat weniger mit Voodoo als vielmehr mit handwerklichen Fertigkeiten und der Kunst des Gitarrenbauens zu tun. Wichtig ist also, dass der Primärton stimmt, also die akustische Qualität des Instrumentes. Aus einer fernöstlichen Gitarre aus Presspappe werden auch die besten Pickups kein brauchbares Instrument zaubern.

Nach dem Auspacken habe ich das gute Stück erst einmal einige Tage zum Üben verwendet, und zwar ohne Amp. Schon beim ersten Akkord fiel mir die enorme Schwingungsfreudigkeit des Korpus auf. Die Gitarre ist für eine Solidbody recht laut und versetzt beim Spielen im Sitzen den Brustkorb mit in Schwingung. Diese Eigenschaft ist eine Rarität bei E-Gitarren und beweist das gehobene Niveau dieses Instrumentes. Auch das Spielen bis in die höchsten Lagen gestaltet sich sehr komfortabel: Die Töne klingen auf jeder Position völlig ausgewogen und mit einer gehörigen Portion Sustain. Die tiefe E-Saite hat einen schönen, klaren „Twang“, der perfekt dosierte Höhenanteile besitzt - nicht zu viel und nicht zu wenig. Ich erwähne die tiefe E-Saite deshalb, weil besonders Les Paul-artige Gitarren genau hier oft schwächeln. Wenn die tiefen Saiten keine Obertöne besitzen, stimmt etwas mit der Qualität des Holzes nicht und die Gitarre klingt rundum muffig und undifferenziert.


Dies ist bei der PRS Sunburst 22 definitiv nicht der Fall. Am Gitarrenamp präsentiert sich der Sound selbst mit viel Gain sehr differenziert. Der Ton besitzt ein klares Fundament, runde Mitten und zuckersüße Obertöne. Vor allem in der Stegposition hat man immer einen durchsichtigen Ton, bei dem die Saitentrennung vorbildlich funktioniert, egal, ob clean, angezerrt oder mit viel Gain. Die Halsposition ist für meinen Geschmack jedoch eine Spur zu fett abgestimmt und lässt genau die luftige Wiedergabe vermissen, die mir am Steg so gut gefällt. Der Ton eignet sich daher eher für jazzige Sounds als für schmatzige Blueslicks. Ich besitze unterschiedliche PAF-Humbucker von Gibson und diverse Boutique-Nachbauten von Dommenget, Kloppmann, Voodoo und Seymour Duncan. Kein Wunder, dass es mir zwischendurch schon etwas in den Fingern juckte, in die Halsposition versuchsweise einen anderen Pickup einzusetzen.

 

Zieht man den Tonregler heraus, werden die beiden Tonabnehmer gesplittet. Das Singlecoil-Splitting klingt hier im Vergleich zu vielen Gitarren, die ich im Laufe der Zeit getestet habe, sehr überzeugend und erreicht fast schon Fenderniveau. Besonders im Obertonbereich zeigen sich die typischen Singlecoil-Sounds genau so, wie sie sein sollen, mit amtlichen, unverfälschten Höhen.

Damit ihr nachvollziehen könnt, worüber ich hier schreibe, gibt´s jetzt was auf die Ohren:

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