Test
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18.05.2017

Praxis

Alle Becken glänzen mit schlüssiger Abstimmung

Nachdem ich ausreichend Beckenstative in meinem Studio zusammen gesucht habe, hänge ich die erste „Ladung“ 900er auf und stelle nach dem ersten Anspielen fest, dass auch diese Serie die Paiste-typische Tugend perfekt aufeinander abgestimmter Instrumente besitzt. Das ist natürlich besonders bei den Crash-Gruppen zu hören, aber auch die anderen Modelle wirken tonal sehr schlüssig. Klanglich würde ich die 900er ganz klar als Becken für kräftige Spielweise und laute Stile charakterisieren. Freunden von Komplexität, Wärme und holziger Ansprache werden die Instrumente wahrscheinlich zu glockig und aggressiv erscheinen. Kommen wir nun zu den Modellen im Einzelnen. 

Durchsetzungsstark und hell geben sich die Crashes

Bei den Medium Crashes handelt es sich um klar und voll klingende Becken, die trotz deutlicher Hämmerung kaum „Trash“-Anteile im Sound besitzen. Sie sprechen gut an, das versprochene „giving feel“, also ein weiches Spielgefühl, kann ich ihnen aber nur eingeschränkt attestieren. Ihr Grundklang ist hell, glasig, löst relativ fein auf und vermag sich auch in lauten Kontexten durchzusetzen. „Paistig“, so kommentiert ein Kollege ihren Klang treffend. Noch deutlicher treten diese Eigenschaften bei den Heavy-Modellen hervor, welche schon eine starke Hand erfordern, um sie zur Entwicklung ihres vollen Crash-Potenzials zu bewegen. Erstaunlicherweise haben es die Schweizer geschafft, die schweren Modelle fast genauso klingen zu lassen wie ihre Medium-Geschwister, nur nochmal deutlich lauter. Das könnt ihr auch gut auf den Aufnahmen sowie im Video hören. 

Für Freunde des gepflegten Pings und Klongs: Die Rides

Im Gegensatz zu den Crashes besitzen die Heavy Rides sowie das Mega Ride einen deutlich anderen tonalen Charakter als die Medium-Versionen. Trotz leichterer Bauweise und kleinerer Kuppen erzeugen die beiden Rides einen insgesamt helleren, leichtfüßigeren Grundsound mit weniger tonaler Substanz. Ihre Kuppen klingen klar, aber nicht übermäßig aggressiv. Das Einsatzgebiet dürfte sich damit über den weiten Bereich laut gespielter Backbeat-Musik erstrecken, wo die Becken zwar durchsetzungsstark, aber trotzdem integriert sein sollen. Bei den Heavy-Versionen sorgt die starke Hämmerung hingegen für einen deutlich dunkleren, grollenden Sockelton, der ebenso klar wie durchdringend erklingt. Statt eines hellen „Pings“ ertönt eher ein „Klong“, und wer die Kuppen unvermittelt kräftig anschlägt, erntet schmerzverzerrte Gesichter bei den Bandkollegen. Dies steigert sich beim 24er Mega Ride auch gern mal zu einer Beschwerde – wer das Monster wirklich prügeln will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass dann vom Rest der Musik in kleinen Proberäumen nicht mehr viel zu hören ist. Dieses Ride ist ein Spezialist für sehr laute Amps, große Bühnen und möglichst hohe Räumlichkeiten. Auch meine übliche Empfehlung für leichte, einstrebige Hardware gilt hier nicht, dem Mega Ride sollte man ein adäquates, doppelstrebiges Stativ spendieren.

Auch die Hi-Hats sind für kräftige Bearbeitung gemacht

Bei den vier Hi-Hat Modellen ist die gleiche Klarheit zu hören wie bei den Crashes und Rides. Das dunkelste Modell stellt die 14er Medium Version dar, gefolgt von der 15er Heavy Hi-Hat, welche – bei Bedarf – allerdings nochmals deutlich lauter werden kann. Präzise und hell kommt die 14er Heavy Version daher, welche auch bei schnellen Schlagfolgen sehr akkurat bleibt und nicht zum Verwaschen neigt. Mit der für diese Bauart typischen Kehligkeit geht die Sound Edge Hi-hat zu Werke. Der gewellte Bottom-Rand erzeugt in Kombination mit dem Gewicht der Becken eine erhöhte Präsenz, insbesondere bei getretener und geschlossener Spielweise. Allen 900er Hats ist die Auslegung für kräftiges, klares Spiel gemein, wer mit halb geöffneten Becken gerne weiche, „sloshige“ Teppiche legt oder besonders dynamisch zu Werke gehen möchte, wird mit den Instrumenten vermutlich nicht glücklich.

Raue Chinas, feine Splashes

Die beiden leichten Splash-Becken geben sich klanglich als echte Allrounder, sie sprechen schnell an, klingen angenehm komplex und empfehlen sich als preisgünstige Alternative zu deutlich teureren Modellen. Die drei Chinas liegen klanglich eher auf der Linie der Crashes und Rides, sie erzeugen beim Anspielen ein raues, lautes „Käng“, gefolgt von kurzem, trashig-hohlem Sustain. Im musikalischen Kontext setzen sie sich sehr gut durch, ihnen fehlt es allerdings ein bisschen an Komplexität und Dimension. Im Set kombiniert, überzeugen sie allerdings wieder mit einer gut zueinander passenden tonalen Abstimmung. Hier könnt ihr euch die Becken anhören. 

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