Test
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13.03.2018

Praxis

Die neuen Concorde MK2 fühlen sich durch die Bank gut an. Das überarbeitete Design liegt super in der Hand. Gut, die quietschigen Farben sind Geschmackssache, ich persönlich ziehe rein optisch immer noch die klassischen Concordes in Schwarz oder Silber vor.   Die breiten und leicht elastischen Fingerlifts fühlen sich dank geriffelten Unterseite sehr gut und schwer an.

Wem – so wie mir – schon öfters mal ältere Concorde-Modelle aus den schweißnassen Händen hart aufs Vinyl geflutscht sind, wird das ebenso zu schätzen wissen. Und jeder erfahrenere Vinyl-DJ hat schon mehr als einmal mit Concorde-Systemen aufgelegt, wo der Fingerlift abgebrochen war und mit einem Kabelbinder notdürftig ersetzt wurde. Klassiker! Das ist hier nun nicht mehr nötig: Durch die höhere Elastizität brechen die Griffe nicht so leicht und wenn es doch mal passiert ist, lassen sie sich für kleines Geld austauschen. Es gibt sie in Schwarz, Gelb, Rot und Orange und natürlich kann DJ sie auch einfach zum farblichen Pimpen des Concorde Systems nutzen.    

Die Nadelaufsätze der fünf neuen Concorde MK2 sind grundsätzlich untereinander austauschbar. Aber bevor ihr euch jetzt völlig durchgeknallte Farbkombinationen ausdenkt: Wegen der unterschiedlichen Wicklungen im Concorde-Korpus kommt es auf jeden Fall zu Performance-Unterschieden. So klang das Signal des „Digital“-Stylus durch den „Mix“-Body circa 4 dB leiser. Auf ältere Systeme wie meine Concorde Pro S passen die neuen MK2-Nadelaufsätze physikalisch sowieso nicht. Auch umgekehrt sind ältere Nadeln mit den neuen MK2-Bodys nicht kompatibel. Wer also noch Ersatznadeln für die klassischen Concorde-Systeme hat, kann diese nicht auf den neuen MK2-Bodys nutzen.

Einzelkritik

Aber vor der Farbe kommt die Musik und daher schauen wir nun an, welcher Stylus für welchen Style am besten geeignet ist.

Concorde Mix MK2

... ist der günstigste der fünf neuen Ortofons. Das Einsteigermodell mit sphärisch geschliffener Nadel verspricht solide Performance bei Scratching und Backcueing, gute Klangqualität, hohe Ausgangslautstärke, zuverlässige Spurtreue sowie lange Haltbarkeit. Dafür spricht auch der gute Tracking-Wert von 100 Mikrometern. Der MIX ist der Leiseste der fünf neuen Concordes. Aufnahmen fielen aufgrund des geringeren Outputs von nur 6 mV um etwa 4 dB leiser aus als die des lautesten Stylus, des SCRATCH. Ganz klar das Einsteigermodell der neuen MK2-Serie.

Concorde DJ MK2

... ist der zweitgünstigste Concorde. Wie beim Mix ist die Nadel sphärisch geschliffen und das System eignet sich – wie beim farblich ähnlichen Vorgänger – eigentlich für jede Musikrichtung. Mit 6 mV ist die Ausgangsleistung identisch mit dem Mix, dennoch ist er um ca. 1,5 dB lauter als sein schwarz-grüner Bruder. Scratchen, Backcueing und auch DVS-Einsatz macht der Stylus problemlos mit und qualifiziert sich mit einem Preis von knapp unter 100,- Euro als beste Wahl für alle Allroundanwendungen.

Concorde Scratch MK2

... sieht mit seiner monochromen Farbgebung am stylishsten aus, ist aber – wie der Name bereits vermuten lässt – der Nachfolger des pinken Ortofon Concorde Scratch. Hier ist natürlich Spurtreue beim Scratching und Backcueing gefragt. Bei sauber eingestelltem Antiskating klebt der Scratch MK2 förmlich in der Rille: Der Tracking-Wert liegt bei 120 Mikrometern, ganz wie beim hauseigenen OM S120 System. Um die Scheiben zu schonen, lohnt es sich, mit dem Auflagegewicht herumzuexperimentieren.

Ortofon empfiehlt für die Scratch MK2 zwar ein Auflagegewicht von satten 4 Gramm, aber ich kam im Test bei sauberer Kalibrierung auch mit 3 Gramm gut zurecht. Für normales Cuen und Mixing reichten mir sogar 2 Gramm Auflagegewicht aus, ohne dass die Nadel unruhig wurde. Damit Scratches auch in tiefen Frequenzbereichen fett und satt kommen (Hallo 808 Bassdrum!!!), hat der Scratch Mk. II mit 10 mV die höchste Ausgangsspannung der fünf neuen Ortofons. Das macht sich auch im Output bemerkbar: Er ist der Lauteste.

Concorde Digital MK2

... wurde von Ortofon speziell für Timecode-Vinyls konzipiert und ist schon rein optisch eine konsequente Weiterentwicklung des weinroten Vorgängers Ortofon Concorde Digitrack. Selbst das Blitz-Symbol auf der Nadelspitze wurde übernommen. Die Ausgangsspannung wurde von 8 mV auf 10 mV erhöht, um digitale Timecode-Signale besonders akkurat wiederzugeben, wichtig für den Rauschabstand und die saubere Wiedergabe des Digitalsignals. Der Tonabnehmer ist das schwächste Glied in der Kette eines DVS-Systems. Es gibt kaum etwas Nervigeres für DVS-DJs, als wenn der Laptop „Low Timecode Quality“ meldet und das digitale File aufgrund schlechter Signalübertragung macht, was es will.

Generell taugten alle fünf Ortofone im Test als DVS-Tonabnehmer mit Traktor Scratch MK1 und MK2-Vinyls. Lautstärkeunterschiede durch die Ausgangsleistung des Pickups gibt es beim Abspielen von digitalen Medien ja nicht. Aufgrund ihrer hohen Ausgangsleistung erschienen mir die Systeme Digital und Scratch beim Scratchen mit DVS-Vinyl am akkuratesten.

Darüber hinaus verringert das Concorde Digital-System laut Ortofon die Wiedergabe von ungewollten Frequenzen, die durch Vinylverschleiß entstehen und unterstützt das DVS-System aktiv bei der Interpretation des Timecode-Signals. Also: 1. Wahl für DVS.

Concorde Club MK2

... spielt quasi in seiner eigenen Liga: Er ist mit einer speziellen elliptischen Nadel ausgestattet und als Nachfolger des Concorde Nightclub MK2 anzusehen.

Elliptische Nadeln liegen komplett in der Rille, kitzeln die kleinsten Nuancen aus der Pressung, verschleißen das Vinyl aber auch schneller. Daher sind sie auch nicht unbedingt zum Scratchen anzuraten und es lohnt sich, mit dem Auflagegewicht zu experimentieren, sodass die Nadel möglichst sanft durch die Rillen gleitet.

Für den Einsatz im Studio, im Radio, zum Rippen von Vinyl in den Computer oder in Kombination mit einem richtig guten Club-Soundsystem sind sie die erste Wahl und hier trumpft der Concorde Club MK2 auch richtig auf. Klarer voller Sound, transparente Auflösung und feinste Nuancen werden übertragen. Dank der hohen Ausgangsspannung von 8 mV ist weniger Vorverstärkung nötig und dadurch ist das Tonabnehmersystem weniger anfällig für Rückkopplungen auf der Bühne.

Diese Audiobeispiele zeigen recht gut die Lautstärkeunterschiede zwischen den einzelnen Tonabnehmern. Zum Vergleich erklingt als jeweils sechster Pickup ein klassischer (und schon etwas abgenutzter) Ortofon Concorde Pro.

Musik 1-6: Manuel Mind & Valentino Tomasi – Strange Sounds (Mijk van Dijk Remix) mit freundlicher Genehmigung von Manuel Mind

Musik 7-12: Mindgear – Don't Panic (The Peaceful Karma Remix) mit freundlicher Genehmigung von Mijk van Dijk

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