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07.09.2020

Ortofon 2M Bronze Test

MM Tonabnehmer System

Bronzene Versuchung

Der dänische Traditionshersteller Ortofon bietet mit dem 2M Bronze ein Tonabnehmersystem für Plattenliebhaber, deren klanglichen Ansprüche mit den Jahren gestiegen sind und hierfür nun etwas tiefer in die Tasche greifen wollen, um in den Genuss einer höheren Auflösung und größeren Transparenz zu kommen. Mit einem 2M Bronze erhält der geneigte Plattenhörer ein System mit einem nackten Diamanten mit Fine Line Nadelschliff, was eine verhältnismäßig lange Lebensdauer verspricht. Falls der Abtaster des 2M Bronze dann aber doch mal in die Jahre kommen sollte, kann man auch zum nächsthöheren Nadeleinschub, sprich den des 2M Black, greifen und sich so ein effektives klangliches Upgrade ohne großen Mehraufwand verschaffen. 

Doch checken wir erst mal, wie der dazugehörige Nadelträger des 2M Bronze klingt. Ob er all die klanglichen Versprechen einlösen kann, erfahrt im folgenden Testartikel.

Details & Praxis

Besonderheiten & Techspecs

Ortofons 2M Bronze kommt in der gleichen schlichten weißen Kartonage wie schon das Red und das Blue. Auch hier kommt ein Kunststoff-Blister zum Vorschein, aus dem ich das 2M Bronze sowie ein Tütchen mit Nadelbürste, Minischlitzschraubendreher und zwei M2,5 Montageschrauben mit 5 mm und zwei 2,5er-Schrauben mit 7 mm Länge herausbefördere.

Allen 2M Tonabnehmern gemein ist die spacige Form des Chassis. Das Gehäuse von 2M Black und 2M Bronze ist allerdings aus einem härteren Kunststoff gefertigt, der weniger resonanzanfällig sein soll. Im Gegensatz zu den günstigeren 2M-Vertretern Red und Blue bekamen das 2M Bronze wie auch das 2M Black versilberte Kupferspulen. Als Nadelträger kommt sowohl beim 2M Black als auch beim 2M Bronze ein bloßes Aluminiumröhrchen zum Einsatz, an dessen Ende ein nackter Diamant eingefasst ist. Der Diamant ist mit einem Fine Line Nadelschliff versehen. Das 2M Bronze kommt laut Hersteller bereits bei der empfohlenen Auflagekraft von 15 mN auf eine Abtastfähigkeit bei 315 Hz von 80 µm. Da der zulässige Auflagekraft-Bereich liegt zwischen 1,4 g und 1,7 g liegt, ließe sich das auch womöglich noch steigern.

Die maximale Ausgangsspannung bei 1 kHz gibt der dänische Hersteller mit 5 mV an, was bequem ausreichen sollte, um selbst schmalbrüstigen Vorverstärkern noch einen gut klingenden Ton zu entlocken. Die Kanalabweichung (L/R) soll laut Homepage über den gesamten Übertragungsbereich 1 dB nicht überschreiten. Das wäre schon mal absolut respektabel!

Die Übersprechdämpfung bei 1 kHz beträgt laut Angaben des Traditionsherstellers 26 dB. Zum berüchtigten „Frequenzgang“ stellt Ortofon zwei Angaben bereit: Bei einer maximalen Abweichung von +/-3 dB beziffern die Dänen den Übertragungsbereich mit 20-29.000 Hz (!). Bei +2 dB/0 dB sind es immerhin noch 20-20.000 Hz, was High-End-Freaks in Verzückung bringen sollte. Alles in allem erreichen die Kenndaten locker professionelles Studioniveau.

Montage & Justage

Alle 2M-Systeme verfügen über eine Montageplatte aus Metall, die mit zwei 2,5 mm Gewindelöchern versehen ist, um das Chassis ohne fummelige Muttern unter ein SME-Headshell zu montieren. Die mitgelieferten Schrauben fixieren die Montageplatte von oben durch die Langlöcher des Systemträgers. Die Justage gelingt ebenfalls relativ einfach, weil das Chassis genügend gerade Kanten bietet, um effektiv den Spurfehlwinkel zu minimieren, sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Ausrichtung.

Mit 7,2 g Eigengewicht bewegt sich der 2M Bronze im oberen Mittelfeld der MM-Systeme. Die Nadelnachgiebigkeit liegt bei 22 µm/mN, das 2M Bronze soll sich somit für mittelschwere, aber auch für leichte Tonarme gleichermaßen gut eignen.

Handling & Klang

Das System zeigt sich unempfindlich gegen feinen Staub und auch sonst gibt es sich keine Blöße hinsichtlich des Trackings selbst beim strikten Einhalten der empfohlenen 1,5 g Auflagekraft.

Sein Klangversprechen löst das 2M Bronze uneingeschränkt ein. Wie auch schon das 2M Blue erweist sich unser Testproband als ein System, das durch alle Genres hinweg lässig aufspielt. Einzig in den Mitten lässt es hier und da ein wenig Präsenz und Präzision vermissen, was aber nie wirklich unangenehm wirkt. Im Gegenteil: Die Zurückhaltung im Mittelhochton verleiht dem 2M Bronze eine Prise Gütigkeit bei Platten, die mit anderen Tonabnehmern zu aufdringlich daherkommen. Über daher spratzende S-Laute mancher männlicher Sangeskünstler behält das 2M Bronze immer die volle Kontrolle.  

Insgesamt ist der klangliche Eindruck ausgewogen und homogen mit einem leichten Hang zur seidenen Überbetonung zwischen 10 und 20 kHz. Laut Papier sollten wir es mit einem linearen Übertragungsbereich zu tun haben. Ich habe da aufgrund meines Hörerlebnisses allerdings meine Zweifel. Dennoch klingt das Gebotene niemals unangenehm, vielmehr brillant und seiden. Die teils sehr gute Auflösung über das gesamte Spektrum hinweg sowie die ordentliche Übersprechdämpfung führen zu einer breiten Bühne, großer Durchsicht und einer authentischen Musikwiedergabe mit einer sehr angenehmen Tendenz zur Schönfärbung. In den Bässen empfinde ich das 2M Bronze konturierter als das 2M Blue.

Zudem baut es bei Tiefbässen mehr Druck auf, ohne dabei an Knackigkeit einzubüßen. Vor allem das Ausschwingen der Bässe beherrscht das MM-System gut, dadurch wirkt es sehr straff und konturiert. Als Referenz dient ein frisches DJ200i von Grado, als Phono Preamp habe ich den TPR-3 von Dynavox für alle Aufnahmen verwendet. Viel Spaß beim Reinhören!

Fazit

Mit dem 2M Bronze bietet Ortofon einen sehr guten MM-Tonabnehmer mit einem überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis an. Der verwendete „nackte“ Diamant muss sein Nachhaltigkeitsversprechen natürlich auch mit einer möglichst langen Nutzungsdauer einlösen. Nach kurzer Einlaufzeit klingt der 2M Bronze bereits wie ein ganz Großer, ohne dabei je laut gebrüllt zu haben. Der Fine Line Diamant erlaubt mit einer sehr guten Feinzeichnung über das gesamte Spektrum eine phänomenale Durchsicht. Dabei spielt das System mit einer für diese Preisklasse beispiellosen Lässigkeit auf, was auch auf die gütige Mittenwiedergabe und den fast schon seidenen Hochton zurückzuführen wäre. Das 2M Bronze erweist sich wie auch schon das Blue und das Red als ein toller Generalist und ist ein Tonabnehmer, der sich für alle Genres gleichermaßen gut eignet. Womöglich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter den 2M-Vertretern. Unbedingt antesten!

  • Pro
  • sehr hochwertiges Chassis
  • optionales Upgrade durch Nadeltausch
  • sehr gute Hochtonauflösung
  • gute Kanaltrennung
  • tolle Durchsicht über das gesamte Spektrum
  • gute Räumlichkeit & präzise Ortung
  • lässiger Sound trotz großer Präsenz
  • Contra
  • Nadelschutz etwas fummelig
  • Features & Spezifikationen
  • Ausgangsspannung bei 1 kHz: 5 mV
  • maximale Kanalabweichung bei 1 kHz: 1 dB
  • Übersprechdämpfung bei 1 kHz: 26 dB
  • Übersprechdämpfung bei 15 kHz: 15 dB
  • Übertragungsbereich bei max. Abweichung von +/-3 dB: 20-29.000 Hz
  • Übertragungsbereich bei max. Abweichung von +2 dB/0 dB: 20-20.000 Hz
  • Abtastfähigkeit bei 315 Hz: 80 µm
  • Nadelnachgiebigkeit 22 µm/mN
  • für leichte und mittelschwere Tonarme
  • nackter Diamant mit Fine-Line-Nadelschliff
  • Verrundung: r/R 8/18 µm
  • Auflagekraft-Bereich: 1.4-1,7 g (14-17 mN)
  • empfohlene Auflagekraft: 1,5 g (15 mN)
  • empfohlener Abschlusswiderstand: 47 kOhm
  • empfohlene Abschlusskapazität: 150 - 300 pF
  • Gewicht: 7,2 g
  • Farbe: bronze
  • Preis: 321 Euro

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