Test
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14.12.2017

Numark NS6 II Test

DJ-Controller

Universelles DJ-Werkzeug für Anspruchsvolle?

Vor circa 6 Jahren präsentierte DJ-Ausrüster Numark den ersten NS6, der zur Steuerung von Serato Itch ausgelegt war, der Software, die mittlerweile mit Serato Scratch Live zu Serato DJ verschmolzen ist. Da der NS6 locker mit den Mitbewerberprodukten aus dem Hause Pioneer DJ (DDJ-S1), American Audio (VSM4) oder Denon DJ (MC-6000) mithalten konnte und im Test zu überzeugen wusste, war ich schon sehr gespannt, wie gut die überarbeitete Neuauflage gelungen ist und wie sich die Detailverbesserungen in Form des neuen Layouts, der Pads und der doppelten USB-Anschlüsse in der Praxis bewähren. Das Ergebnis erfahrt ihr in diesem Artikel.

Details

In der Hierarchie der Numark-DJ-Controller rangiert der NS6 II an zweihöchster Stelle und wird nur von dem Controller-Schlachtschiff NS7 III übertrumpft, das mit seinen motorangetriebenen Plattentellern und drei Farbdisplays eine Sonderrolle einnimmt. Wer mit konventionellen Jogwheels Vorlieb nehmen kann und das Schleppen eines 14 Kilogramm schweren Boliden vermeiden möchte, sollte sich den NS6 II als Alternative anschauen.

Der NS6 II zählt mit seinen 568 x 350 x 65 Millimetern zu den größeren Controller-Modellen, begnügt sich aber mit einem transportfreundlichen Gewicht von 4,2 Kilogramm. In der Packung befinden sich neben dem Gerät eine Serato DJ Lizenz, ein externes Netzteil zur Stromversorgung sowie ein USB-Kabel. Das Chassis des Numark-Geräts besteht aus Kunststoff und hat eine Oberfläche aus Metall.

Was auf dem Papier wie eine eventuelle Verschlechterung im Vergleich zum komplett aus Metall gefertigten Vorgänger wirkt, entpuppt sich in der Realität als Vorteil, da der Hersteller durch den Materialmix knapp zwei Kilogramm an Gewicht einsparen konnte, ohne dass die Wertigkeit oder Stabilität darunter gelitten hat. Die Verarbeitungsqualität des NS6 II ist hochwertig und genügt den Ansprüchen professioneller Nutzer. Potis, Taster und Fader sind von guter Qualität und erlauben eine treffsichere Parametermanipulation.

Die kapazitiven Jogwheels, deren Gesamtdurchmesser 15 Zentimeter beträgt, sind mit Displays ausgestattet, die verschiedene mixunterstützende Informationen einblenden. Pro Deck bietet der Controller, wie es sich für einen aktuellen Serato DJ-Controller gehört, acht Pads mit Anschlagsdynamik. Als weitere Besonderheit bieten einige Drehregler eine berührungsgesteuerte Bediendung, dazu aber später mehr im Praxisteil.

Anschlüsse

Die Anschlussausstattung des NS6 II setzt sich im Bereich der Ausgänge, aus der oft gewählten Kombination aus XLR- und Cinch-Buchsen für das Mastersignal und Cinch für das Booth-Signal zusammen, sodass ein direkter Anschluss an eine Beschallungsanlage erfolgen kann. Als analoge Eingänge verfügt das Numark-Gerät über zwei kombinierte Line-/Phonoeingänge für die Kanäle drei und vier. An diese lassen sich Zuspieler zur Setup-Erweiterung oder DVS-Steuerung anschließen. Für Durch- oder Ansagen gibt es außerdem zwei Mikrofoneingänge, ausgeführt als Klinkenbuchsen. Praktisch für die Nutzung des Controllers in unterschiedlichen Anwendungsszenarien sind beiden USB-Buchsen, die einen parallelen Anschluss zweier Computer erlauben. Ein externes Netzteil liefert die passende Betriebsspannung und versorgt das Gerät auch ohne Computerkontakt mit Strom, sodass ein Standalone-Einsatz der Mixersektion möglich ist.

 

Wirft man einen Blick auf das erste NS6-Modell, so fällt auf, dass dieses vier Line-/Phonoeingänge hatte und die Mikrofoneingänge nicht als separate Eingänge ausgeführt, sondern den Kanälen 3 und 4 zugeordnet waren. Zur digitalen Kommunikation mit einem Computer gab es einen einzelnen USB-Anschluss.

Vorderseite

Auf der Vorderseite des Numark NS6 II können zwei Kopfhörer an 6,35- und 3,5-Millimeter-Buchsen angeschlossen werden. Zusätzlich gibt es für diese Signale eine Lautstärke- und eine Mixregulierung sowie eine Aktivierungsmöglichkeit für den Split-Modus. Auf der linken Seite befinden sich die Bedienelemente zur Kontrolle der Mikrofonsignale. Für beide Mikrofone können die Lautstärken und Low-/High-Frequenzen separat justiert werden, eine Ducking-Funktion zur Absenkung der Musik gibt es aber nicht. Die Signale der gut klingenden Mikrofonverstärker werden direkt zum Ausgang des Controllers geleitet, sodass keine Software-Effekte nutzbar sind und keine Aufnahme in Serato DJ erfolgen kann. Ein weiterer Drehregler erlaubt die stufenlose Anpassung der Crossfader-Kurve zwischen sanft blendend und scharf schneidend. Zwei seitlich montierte Bügel sollen das Abbrechen der Drehregler auf der Vorderseite verhindern.   

Deckausstattung

Der NS6 II verfügt über zwei Decks, die einen Vierdeck-Betrieb ermöglichen. Die Decks beherbergen gummierte und beleuchtete Transport- und Sync-Taster und Jogwheels mit einem geriffelten Rand aus Alu. Die Wheels lassen sich zur Songmanipulation verwenden und verfügen über eine optional aktivierbare Scratch-Funktion. Mit einem Touchstrip kann bequem innerhalb eines Songs navigiert werden. Diese Funktion lässt sich im Setup-Menü so einrichten, dass sie nur bei gestoppter Wiedergabe nutzbar ist, damit es nicht zu einer ungewünschten Auslösung kommt. Zur Tempoänderung hat Numark dem NS6 II Pitchfader mit einem Regelweg von zehn Zentimetern spendiert, die zudem mit einer beleuchteten Nullstellungsanzeige versehen sind. Pitchbend-Taster erlauben ein Anschieben und Abbremsen der Songs und zusätzliche Taster aktivieren die temporäre Rückwärtswiedergabe (Bleep) sowie die Tonartkorrektur, die Slip- und Quantisierungs-Funktion.

 

Im oberen Teil der Decks befinden sich die Bedienelemente zur Kontrolle der Effekte in Serato DJ. Auf beiden Seite stehen je drei Drehregler, ein Poti und vier Taster zur Konfiguration, Auswahl und Aktivierung eines Effekts oder eine Effektkette zur Verfügung.

 

Im linken Deck gibt es zudem eine Touch-FX-/Touch-All- und im rechten eine Filter-Roll-/Filter-FX-Taste. Mit diesen Tasten gelingt die Aktivierung der Berührungskontrolle für die Effekt- und EQ-Drehregler und die Kombination der Filterdrehregler-Bewegungen mit Effekten.

Vergleicht man die beiden NS6-Generationen, so fallen im Bereich der Deckausstattung recht viele Detailänderungen sofort auf. Neben den neu gestalteten Jogwheels und der Verlegung der Transporttaster wurden vor allem die Positionen und Bestückungen der Effektsteuerungen an Serato DJ angepasst. Die Touchstrips sind neu angeordnet worden und die Loop-Steuerungen in die neuen Pads eingeflossen. 

Pads

Der NS6 II verfügt über insgesamt 16 mehrfarbig beleuchtete Pads, deren Funktionen mit den direkt darüber platzierten Buttons selektiert werden und Parameter-Adjust-Taster, die zusätzliche Funktionen erreichbar machen. Die Pads steuern Hotcue-Punkte, Hotcue-Punkte kombiniert mit Loops und Loops in unterschiedlichen Ausprägungen (temporär, manuell, automatisch). Darüber hinaus lässt sich der Sampler mit den Pads kontrollieren und eine optionale Anschlagsdynamik für ein lebendiges Einspielen von Samples aktivieren. Leider kann die Lautstärke des Samplers nicht direkt mit dem Controller, sondern nur per Maus in der Software reguliert werden. Für interessant klingende Mixtricks erlauben die Pads einen Zugriff auf die Slicer- und Slicer-Loop-Funktion. Diese zerteilt einen Song in wählbare große Abschnitte, die sich mit den Pads spielen lassen.

Wer die optional erhältliche Serato Expansion Flip besitzt, kann diese ebenfalls mit den Pads kontrollieren. Die Funktionssteuerung findet in Kombination mit dem Hotcue-Modus statt und erlaubt das Aufzeichnen von Hotcue-Triggern und das Anfertigen von Song-Edits.

 

Darüber hinaus ist der NS6 II ist mit einem „Hidden Feature“ ausgestattet, das ich so nennen möchte, da ich weder im Handbuch noch in sonst einer Quelle einen Hinweis dazu gefunden habe. Der Controller kann bei einer vorhandenen Pitch-n-Time-Expansion die Funktion Pitch Play steuern.

Diese erlaubt die tonale Bearbeitung von Hotcue-Punkten und eignet sich zum Generieren musikalischer Phrasen als Ergänzung in einem Mix. Aktiviert wird die Steuerung, wie bei allen anderen Numark-Geräten, über die Tastenkombination Shift & Sampler.

Mixersektion

Der Mixerbereich des Numark NS6 II ist mit vier Kanalzügen ausgestattet. Die Kanalzüge bieten Gain-, Dreiband-EQ- und Filter-Drehregler sowie Fader mit einem 4,5 Zentimeter langen Regelweg. Die Kanäle sind jeweils mit fünfstelligen LED-Ketten zur optischen Pegelüberwachung ausgestattet und in der Mitte der Mixersektion kann der Masterausgangspegel im Auge behalten werden. Die Kanalsignale lassen sich per Schiebeschalter dem Crossfader zuweisen und mit diesem mixen. Das Cut-Lag des Crossfaders kann auf einen sehr guten Wert von unter einem Millimeter eingestellt werden, wodurch auch anspruchsvolle Anwender auf ihre Kosten kommen.

 

Alle vier Kanäle sind mit Tastern zur Aktivierung der beiden Effektwege ausgestattet und die Kanäle 3 und 4 verfügen über Quellenwahlschalter, mit denen zwischen Computersignalen oder analogen Eingangssignalen umgeschaltet werden kann. Beim Umschalten auf externe Signale entfallen die Effektwege, da die externen Signale nicht in die Software geleitet werden. Das Zusammenspiel der digitalen Songs aus der Software und der Signale aus den externen Zuspielern ist recht harmonisch und bedarf nur kleinerer Anpassungen des Pegelhubs. Zur Kontrolle der Master- und Booth-Signale gibt es zwei leuchtend rote Drehregler in oberen Bereich des Controllers.

Der Mixerbereich des NS6 musste ohne Filterschaltungen in den Kanalzügen auskommen und es gab nur eine zentrale Pegelanzeige für das Mastersignal. Etwas komfortabler waren allerdings die Routingoptionen für die analogen Eingangssignale, da alle vier Decks über die entsprechenden Eingänge verfügten. 

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