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Test
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04.10.2008

M-Audio Nova Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Ein neuer Stern am Homerecording-Himmel?

Soviel steht schon mal fest: Wer im Studio Gesang einigermaßen hochwertig aufnehmen möchte, kommt um ein Großmembran-Kondensatormikrofon kaum herum. Natürlich lassen sich damit auch andere Signale aufzeichnen, doch die menschliche Stimme ist das Haupteinsatzgebiet dieser Gerätegattung. Die Mikrofontechnik - vor allem die Feinmechanik - ist in den letzten Jahren preiswerter geworden und die Nachfrage stetig gestiegen, sodass neue Anbieter und Modelle wie Pilze aus dem feuchten Herbstboden schießen. Meine Verwunderung, als ich das erste Mal ein Mikrofon von M-Audio gesehen habe, war etwa so, als ob dieser gewisse Computerhersteller mit dem Obst-Emblem plötzlich damit anfangen würde, Computerschreibtische anzubieten. Schließlich ist M-Audio vor allem für seine Interfaces bekannt. Unser Test soll klären, ob M-Audio es mit der Erweiterung seiner Produktpalette ernst meint, oder es sich um "Schaut-her-wir-können-das-auch"-Produkte handelt.  Schreibt man es auseinander bedeutet "Nova" auf Spanisch "geht nicht". Ein schlechtes Omen?

Im Bereich preiswerter Großmembran-Kondenser ist die Konkurrenz für das Nova immens. Japanische, chinesische, deutsche und amerikanische Hersteller buhlen um die meist junge Kundschaft. Zwar gehört M-Audio zum amerikanischen Unternehmen Avid, jedoch wird das Mikrofon wahrscheinlich in China produziert. Zumindest gibt es keinen anderslautenden Hinweis. "Made in USA" würde von den Marketingexperten entsprechend auffällig platziert werden, da es durchaus ein Verkaufsargument ist. Aber alleine die Preisregion, in der sich das Nova bewegt, spricht dagegen. Gerade aufgrund seines Preises ist dieses Mikrofon primär für Erstkäufer interessant, die für tontechnische Gehversuche nicht gleich auf eine Mahlzeit am Tag verzichten wollen. Auch als zusätzliches Mikrofon, etwa als Alternative zu einem bereits vorhandenen Premium-Mikrofon, könnte sich das M-Audio eignen. Denn zu längst nicht jeder Stimme passt auch jedes Mikrofon, so hochwertig es auch sein mag. Selbstverständlich sind Kondenser dieser Bauart auch für die Instrumental-Abnahme geeignet, zum Beispiel als Distanzmikrofon vor Bassdrum oder Verstärker.  Das Nova ist nicht das einzige Mikrofon des Herstellers, sondern das preiswerteste von sechs Kondensatormikrofonen. Das teuerste unter ihnen ist mit einem Preis von gut € 700 schon nicht mehr "Einsteiger-Mikrofon" zu nennen.

Details

Auf den ersten Blick schön und unauffällig

Für das Design des Nova standen offensichtlich die Produkte des deutschen Erfinders der Kondensator-Mikrofontechnik Pate. Daher ist es schön und unauffällig. Trotz des erstaunlich geringen Preises: Nix Plastikgehäuse. Der Korpus ist ein konischer Metalltubus. Wie bei dieser Bauart üblich, kann man ein großes Gewinde an der Unterseite des Mikrofons abschrauben und somit den Blick auf den Verstärker freilegen. Um die unterseitige XLR-Buchse herum erkennt man ein weites Gewinde, das dazu dient, die mitgelieferte Mikrofonhalterung aufzunehmen. Eine Spinne gehört nicht zum Lieferumfang, jedoch ist das Mikrofon kompatibel zu den marktüblichen Klemmspinnen. M-Audio bietet aber mit dem SM-4 auch einen zum Mikrofon passenden Shock-Mount an.

Ohne Pad und Filter geht auch

Schalter gibt es keine an diesem Mikrofon, denn zu schalten gibt es nichts: Auf verschiedene Charakteristika verzichtet der Käufer eines Nova genauso wie auf Trittschallfilter und Vordämpfung. Dies muss kein Manko sein, denn Stimme wird im Regelfall mit Nierencharakteristik aufgezeichnet; es existieren hervorragende Mikrofone auf dem Markt, die ebenfalls nicht über Filter oder Pad verfügen. Ein nicht umschaltbares Kondensator-Mikrofon wie das Nova verfügt über eine einzelne Membran. Schaut man durch das stabile Metallgitter, erkennt man das 1,1 Zoll messende goldbedampfte Häutchen. Von der Haupt-Aufsprechrichtung aus - also von "vorne" - erkennt man den Mittenkontakt an der Membran, von der Off-Axis aus - bei der Niere von "hinten" - die gelöcherte Gegenelektrode. Als Laufzeitglied ausgeführt, sorgt sie für die feste Nierencharakteristik der Nova-Kapsel. Im Innern des Mikrofons werkelt eine Class-A-Schaltung mit Feldeffekttransistoren, was für Mikrofone dieser Preisklasse nicht unbedingt Usus ist. Der Hersteller gibt die Empfindlichkeit mit mittelmäßigen 16 mV/Pa an, das Rauschen mit 14 dB (A-gewichtet). Schon bei 128 dB SPL wird die Zerrgrenze angegeben. Diese erscheint auf den ersten Blick niedrig, doch verfügt das Nova nicht über ein Pad, das diese Grenze um 10 oder gar 20 dB nach oben verschiebt. Außerdem ist es immer eine Frage der Definition: Während einige Hersteller diese Grenze bei 1% THD ("Total Harmonic Distortion") definieren, tut M-Audio dies schon bei 0,5%. Also alles Roger! Der Frequenzbereich des Mikrofons beträgt laut Hersteller 20 Hz bis 18 kHz bei einer erstaunlich geringen Toleranz von +/- 1 dB. 

Das Nova wird in einem kleinen Karton geliefert, der neben dem Mikrofon eine kleine, englischsprachige Anleitung beinhaltet, zuvor genannte Halterung, ein Kunstlederetui und - man höre und staune - ein Mikrofonkabel.

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