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Test
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20.12.2014

Native Instruments Traktor Kontrol S8 Test

Traktor Performance-Controller mit Vierkanalmischpult & Deck-Displays

Touch and see! Mix and feel!

Native Instruments Traktor Kontrol S8 im bonedo.de-Test: Die neue Allround-Kommandozentrale für Traktor bringt im Vergleich zum S4 einige Neuerungen in Bezug auf den Funktionsumfang, die Bedienkomponenten und die daraus resultierende Arbeitsweise mit sich. Ein „Nachfolger“ oder gar eine „verbesserte Version“ ist der S8 allerdings nicht, das wäre wohl doch untertrieben. Tatsächlich mutet mein heutiger Testkandidat eher an wie eine Verschmelzung des S4 mit dem Mixer Kontrol Z2 und zwei Einheiten des Remix-Deck-Controllers F1. Und es ist auch ein bisschen vom X1 eingeflossen. Prima, weniger Geräte und weniger Kabelsalat auf dem Tisch! Bei einer Symbiose wie dieser verwundert es dann auch nicht wirklich, dass das Flaggschiff mit 1199 Euro deutlich mehr Investitionsbereitschaft einfordert als sein nächst kleinerer Bruder (699 Euro).

Hierfür bekommt man eine nahtlose Integration der Remix-Decks, einen Standalone-Vierkanal-Mixer (quasi einen Z4, den es ja noch gar nicht gibt!), Displays in den Deck-Sektionen, Touch-Knobs, Fluxing, Freezing und natürlich einiges vom bewährten Tafelsilber. Was allerdings fehlt, sind Jogwheels und Pitch-Fader. Für manch einen könnte das bereits ein K.O.-Kriterium sein, wohingegen ein anderer vielleicht bloß lässig mit den Schultern zuckt und dafür lediglich ein „Na und?“ übrig hat …

Details

Nach Sicht der vorab erscheinenden Video-Teaser war mein erster Gedanke: „Alles braucht seinen Platz“. Als ich den Kontrol S8 jedoch aus der wie immer appetitanregend designten Verpackung pelle und ihn schließlich in den Händen halte, stelle ich erfreut fest, dass der Kandidat gar nicht so ein Hüne ist wie zuerst vermutet. Die Verarbeitung und Optik ist im positiven Sinne „typisch Native Instruments“: Die Elektronik schlummert in einem soliden kanzel- und bühnentauglichen Gehäuse aus einem matten Kunststoff und gebürsteter Metalloptik. Gewichen sind – mit Ausnahme des Display-Bereichs – die nach Fingerabdrücken flehenden Plexiglasplatten, eine Entscheidung, die durchaus zu begrüßen ist.  

Das Gerät ist eine gute Hand breiter als der S4 und hat etwa fünf Zentimeter in der Tiefe zugelegt. Das Gewicht ist von 3,4 auf 5 Kilo angestiegen. Kein Wunder, denn zum einen bringt die Workstation nun einen ausgewachsenen DJ-Mixer mit vier analogen Eingängen und drei Ausgängen mit. Zum anderen tummeln sich hier in der Summe auch mehr Buchsen, Knöpfe, Fader und andere Komponenten. Rufe ich mir dann die Feature-Dichte vor das geistige Auge, könnte ich dennoch zu einem Begriff wie „kompakt“ tendieren, um dieses futuristische Arbeitswerkzeug zu beschreiben. Besonders dann, wenn ich dem Probanden ein Besteck aus Media-Playern, Club-Mixer und zwei F1 gegenüberstelle oder gar ein Turntable-Setup, obschon der Vergleich mangels Tellern von nun an wohl mächtig hinkt. Und doch entspringt irgendeiner verwinkelten Ecke der Cortex eine gewisse Skepsis, ob der Einschnitte in die über die Jahre eintrainierten Kontrollmechanismen. Ob sich da mit dem S8 was tut?  

Front- und Backpanel

„Was getan“ hat sich jedenfalls an der Rück- und Vorderseite, wo nun der Fadercurve-Controller inmitten der Schalter für das Crossfader-Routing residiert. Dafür ist die Cue/Mix-Abteilung ganz klassisch ins obere Pult umgezogen. Hinten gibt es nun zusätzliche XLR-Outputs, einen zweiten Mikrofoneingang und nicht zu vergessen zwei Phono/Line-Inputs „on-top“. Erhalten bleiben uns die MIDI-I/Os zur Synchronisation mit externer Gerätschaft oder einer Maschine. Die hat im Übrigen in der „Studio“-Version auch zwei Displays – ein Wink mit dem Zaunpfahl? Wer weiß, aber bleiben wir gleich mal bei den …

Displays

Die integrierten Vollfarbbildschirme sind gut 10 x 6 Zentimeter groß und sehr gut aufgelöst, zudem kontraststark und sowohl in der Helligkeit wie auch in den RGB-Werten regulierbar. Sie zeigen nicht nur Titel-, Zeit-, Key- und Tempoinformationen, Cover-Art und/oder Remix-Decks an, sondern auch mehrstufig zoombare (!) Wellenformen, die den Track quasi greifbar machen, kombiniert mit Beatgrid und Hotcues. Auch die Musikbibliothek darf auf den Screens nicht zu kurz kommen, schließlich gehört die Fahndung nach einem passenden Nachfolgetitel seit jeher zu den Kernkomponenten des DJings. Und durch die integrierten Screens hangelt man sich durch Listen und Verzeichnisse, ohne zum Notebook rüberschielen zu müssen. Sehr schön. Außerdem reagieren die Bildschirme „Smart“ auf die (optional) berührungsempfindlichen Regler für den Browser, die FX und die Remix-Decks, deren Integration auf den ersten Blick sehr gut geglückt ist, denn man sieht sofort, was Sache ist. Beim Browser-Encoder bevorzuge ich persönlich die klassische Variante „niederdrücken“, da ich ihn dann auch mal loslassen kann, ohne dass der Screen die Ansicht umschaltet, aber das ist sicher Geschmackssache.

Remix-Decks

Den Decksektionen wurde beim S8 fast 40 Millimeter mehr Raum zur Verfügung gestellt. Dem ist hinzuzufügen, dass die Remix-Pads mit 25 Millimetern im Quadrat nun größer und treffsicherer ausfallen als beim F1 (20 Millimeter) und dass die hier verbauten 30-Millimeter-Fader gegenüber dem F1 um ein Drittel gekürzt wurden. Dies erlaubt nicht nur schnellere Punch-ins, zudem habe ich beim Direktvergleich das Gefühl, sie gleiten „fluffiger“ über die Leiterbahn. Mit den acht Fadern der Remix-Decks können die Pegel aller Slots separat und komfortabel angepasst werden. Für Parameterfahrten wie Filter, Pitch oder FX-Send empfehlen sich nun vier dedizierte Encoder, die, sobald sie angefasst werden, ein Pop-up-Panel mit ihren aktuellen Werten auf den Screen zaubern. Die Encoder justieren daraufhin die entsprechenden Kenngrößen, die mittels der Pfeiltasten selektiert werden.

Vergleiche ich den Funktionsumfang der Remix-Deck Kontrolleinheiten des S8 mit dem Kontrol F1, dann muss ich feststellen, dass er beim Flaggschiff nicht ganz so komplex ausfällt wie beim Add-on-Kollegen. Neben dem Einstarten, Triggern und Stoppen der Decks lassen sich Filter, Pitch, Keylock, Quantize, BPM und FX-Send/On bedienen. Über die Seitentasten scrolle ich durch die Layer, von denen maximal zwei angezeigt werden. Zusätzlich kann ich darüber die Wellenform eines komplementären Track-Decks mit Titel, BPM und Zeit einblenden, die Sample-Slots werden dann geringfügig gestaucht. Praktisch, denn so habe ich stets im Überblick, an welcher Position das aktuelle Musikstück gerade spielt, wie weit es zum nächsten Break ist, den man vielleicht mit ein paar Samples überlagern möchte oder wieviel Zeit einem überhaupt noch bis zum Ende des Tracks bleibt. Ebenso ist es möglich, die Remix Decks in einer schmalen Zeile einzublenden, während ein Track-Deck läuft. Blick zum Notebook? – Obsolet!  

Ist ein Remix-Deck selektiert, gibt der Bildschirm Auskunft über die Namen von Sets und Samples, das Tempo, den Takt, den aktuelle Quantisierungswert, den Sync- und Loop-Status, den Pitch-Wert, den Abspielmodus und blendet zu dem die Wellenformen des Audiomaterials ein. Ein wirklich ausgezeichnetes visuelles Feedback. Die grundsätzliche Steuerung über die Pad-Matrix orientiert sich am S4. Mit dem Touch-Streifen könnt ihr das Deck zudem manuell beschleunigen und bremsen. Über den Loop-Encoder werden die Schleifen variiert, wobei während eines aktiven Loops kein neuer Sample-Slot eingestartet wird. Zudem darf hier „gefluxt“, die Quantisierung on-the-fly geändert und alles durch die Effekt-Bataillone gejagt werden. Dass der Blick auch dabei nicht zum Notebook wandern muss, ist ein mächtiges Workflow-Upgrade.  

„Speed“, „Size“, „Reverse“, „Mute“ oder ähnliche Parameter bedient das aktuelle Werks-Mapping nicht, aber ich finde das auch gar nicht schlimm, denn wer den vollen Funktionsumfang eines F1 benötigt, kann sich ja einen an die Seite stellen. Das besagte Add-on ist zwar flacher, was umso mehr auffällt, wenn man ihn direkt neben dem S8 positioniert. Das mag vielleicht ein wenig irritierend erscheinen, doch dafür bleibt man durch den Höhenunterschied nicht an den F1-Fadern hängen, wenn man mit den S8-Encodern arbeitet. Das ist wichtig!  

Natürlich kann auch beim S8 aus einem Komplementärdeck und dem Loop-Recorder gecaptured werden, aber es ist nicht möglich, einzelne Slots aus dem Browser heraus vom Controller aus zu füttern. Was ebenso nicht geht, ist die Live-Eingänge oder die Mikrofone zu sampeln. Ich hoffe, dass gerade hier in Zukunft noch was passiert, denn es wäre schon ein echter Kracher, könnte man die Remix-Decks im Stile eines Loopers wie Boss RC505 Loop-Station einsetzen, direkt mit Beatboxing oder Vocals füttern und dergleichen.  

Der Rest der Deck-Sektion teilt sich auf in die multifunktionale Pad-Sektion mit den Modi „Hotcue“, „Loop“, „Freeze“ und „Remix“ nebst Flux-Taste und die Transportabteilung mit den prominenten Verdächtigen „Play“, „Cue“, „Sync“, „Shift“ und dem Ribbon-Controller, der sich anschickt, das Jogwheel zu ersetzen.

Effektsektionen

Zwei Effektsektionen im hohen Norden sind ja seit jeher ein Markenzeichen diverser Traktor-Befehlsgeber und sie lassen von der FX-Auswahl bis zum Tweaken der einzelnen Effektattribute auch beim S8 nichts vermissen. Die Visualisierung sämtlicher Parameter und die gemachten Selektionen verdeutlicht der Screen hervorragend. Besonders praktisch ist auch, dass ich über die Encoder und Tasten unterhalb des Bildschirms die Effekt-Bataillone 3 und 4 bedienen kann. Warum Native Instruments aber auf eine Shift-Belegung der beiden FX-Tasten in den Mixerkanälen 1-4 gesetzt hat, statt gleich vier FX-On-Buttons zu verbauen, bleibt mir ein Rätsel. Nichtsdestotrotz macht es richtig Laune, am S8 mit den internen Klangveredlern und Soundschreddern von Traktor zu arbeiten, das Display trägt einen ordentlichen Beitrag zum „Look and see“-Workflow bei.

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