Gitarre Bass Hersteller_Motu
Test
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26.10.2012

Praxis

Die Verarbeitung des kompakten Track16 zeugt von Wertigkeit und ist funktional durchdacht. Nur die nicht ganz versenkten Schrauben an der Unterseite trüben die ansonsten tadellose Erscheinung. Am besten klebt man sich gleich zu Anfang eine Moosgummi-Platte darunter, anstatt sich später über Kratzer zu ärgern.

Die lange Kabelpeitsche mit den vielen Anschlüssen fällt weiterhin etwas klobig aus und prädestiniert sich somit nicht unbedingt für das ganz kleine Reisegepäck, denn aufgerollt ist sie etwas größer als das Interface selbst und mit 0,6 kg allerdings genauso schwer. Sollte einem der Sinn nach "Festinstallation" stehen, ist eben Gesagtes aber irrelevant und man darf die Kabelpeitsche vor allem als "Guten Freund von Schreibtisch-Ordnung“ verstehen, welcher sogar noch den Netzteilanschluss sauber mitführt. Brummen oder ähnliches war zu keinen Zeitpunkt wahrnehmbar.

Auf meinem Intel-Windows7-64Bit-System gab es sowohl mit USB als auch mit Firewire keine signifikanten Performance-Unterschiede zu vermelden. Die Performance war ausgesprochen gut und lag nur minimal hinter der meines RME Fireface UFX. Ein kleiner Vergleichswert dazu: Bei einer etwas heftigeren Session unter USB mit 64 Samples Puffer und 44,1 kHz zeigte Ableton Live 8 in Verbindung mit dem MOTU Track16 im Leerlauf ca. 20 Prozent CPU-Load an. RME hingegen lag bei ansonsten gleichen Bedingungen zwei  Prozentpunkte darunter. Auf meinem MacBook mit OSX 10.7.5 war die Wiedergabe und Aufnahme ebenso durchweg von knackfreier Qualität, selbst wenn ich hier nicht die erfahrungsgemäß etwas bessere FireWire-Performance untersuchen konnte.

Auch der Overall-Sound war im besten Sinne "unauffällig", auch im Vergleich zu meinen RME-Wandlern. Wenn ich das Gras wachsen hören möchte, kann ich mich dazu hinreißen lassen, zu behaupten, dass das MOTU etwas luftigere Höhen als das RME hat, während dieses wiederum etwas mehr Biss im Bass besitzt. Diese Aussage sollte man allerdings nicht allzu ernst nehmen. Natürlich haben wir auch die Preamps getestet und ein paar Audios damit aufgenommen. Aber hört am besten selbst!

Wie erwartet klingt das Track16 insgesamt unauffällig und transparent. Die Akustik-Gitarre wurde dabei mit einem Brauner VM1 aufgenommen, der Bass hingegen über den Instrument-Input des MOTU eingespielt. Die Stereo-Signale mit dem Hinweis „Kabelschleife“ wurde wiederum aus dem Track16 über den Main-Out herausgeführt und wieder zurück in den Line-In geschickt. Dafür habe ich zwei 0,3 m lange symmetrische Standard-Patch-Kabel in die Peitsche gesteckt. Die Unterschiede zu den Original-Files sind nur marginal, aber dennoch vorhanden. Ob das nun an den Wandlern oder der Peitsche liegt, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, der Sound wird durch dieses Vorgehen etwas kompakter und geht auch etwas mehr in die Breite.

Darüber hinaus war ich von der Bedienbarkeit mit wenigen Knöpfen und dem einzelnen  Encoder angetan: Es lässt sich dabei mit dem Drücken von zwei Tastern in Serie - erst Ziel, dann Quelle - ein einfacher Monitor-Mix realisieren. So kann jeder analoge Eingang latenzfrei auf jeden anderen analogen Ausgang geroutet werden. Der Reverb von CueMix FX oder ähnliche Effekte sowie die ADAT-Routings lassen sich allerdings nicht mehr vom Gerät aus fernsteuern, dafür muss man dann die Steuer-Software CueMix FX bemühen und entsprechend mit der Maus klicken. Die Effekte Compressor und EQ stehen übrigens nur bis 96 kHz Samplerate zur Verfügung, der Reverb ist sogar nur bis 48 kHz nutzbar. Weiterhin stehen bei 192 kHz nur die analogen Kanäle zur Verfügung.

Alle tiefergreifenden Funktionen, wie Talkback und speziellere Einstellungen bzgl. ADAT, S/SPDIF, Samplerate und Co lassen sich ebenfalls in dieser Software festlegen, welche übrigens für fast alle Produkte der MOTU USB/Firewire-Range hinweg identisch ist. Auf der MOTU-Seite des deutschen Vertriebes unter klemm-music.de erhält man den Installer mit allen Treibern und Tools sogar auch ohne Registrierung. Und da CueMix FX gerade für Anfänger wie ein Buch mit sieben Siegeln scheint, wollen wir uns die grundlegenden Möglichkeiten der Software jetzt einfach mal etwas genauer anschauen.

Den Vergleich zu RMEs TotalMix könnte man natürlich auch mal ziehen. Um es kurz zu machen und ohne dafür eine explizite Beweisführung anzustreben zu wollen, würde ich einfach mal behaupten, dass TotalMix übersichtlicher und logischer ist, jedoch auch - vor allem, wenn man beginnt, sich mit solch einer Materie zu beschäftigen - weit weniger intuitiv. Der "straight forward"-Ansatz von CueMix FX hingegen richtet sich vor allem an Musiker und deren "typische Routings". Ganz in schicker Apple-Manier ist bei MOTU auch alles etwas hübscher, damit übersichtlicher und vor allem viel weniger klein als bei RME. 

Weiterhin ist die Software Audiodesk Bestandteil des Lieferumfangs, dabei handelt es sich um eine kleinere Adaption der DAW-Software Digital Performer, ebenfalls aus dem Hause MOTU. Dieser kleine Multi-Track Audio-Editor bietet alles, was man für die ersten hochwertigen Aufnahmen benötigt – außer MIDI - und darf somit als nette Zugabe verstanden werden. 

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