Mikrofon Hersteller_Mojave
Test
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04.01.2011

Praxis

Klanglicher Wiedererkennungswert

Das erste Signal, das sich seinen Weg vom Mojave MA-200 in mein Hörzentrum bahnt, wird in meinem Gehirn sofort mit gespeicherten Erinnerungen verknüpft. Die Verwandtschaft mit einem meiner Lieblingsmikrofone ist unverkennbar. Kunststück, denn dabei handelt es sich um das Mojave MA-201 FET, das allem Anschein nach die gleiche Kapsel verwendet. Tatsächlich: Der klangliche Grundcharakter beider Mikrofone scheint weitgehend identisch zu sein.

Akzeptabel geringes Eigenrauschen

Der hervorragende Umgang mit “S”- und “T”-Lauten ist auch bei diesem Testobjekt zu spüren, allerdings ist das MA-200 insgesamt weit weniger klar und transparent. Es komprimiert stärker, denn die Röhre kann sicherlich rasante Anstiege im Pegel nicht so flott übertragen. Nicht nur etwas kompakter und langsamer, auch gemütlicher und wärmer klingt das Mikrofon. Um “die ganze Angelegenheit in eine Nussschale zu packen”, wie man in den USA zu sagen pflegt: Das 200 verfügt vor allem im Vergleich zum röhrenlosen Geschwisterchen über alle positiven und negativen Eigenschaften eines Röhrenmikros. Auf mich wirkt es wie eine gelungene Kombination alter Neumann- und Telefunken-Röhrenmikrofone und moderner, offen klingender Großmembran-Mikros. Viele Engineers finden, dass mit diesen Eigenschaften das Beste beider Welten zusammengeführt wird. Zum Besten aus der modernen Welt gehört übrigens auch das akzeptabel geringe Eigenrauschen – die sündhaft teuren Klassiker scheinen im Vergleich dazu über eingebaute Wasserfälle zu verfügen.

Erste Wahl für Männerstimmen

Bei der Frauenstimme ist mir das rauchige Naturell eigentlich etwas zu stark. Hier zeigt sich, dass Charaktermikrofone nicht immer absolut die optimale Wahl sind, für filigrane, zerbrechliche Stimmchen im transparenten Mix würde ich deshalb das 200 sicher in seiner Kiste lassen und einen unscheinbareren Vertreter wählen. Der “wackelige” Frequenzgang passt allerdings sehr gut zur im Testmarathon vom männlichen Sänger eingesungenen Linie. Bei nicht allzu dichter Instrumentierung wäre das MA-200 hier für mich definitiv erste Wahl!

Form follows function

Die Verarbeitung des Mikrofons ist absolut ordentlich. Das ist leider nicht immer selbstverständlich. Die Schnörkellosigkeit des Designs spricht eine deutliche Sprache: “Form follows function”. Zum Eye-Catcher im Studio taugt das Mikro also wohl kaum. Auch wichtig: Ein Blick ins Innere des Mikrofons offenbart, dass Mojave sich nicht mit Bauteil-Massenware abtun will oder sich gar fertig bestückte Standard-Platinen aus dem Land mit dem Dreischluchten-Staudamm kommen lässt. Dass ein wichtiger Teil der Fertigung in den USA geschieht, scheint sich auszuzahlen.

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