Test
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22.09.2021

Praxis

Hatte ich den Test in 2018 noch unter Serato 1.9 durchgeführt, ist aktuell (Sept. 2021) Serato 2.5.1 angesagt, das die Treiberunterstützung für den Quattro gleich mitbringt. Die letzte verfügbare Firmware auf der Herstellerwebsite ist die Quattro 0021 aus Herbst 2019, Driver- und Updater-Software ist dort auch verfügbar.

Im Mix mit externen Quellen fällt zunächst auf, dass die Equalizer nicht harsch, sondern musikalisch ins Klaggeschehen eingreifen. Bei Linksanschlag der EQ-Pots herrscht Stille. Das Ausgangssignal des Mischpults lässt sich als druckvoll, transparent und frei von Störungen definieren. Der Mixer bietet klanglich gute Kost, das Grundrauschen ist auch bei vollem Anschlag ohne Signalzuführung äußerst gering. Die Phono-Eingänge sind ebenfalls als ziemlich rauscharm einzustufen. Unverständlicherweise mangelt es dem Mikrofonweg an einer Status-LED und fürs Protokoll: Es gibt keine Einstellung für die Talkover-Funktion – muss aber auch nicht, denn sie springt ordentlich an und aus.

Effekte

Was das Effektangebot beim Mixars Quattro angeht, wird dem DJ einiges geboten: vier Channel-FX, 15 Haupteffekte, da lässt sich schon allerhand mit anstellen – besonders auch im „analogen Mix“ mit Echtvinyl oder CDs. Serato hat außerdem ja noch sein eigenes FX-Arsenal an Bord, doch dafür würde dann ein weiterer Controller benötigt – hier hätte dem Pult auch ein USB-Hub gut zu Gesicht gestanden.

Zugegebenermaßen sind die Tasten für die Kanaleffekte mit kaum einem Quadratzentimeter wirklich klein geraten, doch der Klang geht in Ordnung. Allerdings wünschte ich mir einen Parameter-Regler, um beispielsweise die Resonanz des Filters zu bestimmen oder die Stärke des Rauschens etc.

Die „Beat-Effekte“ spielen klanglich zweifelsohne in der oberen Liga der Clubmixer mit, allerdings sind die einzelnen FX-Typen nicht aufgedruckt, sondern sie müssen per Encoder durchgeschaltet werden. Das Display ist zudem mit knapp 4 x 2 cm sichtbarer Fläche schon recht klein (Beim DJM 900 sind es zum Vergleich auch nur 4 x 1,5 cm, allerdings sind zwei Anzeigen an Bord).

Das Display selbst zeigt den eingestellten Effekt, die BPM-Zahl (es gibt einen Auto BPM Counter und eine manuelle Eingabemöglichkeit für die Geschwindigkeit) sowie das regelbare Effekt-Timing an. Die erwähnte Send/Return-Schleife lässt sich über das vorhandene Regelwerk dosieren, der Rest erfolgt wie gehabt am Effektgerät selbst. Standard MIDI-Buchsen zur Synchronisation externer Gerätschaften sucht man vergeblich. Schade.

Serato und die Pads

Performance-Pads gehören nicht nur am Controller zur Standard-Ausstattung, auch am DJ-Mixer werden sie mittlerweile häufiger gesichtet. Die knapp 20 x 20 Millimeter großen Tasten sitzen gut zugänglich am Pult vertikal an den Außenseiten wie es auch beim Traktor Z2 DJ-Mixer der Fall ist. Mischpulte wie Rane Seventy-Two MK2 oder Pioneer DJM-S7 setzen auf Horizontal-Layout wie bei DJ-Controllern. Das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und Workflows, aber irgendwie auch der resultierenden Endmaße: Man stelle sich mal einen DJM-900NXS2 mit zusätzlichen Performance-Pads und MIDI-Encoder-Bataillon vor.

Wie auch immer, die großen Pads lassen sich treffsicher triggern. Die Tasten über und unter den Pads hingegen sind etwas wackelig an der rechten und linken Seite und der Schaltpunkt ist dadurch etwas ungewohnt, man hat das Gefühl, die Tasten würden verkanten, wenn man sie an der Seite trifft und unter dem Metall verschwinden – das tun sie aber nicht. Vier Modi sind an Bord und können

  • 8 Hotcues anlegen, ansteuern und löschen (Hotcue)
  • 8 Samples abfeuern, aber nicht die Bänke durchschalten (Sampler)
  • 4 Hotcues bedienen und dazu noch Transportfunktionen ausüben (Transport)
  • 8 Pads für benutzerdefinierte Mappings definieren (User).

Dem ist hinzuzufügen: Der Sampler lässt sich auf den Master oder auf einen der vier Kanäle des Quattro schicken, wo er dann den Klangformungstools unterworfen werden kann. Auch gut zu wissen: In Kombination mit Shift lässt sich ein Deck per Faderstart einpunchen.

Zwei Turntables für vier Decks?

Logischerweise bedeuten zwei Turntables im DVS-Mode, der auf meinem Laptop mit 2 ms Latenz störungsfrei läuft, dass man damit zwei Decks steuern kann. Aber:  Über die Umschaltung der Performance-Pads in den Play-Mode des entsprechenden Decks kann DJ, selbst wenn eben nur zwei Turntables angeschlossen sind, sehr bequem auf vier Decks spielen: Mit Play, Cue, Sync und den Hotcues hat man die nötigen Kommandotasten zum Angleichen, Einstarten und Reinmixen des nächsten Titels direkt bei der Hand – „danke dafür Mixars, das sollte Schule machen“, schrieb ich vor rund vier Jahren im Test. Und in der Tat hat es das, wenn man sich z.B. einmal den Pioneer DJM-S11 vor Augen führt.

Aber was mir mindestens genauso gut gefällt: Es sind auch zwei Pitch-Bend-Tasten deklariert und via Shift der Pitchfader (plus/minus) gemappt, sodass man auch via Pads das Tempo angleichen, in den Takt schubsen, loopen und reinmixen kann. Ohne weitere Control-Vinyls und ohne Sync. Super. Außerdem wären dann ja noch die acht frei belegbaren Pads zu nennen. Hier wäre auch Serato gefordert, den MIDI-Mapper offener zu gestalten und „sogenannte Hardware-relevante Features“ wie Slicer und Pitch-Play endlich frei zugänglich zu machen.

Apropos Timecodes: Die müsst ihr euch selbst zulegen, denn sie sind nicht im Lieferumgang des Mixars Quattro enthalten. Auch eine Seriennummer für Serato war nicht im Paket. Das Pult schaltet die Software automatisch frei. Gleiches gilt für den DVS-Modus.

Doppelbook

Kommen zwei Notebooks zu Einsatz, werden die belegten Decks in der jeweiligen Software als „Used“ ausgewiesen, das Prozedere ist hinlänglich bekannt. Arbeitet man als DJ-Team am Pult, muss man mit einem kleinen Leistungsabfall am Kopfhörerausgang leben, wenn zwei Kopfhörer angeschlossen sind. Der fliegende Wechsel zwischen zwei Plattendrehern ist kein Problem, wie der Test mit den beiden Notebooks zeigte. Eine Anmerkung noch vor dem Fazit, quasi ein netter Nebeneffekt, sicher auch begründet durch die Markteinführung des Quattro und die allgemeine Konkurrenzsituation: Der kleine Bruder Mixars Duo, Anfang 2017 noch mit über 900 Euro etikettiert, ist um einiges im Preis gefallen und kostet zum Testzeitpunkt nur noch knapp 600 Euro. Wollt ihr also erstmal mit weniger Budget in den Mixars-Serato-Kosmos einsteigen, könnte das eine interessante Alternative sein.

Virtual DJ

Ihr legt mit Virtual DJ auf und sucht einen Mixer? Dann könnt ihr – vorausgesetzt ihr besitzt eine Pro Infinity Version oder habt eine Pro Subskription abgeschlossen, auch beim Mixars Quattro aus dem Vollen schöpfen.

Der Mixer wird automatisch erkannt und nach Bestätigung von Sound- und EQ-Einstellungen kann man direkt loslegen. Was die DVS-Funktionalität angeht, ist auch VDJ seit einiger Zeit den vermeintlichen Kinderschuhen entsprungen und eine ernsthafte Alternative zu den Platzhirschen geworden. Die Controller-Sektion kann aber auch ganz ohne Timecode gute Dienste leisten.

Mit dem Switch lassen sich auch unter Virtual DJ die vier Decks 1 und 3 sowie 2 und 4 selektieren, Browsing, Loop, Sync und Co. funktionieren wie gehabt. Als Pad-Modi stehen Hotcues, Sampler, Transport und User-Mode bereit. Hotcues lassen sich anlegen und löschen. Der Sampler kann bis zu 16 Samples triggern (1-8 linke Seite, Samples 9-16 rechte Seite), via Shift wird das Sample gestoppt. Im Transportmodus bedienen die ersten vier Pads Hotcues, dann folgen Pitch (5 + 6), Cue/Stop (7), Play/Pause/Restart (8). Dazu kommt ein frei belegbarer User-Mode. Das Virtual DJ GUI stellt bei einem Modus-Wechsel das entsprechende Fenster dar, beispielsweise die custom page mit je 8 frei belegbaren Funktionen pro Seite.

Traktor

Traktor DVS ist seit dem letzten großen Generationsupdate nicht mehr ausschließlich an NI-Hardware gebunden, somit könnt ihr auch hier Steuervinyl und ein passendes Controllerism-Mapping einsetzen oder die Pads mit Remix-Decks und weiteren Features füttern.

Wichtig: Damit euer Traktor-Setup problemlos funktioniert, müsst ihr den Quattro-Mixer in den Non-Serato-Mode umschalten. Das geht über die beiden Shift-Tasten (fünf Sekunden simultan gedrückt halten und mit dem Encoder das Routing umstellen)

Zum Konfigurieren der „midifizierten“ Außenflanken muss der User selbst Hand ans Mapping legen, was über die MIDI-Learn-Funktion im Grunde nach ein wenig Einarbeitung schnell erledigt ist und schon sind Hotcues, Beatjumps und Co kein Hexenwerk mehr. Mit geschicktem Mapping könntet ihr auch 16 oder mehr Remix-Slots auf dem Quattro parken oder wenn gewünscht auch Traktors FX nutzen sowie ein paar zusätzliche GUI-Funktionen mappen. Im DJtechtools-Forum sind dazu einige vorgefertigte Mappings für den Quattro verfügbar.

Mixars Quattro und iPad?

Ich glaube, kaum jemand würde sich einen vollwertigen DJ-Clubmixer kaufen, um daran primär dann sein iPad zu betreiben, dafür gibt es etliche Controller, aber der Vollständigkeit halber: Tatsächlich könntet ihr an einem der USB-Ports ein iPad mittels Camera-Connection-Kit (gibt’s hier bei Thomann) anschließen und mit einer DJ-App auflegen. Jedoch ist die Auswahl an kompatiblen Apps karg und einen „Mapper“ sucht man ohnehin meist vergebens.

Eine rühmliche Ausnahme ist hier djay Pro AI, denn einerseits erlaubt die App, ein externes Mixer-Routing für die vier Software-Player vorzunehmen, sodass hier alle Player an den Quattro ausgegeben werden können oder beispielsweise auch eine Kombination aus zwei digitalen und zwei analogen Zuspielern genutzt werden kann. Außerdem lassen sich – in Kombination mit dem verfügbaren Touchscreen am Tablet – die MIDI-Controller an der Mischkonsole einsetzen, da djay über einen integrierten MIDI-Mapper verfügt. Beispielsweise für Instant FX oder auch für das Neural-Mix-Feature, linke Zeile viermal Stem-Muting  (Drums, Bass, Harmonics, Vox) rechte Zeile viermal das Solo-Pendant. Ein weiteres Szenario wäre auch die Nutzung eines vorhandenen iPads als Effektgerät am Send/Return, bzw. die Effektsteuerung über eine DJ-App wie Sugarbytes Turnado, die via Camera Connection Kit und zusätzlichem Audiointerface mit dem Send/Return verbunden ist.

Vor dem Fazit noch ein Hinweis: Wer es etwas kleiner mag, bekommt mit dem Mixars DUO MK2 das passende Gegenstück zum Mixars Quattro.

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