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18.04.2019

Millenium MX422 Standard Drum Set Test

Akustisches Schlagzeug mit Hardware und Beckensatz

Vintage Flair on budget

Mit dem Millenium MX422 Standard Set ergänzt die Thomann Hausmarke ihr Portfolio um ein Drumset mit Mischkesseln aus Pappel- und Birkenholz. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit, auch bezüglich der Optik versucht man, sich durch zwei ansprechende Folien-Finishes im Vintage Style von der Konkurrenz abzusetzen.

Der fünfteilige Kesselsatz beinhaltet eine 22“ Bassdrum, 10“, 12“ und 16“ Toms sowie eine 14“x5,5“ Snare. Und wie bei Millenium üblich, gibt es gleich auch die komplette Hardware-Ausstattung inklusive Hocker und obendrein einen dreiteiligen Beckensatz dazu. Bedenkt man, dass viele Drummer das Geld, für welches das MX422 derzeit angeboten wird, ohne mit der Wimper zu zucken in eine Snare Drum investieren würden, fragt man sich schon, wie viel Schlagzeug man denn nun für 350 Euro geboten bekommt. Wir hatten das Kit im bonedo Testlabor und beantworten die Frage.

Details

Die Kessel-Hardware bietet guten Standard

Die Schwächen in der Verarbeitung setzen sich fort bei den Metallspannreifen auf den Toms und der Snare, die mitunter scharfe Kanten aufweisen. Erfreulich ist dagegen, dass die hübsch gestylten Spannböckchen ansprechend verchromt sind und die Bass Drum über ordentlich verarbeitete Holzspannreifen verfügt, welche durch gummiunterlegte Klauen in Position gehalten werden. An der Stelle, an der die Fußmaschine angebracht wird, befindet sich ein Gummischutz. Die Beine sind anklappbar und an den Enden von Gummifuß auf Metalldorn umstellbar. Auf der Oberseite der Bass Drum sind die Aufnahmen für die beiden Tomhalter mit Kugelgelenken angebracht. An den L-Stücken sind Memory Clamps installiert, sodass die Toms sicher fixiert sind und beim Aufbau stets dieselbe Position haben. Sehr gelungen finde ich, dass sämtliche Tom Brackets über eine Prismenklemmung verfügen, wie man sie beispielsweise von Sonor kennt. Hier wird der L-Arm bzw. das Floortom-Bein zwischen zwei Backen eingeklemmt, was einen viel besseren Halt gewährleistet als das „Schraube-trifft-auf-Bein“-Prinzip, das man üblicherweise in dieser Preisklasse sieht. 

Mangelnde Qualitätskontrolle auch beim Zubehör

An allen Trommeln sind zweifach verschraubte Aluminium-Badges mit dem etwas bieder wirkenden Millenium Logo angebracht. Die Teppichabhebung der Holz-Snare besteht aus einem Hebel, der vom Kessel weggeklappt wird, sowie einer Einstellschraube. Auf der gegenüber liegenden Seite ist ein herkömmliches Butt End zum Einspannen des Teppichs angebracht. Der 20-spiralige Snare-Teppich, der leider mit arg verzogenen Spiralen geliefert wurde, wird von zwei Plastikstreifen gehalten.

Die Hardware überrascht mit sinnvollen Details...

Die Hardware-Ausstattung des Millenium MX422 Drumsets umfasst zwei Beckenständer – einer davon in Galgenausführung – , einen Snare-Ständer, eine Hi-Hat-Maschine, ein Bassdrum-Pedal sowie einen Drum-Hocker. Qualitativ darf man hier natürlich keine Wunder erwarten, es gibt aber durchaus Positives zu vermerken. So sind zum Beispiel die Verbindungsstücke der Rohre jeweils mit einer innenliegenden Mutter versehen, die bei Verschleiß leicht ausgetauscht werden kann, zudem gibt es Memory Clamps an allen Rohren. An den Beckenständern werden Gummipuffer statt Filze verwendet, wodurch die Becken ihre Schwingung ungehindert entfalten können. Der Galgenständer ist übrigens auch als gerader Beckenständer verwendbar.

...bietet aber auch Anlass zur Kritik

Die Konstruktion der Hi-Hat Clutch ist allerdings nicht ausgereift, denn mangels einer Kontermutter an der Clutch ist es vorprogrammiert, dass sich die Mutter, die das obere Becken hält, während des Spielens früher oder später löst. Die Federspannung der Hi-Hat Maschine ist nicht veränderbar, ein Verrutschen beim Spiel soll ein schraubbarer Metalldorn verhindern. Das Bassdrum-Pedal ist mit einem Filzschlägel ausgestattet und überträgt die Kraft über eine Kette. Der Snare-Ständer lässt sich über eine Rasterung schräg stellen, die Haltearme des Snare-Korbs werden mittels einer zentralen, leider zu klein geratenen Kunststoffmutter angezogen. Beim Hocker setzt man bezüglich der Höhenverstellung auf ein etwas altertümliches System. Die Höhe wird durch eine Schraube fixiert, die quer durch das obere Rohr gesteckt – hierfür sind insgesamt vier Löcher gebohrt – und mit einer Mutter gekontert wird. Eine u-förmige Aussparung im unteren Rohr soll das System sichern. Leider ist diese Konstruktion nach meiner Erfahrung sehr verschleißanfällig und birgt zudem die Gefahr von Verletzungen. Für den Bühneneinsatz ist ein solcher Hocker also eher nicht zu empfehlen.

Das Crash-Becken fällt kräftiger aus als geplant

Der Lieferumfang des Kits beinhaltet einen Beckensatz, bestehend aus einer 14“ Hi-Hat, einem 16“ Crash und einem 20“ Ride. Zum Material gibt es keine genaueren Angaben, es ist aber davon auszugehen, dass es sich hier um Messingblech handelt. Wie ich im Laufe des Tests erfahre, besitzt aufgrund eines Produktionsfehlers das Crash des Test-Sets dieselbe Stärke wie das Ride. Wie sehr sich das auf den Sound auswirkt, klären wir im Praxisteil. Von Seiten des Herstellers jedenfalls wurde versichert, dass das Set künftig mit einem dünneren Crash-Becken ausgeliefert wird. 

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