Hersteller_Millenium
Test
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11.10.2021

Praxis

Gewohnte Dimensionen…

Es ist immer etwas Besonderes, auf einem E-Drumset zu spielen, das über herkömmliche Trommel- und Beckendurchmesser und – wie in diesem Fall – sogar über echte Holzkessel verfügt. Das stellt sich sofort das vom akustischen Schlagzeug bekannte Gefühl ein. Die zweilagigen Mesh Heads reagieren sensibel und zeigen während des Tests keine Neigung zu Übersprechungen, und die Tatsache, dass die Cymbalpads ganzflächig spielbar sind, verstärkt das Akustikdrum-Feeling noch zusätzlich. Das Bassdrum-Pedal macht nach etwas Feinjustierung seinen Job recht gut und auch die Hi-Hat-Maschine funktioniert einwandfrei. Leider besitzen die Gummilippen von Snare und Floortom auf Höhe der Stimmschrauben keine Aussparungen, sodass sich das Ansetzen des Stimmschlüssels hier etwas fummelig gestaltet. Allerdings wird es in der Praxis eher selten vorkommen, dass hier noch nachjustiert werden muss.

… und ein klar strukturiertes Soundmodul

Nach dem ersten Einschalten fällt mir auf, dass das Hi-Hat-Pad zunächst nicht korrekt funktioniert, was mich erstmal verwundert, sich dann aber schnell aufklärt. Im Menü gibt es eine Kalibrierungsfunktion, die ich schließlich nach Vorschrift durchführe, mit dem Ergebnis, dass alle Probleme beseitigt sind. Die Bedienung des Moduls gestaltet sich dank des übersichtlichen Bedienfeldes und der klaren Menüstruktur recht einfach. Die Bereiche Play-Along-Songs, Metronom-Einstellungen oder Aufnahme sind direkt über die entsprechenden Tasten erreichbar, und dank des großen Farbdisplays hat man alle wichtigen Infos stets auf einen Blick. Die Instrumentenlautstärken innerhalb der Kits finde ich teilweise unausgewogen, aber da die Preset Kits überschreibbar sind, kann man hier nach und nach die nötigen Korrekturen vornehmen und die Kits einfach neu abspeichern. Kommen wir nun zu den wichtigsten Aspekten: Sounds und Dynamik.  

So klingen die Presets des MPS-1000

Es folgen Klangbeispiele von einigen der 40 Preset Kits:

Noch mehr Kits gibt es im folgenden Video zu hören:

Den Sounds mangelt es an Komplexität

Die Soundbeispiele der Preset Kits offenbaren, dass Millenium bei der Anzahl an Samples, die beispielsweise für einen akustischen Snare- oder Tomsound verwendet werden, gespart hat. Das äußert sich in einem Klang, der sich in unterschiedlichen Dynamikstufen kaum verändert und somit eine natürliche Lebendigkeit vermissen lässt. Die Übergänge zwischen verschiedenen Öffnungsgraden bei der Hi-Hat sind dagegen gelungen, was generell auch für die Zonenübergänge bei den Cymbals gilt.

Bei einem der Preset Kits ist ein Loop integriert, der durch Anschlagen eines Pads gestartet und ebenso wieder gestoppt wird. Leider startet der Loop – und das gilt auch für die drei weiteren Loops, die das Modul bietet – nach dem Anschlag mit einer deutlichen Verzögerung (ca. 100 Millisekunden), wodurch es nicht möglich ist, ihn flexibel ins Spiel zu integrieren 

Hier folgen einige Klangbeispiele, in denen ich einzelne Instrumente dynamisch anspiele, zunächst Hi-Hat- und Beckensounds, dann Snare-und Tomsounds und schließlich die Snaresounds der Kits 01 bis 07 nacheinander:

Die folgende grafische Darstellung der Dynamik zeigt den für E-Drumsets recht typischen Verlauf, bei dem sich die Lautstärke am Modulausgang bereits ab mittelharten Anschlägen der Pads nicht mehr verändert. Im unteren Bereich dagegen verläuft die Kurve weitgehend linear. Beim Spielen habe ich das Gefühl, dass das Modul auf die Pad-Anschläge relativ träge reagiert, und tatsächlich messe ich eine Latenz von etwa zehn Millisekunden. Das ist der dreifache Wert dessen, was die schnellsten Module schaffen und gerade noch an der Grenze des Akzeptablen. Auch hierzu gibt es eine Grafik: 

Bluetooth, Sample Import und USB-Anbindung funktionieren einwandfrei 

Die 70 Play-Along Songs des MPS-1000 bieten von Latin über Pop, Rock und Reggae bis hin zu Metal eine große Bandbreite an Stilistiken und eignen sich gut zum Mitspielen – wenngleich die Sounds und Arrangements teilweise etwas angestaubt klingen. Aber dank Bluetooth können ja auch beliebige andere Play-Alongs verwendet werden. Auf meinem iPhone wird das Modul in der Bluetooth-Geräteliste sofort angezeigt und überträgt die Audiodateien einwandfrei. Spontane Aufnahmen sind mit der Quick-Record-Funktion ein Kinderspiel: Einmaliges Drücken der Aufnahmetaste aktiviert die Standby-Funktion, und sobald man ein Pad anschlägt, startet die Aufnahme. Es kann sowohl ausschließlich das eigene Spiel als auch das Spielen zu einem Play-Along-Song aufgenommen werden. Auch der Import von eigens erstellten Samples gestaltet sich sehr einfach. Das Modul erkennt WAV-Dateien auf dem eingesteckten USB-Stick, sofern dieser als FAT16 oder FAT32 formatiert ist. Über die Sample-Load-Funktion können einzelne Soundfiles oder auch alle auf einmal importiert werden. Das Ansteuern externer Sounds aus dem Rechner über die USB-Verbindung funktioniert ohne Probleme. Da jeder Zone eine individuelle MIDI-Note zugewiesen werden kann, hat man bei der Gestaltung der Kits absolut freie Wahl. Wie beispielsweise ein Drumkit aus Garage Band klingt, wenn es vom MPS-1000 getriggert wird, ist im folgenden Soundfile zu hören.

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