Test
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24.02.2021

Praxis

Die günstigen Felle bestimmen den Gesamtklang

Zum Soundcheck bringe ich alle drei Sets in eine mitteltiefe Stimmung, wie sie in Rock/Pop-Kontexten üblich wäre. Zu jedem Set gibt es als Zubehör einen Satz Dämpfungsringe für die Toms und die Snare. Ihr hört hier allerdings die ungedämpften Felle, einfach um einen besseren Eindruck von der Ansprache und dem Ausschwingverhalten der einzelnen Kessel zu bekommen. Das Stimmen geht erstaunlich schnell und alle Toms schwingen voll und sauber aus. Das ist schon mal ein gutes Zeichen, oftmals werden bei günstigen Sets die Resonanz- oder Schlagfelle stark abgeklebt, um bestimmte Obertöne in den Griff zu bekommen. Oder man greift bei einem Fellwechsel (weiter unten im zweiten Video zu hören) direkt zu vorgedämpften Varianten, diese erleichtern für Einsteiger das Stimmen, da sie kleine Ungenauigkeiten eher verzeihen. Alle Resonanzfelle der Toms stimme ich einen Ticken höher.

Die Bassdrums haben alle das beigefügte Kissen eingelegt. Der Effekt ist am stärksten bei der kürzeren und kleineren Focus 18 Bassdrum hörbar, auch gefällt mir die kleinere und etwas kompakter klingende 13“ x 5“ Snare am besten. 

Beim Focus 22, das größere und tiefere Kessel hat, wird der Gesamtsound mit den Werksfellen sehr offen und paukig. Hier würde ich auf jeden Fall raten, alle Trommeln leicht zu dämpfen. Das Focus 20 ist eine handliche Mischung, die Bassdrum ist etwas rockiger als die kleine 18er, mit den kompakten Tomgrößen wäre es ideal für den Musikschulunterricht. Generell habe ich den Eindruck, dass das eher weiche Holz der Kessel vor allem mit den kompakteren Größen wie 18“, 20“ Bassdrum  und 10“, 12“, 14“ Toms am besten harmoniert. 

Bei den Snares sollte man generell keine Wunder erwarten. Ein ganzes Focus Komplettset ist günstiger als eine Mittelklasse-Snare der großen Hersteller. Dennoch machen auch diese Trommeln für den Anfang ihren Job. Die Ansprache des Teppichs ist okay, auch die Abhebung funktionierte bei allen drei Modellen ohne Einschränkungen.

Neben den eher glasig klingenden Fellen sind es besonders die Hi-Hat-Becken, die durch die dünne Machart bei brachialer Bearbeitung nicht besonders lange halten werden. Während ich den Klang des 16“ Crash-Rides annehmbar finde, sind die Hi-Hats auch sehr blechig und für dauerhaftes Spiel ziemlich penetrant im Gehörgang. Mit dem Ride aus dem Bundle Set lässt sich das Drumkit komplettieren, es können somit auch die stereotypischen Wechsel zwischen Hi-Hat und Ridebecken-Begleitung trainiert werden, wie sie bei so ziemlich jedem Anfänger-Schlagzeugunterricht auf dem Programm stehen.

Die enthaltene Hardware tut ihren Dienst, ist aber sicherlich nicht für häufiges Auf- und Abbauen konzipiert. Den besten Eindruck machen auf mich das Bassdrumpedal und der Beckenständer. Mit der Hi-Hat-Maschine komme ich auch gut zurecht, bei häufigem Treten des Pedals fängt sie aber gern an, etwas wegzurutschen.

Nach einem Upgrade mancher Bauteile…

… klingen die Focus Sets überhaupt nicht mehr wie aus der Einsteiger-Klasse. In diesem Video ging es mir darum, das komplette Klangpotential heraus zu kitzeln. Dazu habe ich mir das Millenium Focus 20 vorgenommen, bei welchem ich bis auf das Bassdrum-Resonanzfell (das ein Mikrofon-Loch bekommen hat) sämtliche Felle getauscht und auch die Spannreifen der drei Toms gewechselt habe. Auch die Snaredrum klingt nach einem Umbau durchaus brauchbar. Auch wenn der wirtschaftliche Faktor eines solchen Upgrades auf einem anderen Blatt steht, ist es doch erstaunlich, was die Kessel so hergeben. 

Wobei man allerdings aufpassen sollte, sind die Spannböckchengewinde, insbesondere der Toms. Bei zu beherztem Raus- und Hereindrehen löst sich gern mal die Feder im Spannböckchen, dann rutscht das Gewinde ins Böckchen hinein. Hier hilft dann nur, das komplette Fell abzunehmen und das Böckchen von innen abzuschrauben, um es wieder in Stand zu setzen.

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