Test
4
06.11.2021

Millenium 13“ x 7“ Mahogany Snare #11 Test

Holzsnare

Lowrider

Nicht jeder kann und möchte ein Vermögen für eine Snaredrum ausgeben, in unseren Testberichten hatten wir schon häufiger Modelle vorstellig, die für einen überschaubaren Preis sehr gute Klangergebnisse abliefern. Aber geht das auch für unter 100 Euro? Heute schauen wir uns einen Klassiker an, das 13“ x 7“ Modell von Millenium mit einem Schichtholzkessel aus Mahagoni.

13“ x 7“ erfreut sich als Kesselmaß in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit und kommt gleich nach den Dauerbrennern 14“ x 6,5“ und 14“ x 5“. Die Mischung aus dem etwas reduzierten Durchmesser in Kombination mit dem recht tiefen Kessel lässt die Snaredrums trotzdem sehr voll klingen und beschert ihnen quasi Allrounder-Fähigkeiten. Denn neben hochgestimmten, knalligen Sounds, für die 13“ Snares sehr beliebt sind, erreicht man auch in mittleren und tieferen Lagen sehr annehmbare Ergebnisse. Ein Referenzmodell hierfür ist die Tama 13“ x 7“ G-Maple, die allerdings in einer gänzlich anderen Preisklasse unterwegs ist. Ob die Millenium Snare auch von den angesprochenen Attributen profitiert, ergründen wir jetzt.

Details & Praxis

Mahagoniholz klingt auf dem Papier erst einmal sehr edel, bei dem Preis von aktuell 89 Euro bin ich mir aber vorab recht sicher, dass es sich dabei um eine asiatische Variante handelt und nicht um die bei teueren Drums verbaute Holzsorte westafrikanischer Herkunft. Aus dem Karton ziehe ich eine schwarz folierte, recht leichte Holzsnare. Ein typisches Einsteigerinstrument, würde man auf den ersten Blick denken, wären da nicht die etwas eigenwillig-verschnörkelt aussehenden Tubelugs, bei deren Form sich der Konstrukteur wohl nicht so recht entscheiden konnte. Acht Stück sind es an der Zahl, was für eine gute Verteilung der Fellspannung spricht und sich besonders in höheren Stimmungen bezahlt machen kann. Als Zubehör ist außerdem ein Stimmschlüssel dabei. Die 1,6 Millimeter starken, dreifach geflanschten Stahlreifen sind sauber verchromt und haben auch auf den Unterseiten keine scharfen Kanten.

Keine Überraschung: Felle und Teppich sind von einfacher Machart 

Wie zu erwarten, sind die Felle und der Snareteppich sehr einfach gestrickt. Das weiß beschichtete Schlagfell und das klare Resonanzfell haben keine weitere Bezeichnung aufgedruckt, beim Teppich handelt es sich um ein einfaches Stahlmodell mit 20 Spiralen, die allerdings nicht alle im gleichen Abstand verlötet wurden. Die seitlich abklappbare Teppichabhebung ist auch ein alter Bekannter, denn sie kommt bei recht vielen preisgünstigen Modellen zum Einsatz. Mit einem gummierten Einstellrad lässt sich die Feinspannung des Teppichs justieren, was ohne Einschränkungen funktioniert.  

Auch unter der Haube herrschen einfache Verhältnisse

Den Arbeitsschritt von akkurat geschliffenen Snarebeds ersparen sich viele Hersteller bei günstigen Holzsnares, somit bin ich nicht erstaunt, dass die Snarebeds beim Millenium Mahogany Modell einfach nur eine flache Vertiefung darstellen. Damit aber noch nicht genug: Man spart sich bei der Millenium Mahogany Snare auch noch den weiteren Arbeitsschritt, ein Gratungsprofil auf der Außenseite anzubringen, also an der Stelle, wo das Fell aufliegt. Der Kessel hat eine Wandstärke von sieben Millimetern, ab der Hälfte der Wandstärke fällt er im 45-Grad-Winkel nach innen ab, von außen gibt es aber wie gesagt keinerlei Gegenschnitt. Die gerade abgesägte Auflagekante ist außerdem nicht sonderlich fein geschliffen. An einer größeren Stelle auf der Innenwand wurde zudem sichtbar mit Spachtelmasse ausgebessert. Jetzt bin ich wirklich mal gespannt, wie die Trommel klingt?! 

Klanglich kann die Snare positiv überraschen

Nach einem kurzen Durchstimmen geht es direkt los. Die mit Metallscheiben unterlegten Spannschrauben laufen nicht übermäßig leicht, aber allesamt sehr gleichmäßig in den starren Gewindehülsen der Tubelugs, somit funktioniert es erstaunlich gut, die Trommel in verschiedene Stimmungen zu bringen. 

Bei sehr lauter Spielweise beginnt der Kesselton leicht zu komprimieren, auch raschelt der ungleichmäßig gefertigte Snareteppich in den tiefen Lagen relativ stark nach. Sehr gut gefällt mir hingegen der insgesamt saubere Ausklang. Rimclicks klingen prägnant und auch mit abgespanntem Snareteppich hat die Trommel einen schönen Ton. Der Snareteppich macht im „Off“-Zustand keine Nebengeräusche und schlägt nicht gegen das Resonanzfell. Diese „Kinderkrankheiten“, die sehr günstige Snares zuweilen haben, umschifft das Millenium-Modell. Durch die breite Fellauflage auf der „Flat Edge“ kann man die Trommel auch gut ohne Einsatz von Dämpfung spielen. Die Snare hat präsente Obertöne, die sich aber stimmig ins Gesamtbild einbetten.  

Bis auf die ultratiefen, gedämpften Stimmungen, wo der Trommel für den derzeit so beliebten „Düsch-Sound“ einfach der Biss fehlt, lassen sich eine Menge Stimmungen aus der Snare herauskitzeln. Noch eine ganze Spur besser wird es mit einem Markenfell, einem Remo 13“ Ambassador Coated, welches ich als Vergleich aufziehe. 

1 / 2
.

Verwandte Artikel

User Kommentare