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Test
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17.02.2014

Miktek C1 Test

FET-Großmembran-Kondensatormikrofon

Vorsprunk durk Teknik

Das neue Großmembranmikrofon Miktek C1 muss sich bei bonedo dem Test im Studio stellen: Das Vocal- und Instrumentenmikrofon des Herstellers aus den USA kommt mit gut klingenden Spezifikationen und einem fair klingenden Preis. In diesem Review überprüfen wir in der Praxis, was das Mikro leistet und ob die Preisempfehlung von 712 Euro ein Schnäppchen oder eine Fehlinvestition ist. 

Miktek ist besonders in seinem Heimatland südwestlich von Grönland sehr beliebt, wird viel gekauft und viel gelobt. Miktek positioniert sich generell im oberen mittelpreisigen Segment, haut aber in seinen Verlautbarungen ganz ordentlich auf den Tisch – von verhaltenem Auftreten hält man offenbar nicht viel. Ungeachtet dessen gilt es aber, in einem Testbericht primär die Erfahrungen mit dem Testobjekt selbst darzustellen. Und: Von den Lobhudeleien im Manual bekommt man nichts mit, wenn man es benutzt. 

Details

Speziell angefertigter Übertrager

Optisch gibt sich das Mikrofon edel und doch eher zurückhaltend. Das ist im Dauerbetrieb sehr erfrischend: Ich hasse meine Equitek E-200 abgrundtief für ihr Aussehen, liebe sie aber nun mal für ihren Klang. Der vernickelte Korpus des Elektrostaten ist aus Messing gefertigt - dies ist übrigens nicht nur der Stabilität dienlich, sondern erhöht auch die Unempfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Einstreuungen. Abzuschirmen gilt es auf der Platine unter anderem den T7-Übertrager, den Miktek speziell bei AMI anfertigen lässt. Dies ist ganz klar eine Besonderheit – und in der Preisregion unter 1000 Euro keine Selbstverständlichkeit: AMI ist vielleicht kein Begriff, der volle Name “AMI/TAB Funkenwerk” vielleicht schon… Die weiteren Bauteile auf der Platine erscheinen ebenbürtig, keine SMD-Bauteile werden irgendwann den Geist aufgeben und das Mikrofon der Wertstoffsammlung näher bringen, als man es als Besitzer gerne hätte. Ordentlich dimensionierte Bauteile, darunter ein Feldeffekttransistor, sitzen in Thru-The-Hole-Bauweise innerhalb des Metalltubus.

Kapselvorspannung wählbar!

Um zu arbeiten, benötigen die Bauteile die typische Phantomspeisung von 48 Volt, welche wie bei so vielen Echtkondensatormikrofonen benutzt wird, um die Kondensatorplatten (also Membran und Backplate) zu polarisieren. Auf der Platine befindet sich neben dem Übertrager ein ein kleiner Schalter, mit welchem diese Vorspannung entweder 48 Volt beträgt oder auf 60 Volt hochtransformiert werden kann. Die höhere Spannung ist der Standardwert.

Die Kapsel selbst ist eine 1”-Großmembrankonstruktion mit Mittenkontakt in bekannter Bauform, deren Richtcharakteristik die beliebteste und verbreitetste unter den Polar-Patterns ist – Niere. Miktek nennen die Kapsel "MK", ihre Membran ist wie die meisten auf 5 µm dünnes Mylar-Trägermaterial gebaut und mit einer 0,4 µm Goldschicht bedampft.

Zweipoliges 100Hz-HPF

Der Pegel, ab dem die Verzerrungsprodukte im Signal des Miktek C1 überhand nehmen, ist von Miktek mit 127 dB(SPL) angegeben, allerdings ohne genauer zu spezifizieren, welcher prozentuale Anteil THD dort herrscht. Es ist nicht davon auszugehen, dass es 1% sind, sondern eher 0,5% (was auch üblicher wäre), da es sonst ein eher schwacher Wert wäre. Die Empfindlichkeit ist mit 35,5 mV/Pa ordentlich hoch, das Eigenrauschen ist – wohl auch nach A-Filterung – mit 13 dB angegeben. Der Pegel, der das Mikrofon über die männliche XLR-Buchse verlässt, kann per Schalter um 10 dB herabgesetz werden. Zusätzlich zum Pad kann auf der Rückseite des Miktek C1 noch ein 100Hz-Hochpassfilter geschaltet werden, welches bei 50 Hz bereits 12 Dezibel dämpft. Der Standard-Frequenzgang zeigt von der 1kHz-Marke an einen leichten Anstieg zu den Präsenzen, der in einem vielleicht 2 dB messenden Hügel mündet. Darüber geht es – typisch für diese Membrangröße – wieder abwärts, sodass die 20kHz-Schwelle mit etwa -3 dB geschnitten wird. Mit ebenfalls etwas geringerem Pegel im Vergleich zum Bezugspunkt 1 kHz und etwas welliger als im Hochmittenbereich überträgt das Miktek die Tiefmitten. Frequenzspezifische Diagramme zur Richtwirkung liefert Miktek nicht, doch ist nicht mit großen Überraschungen zu rechnen: Im Höhenbereich nähert sich das Polar-Pattern einer Supernierencharakteristik an. 

Keine Spinnen ins Haus!

Das Studiomikrofon wird mit einer hübschen Holzschatulle geliefert, in welcher das Mikrofon selbst, Unterlagen wie der individuelle Frequenzgang sowie ein Schwenkhalter im Stil der Neumann-Mounts schlafen. Nicht mit ins Trockene darf die große Spinne, die wie so viele elastische Halter aus Plastik gefertigt ist (und nun wirklich keine Schönheit darstellt). 

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