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Test
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30.01.2013

Midas XL48 Test

8-Kanal Mikrofonvorverstärker mit A/D-Wandler

Midas-Preamps im Rackformat

Wenn Hersteller wie Midas ein neues Produkt ankündigen, horcht nicht selten die gesamte Branche auf. So hat es großes Interesse daran gegeben, dass es einen Achtfach-Mikrofonvorverstärker im 19"-Format des renommierten Herstellers geben wird – der gleich noch mit einem umfangreichen A/D-Wandler ausgestattet ist und erstaunlich "bezahlbar" daherkommt. Unser Interesse war genauso groß, daher haben wir uns den Preamp noch ofenwarm aus dem Werk für einen Test kommen lassen.

Im XL48 finden acht der beliebten XL4-Vorverstärker in einem tiefen 1HE-Gehäuse Platz. In Kombination mit einem Digitalwandler findet man so einige Geräte, die im Recording-Studio gerne als Erweiterung eines Audio-Interfaces eingesetzt werden, beispielsweise von Focusrite oder Behringer. Ein Lüfter im Gehäuse des Midas kann den Spaß an diesem Einsatzort jedoch möglicherweise etwas trüben.

Details

Sinnvolle Features der Preamps

Die Vorverstärker in Transistortechnik sind alle identisch ausgestattet: Auf die übertragerlosen XLR-Inputs kann jeweils einzeln Phantomspeisung gegeben werden – schließlich kann man bei defekten Kabeln durchaus auch Übertrager oder Schwingspulen in dynamischen Mikrofonen himmeln. Parallele Eingangssignale können auch über einen Sub-D-Anschluss geliefert werden, dann allerdings aus schaltungstechnischen Gründen ohne Phantomspeisung. Ist das Eingangssignal zu hoch, greift ein 20dB-Pad, bevor in der Operationsverstärkerschaltung 10 bis 60 dB Gain eingestellt werden. Der Clou hier: Von 7 bis 12 Uhr Reglerstellung stellt man den Bereich von 10 - 25 dB ein, darüber werden die Schritte größer. Diese Anpassung an die Wahrnehmung des Menschen gibt schon mal einen klaren Pluspunkt, entspricht sie doch den Anforderungen an die Praxis recht gut – allerdings scheinen in diesem Zusammenhang die Beschriftungen auf der Frontplatte nicht ganz exakt zu sein – wie man anhand der Fotos nachvollziehen kann – aber alles andere wäre sicher sehr verwirrend gewesen. Ähnlich verhält es sich mit den nachgeschalteten Filtern, die von 40 kHz bis hinunter zu 1 kHz hohe Frequenzen beschneiden und im Falle des Hochpassfilters eine Eckfrequenz von 10 bis 400 Hz aufweisen. Sowohl für die Höhen- als auch die Tiefensperre gilt eine Flankensteilheit von 12 dB/Oct. Eine Phaseninvertierung und ein Achtsegment-LED-Meter komplettieren jeden der acht Channels.

Der Crosstalk zwischen den Kanälen liegt bei unter 90 dB, die Gleichtaktunterdrückung des Differenzverstärkers bei über 80 dB (bei 1 kHz). -98 dBu Rauschen bei 60 dB Gain und eine THD von 0,01% sind genauso hochprofessionelle Werte für ein Live-Gerät. Der Frequenzgang ist keine Buckelpiste, von 20 Hz bis 20 kHz ist der Toleranzschlauch höchstens 1 dB breit. Das maximale Ausgangslevel liegt bei +21 dBu.

Outs: Analog, analog, digital, digital, digital oder doch lieber digital?

Hinter den jeweiligen Preamps fließen die Signale zu verschiedenen Zielen. Analog geht es mit den acht Signalen schnurstracks nach elektronischer Symmetrierung über den rückseitigen Sub-D-Anschluss wieder aus dem Midas heraus. Halt: Vorher werden die Signale noch durch einen Splitter geführt und dann über zwei Sub-D parallel ausgegeben. Das macht das Routing für gleichzeitige Verwendung der Mikrofone für FOH, Monitoring und Recording einfacher, zumal es da ja noch die ADC-Einheit gibt. Dem Platzbedarf auf der Frontplatte nach zu urteilen, ist deren Funktionsumfang winzig, doch weit gefehlt: Nach dem eigentlichen Wandler, der fest mit 96 kHz Abtastgeschwindigkeit arbeitet, entert das dann digitale Signal einen SRC. Hier kann eine Konvertierung auf die üblichen Samplerates 88,2, 48 und 44,1 kHz erfolgen. Soll der XL48 nach fremder Pfeife tanzen – und das nicht so unrhythmisch wie die tänzerischen Fähigkeiten des Autors es zulassen – kann das Clocking nach der, an der BNC-Buchse anliegenden, Wordclock erfolgen. Soll der XL48 Clockmaster spielen, kann das durch die WC-Out-Buchse erfolgen oder über die signaltragenden Digitalausgänge.

Eine Sub-D-Buchse trägt elektrische Signale nach dem AES3-Standard. Da bei den 25 zur Verfügung stehenden Pins bei der Verwendung von acht AES/EBU-Digitalsignalen weniger als die Hälfte verwendet würde, hat man hier gleich noch mal gesplittet, um die digitalisierten Mikrofonsignale zu zwei unterschiedlichen Quallen schicken zu können – spitze, Leute! Die ADAT-Buchsen machen es ähnlich, so lange man keine Double-Samplerate einstellt: Bei 44,1 und 48 kHz geben die beiden TOS-Link-Buchsen identische Signale an den angeschlossenen Lichtwellenleiter, erst bei 88,2 und 96 kHz greift der S-Mux-Standard: Output 1 verringert bei gleichbleibender Bandbreite die Kanalzahl auf vier (also Nummern 1-4), sein Nachbar übernimmt dafür die Kanäle 5-8. Gut gelöst!

Die Engländer geben dem Chinesen Van Damme mit?

Midas ist ein in Kidderminster, Worcestershire (bitte laut aussprechen!) beheimatetes Traditionsunternehmen, welches in der Music Group aufgegangen ist. Hergestellt wird der XL48 daher nicht in den englischen West Midlands, sondern ein klein wenig weiter östlich, in China. Im Lieferumfang des Preamps befindet sich eine Snake von DB25 auf XLR(m), dessen Kabelmaterial mir ein guter Bekannter ist: Das Multicore mit 110 Ohm Wellenwiderstand ist vom englischen Kabelhersteller Vandamme beigesteuert worden, auf den ich – ganz im Gegensatz zum Gerechtigkeitshiebe verteilenden Schauspieler – sehr große Stücke halte.

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