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Test
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12.03.2020

MFB Synth Pro Test Preview

Polyphoner analoger Synthesizer

Charakter vor Konsens

Schon lange haben MFB mit deren kompakten, puristischen Drummachines und Synthesizern auf dem hart umkämpften Feld der Analog-Technik ihren Platz gefunden. Der nächst logische Schritt nach diversen Drummachines (TanzmausTanzbär 2) und Mono-Synths (Dominion 1) ist nun der erste Poly Desktop-Synthesizer aus dem Hause MFB, den die Berliner schlicht „Synth Pro“ getauft haben. Und derartig Pro präsentiert er sich auch mit unter anderem 8-stimmiger Polyphone, drei flexiblen VCO‘s, zwei Filtern und zusätzlichen On Board-Effekten. Trotz des kompakten Gehäuses ist der Synth Pro also auffällig großzügig bestückt. Können Sound und Bedienung sich gegen die Hülle und Fülle analoger Desktop-Synths à la Prophet REV2 8-v, Korg Minilogue XD Module, oder dem Novation Peak behaupten? In unserem exklusiven Preview-Test verschaffen wir euch einen ersten Eindruck.

Einen zweiten Test hat neben uns der Electronic Artist Martin Stimming durchgeführt, dessen Urteil ihr hier im Video erhaltet.

DETAILS

Gewohntes Erscheinungsbild

In traditioneller MFB-Manier wurde beim Synth Pro auf ein ausschweifendes Design verzichtet. Das mit 31,5 x18 x 4 cm (B x T x H) sehr kompakte Gehäuse wurde mit klassischen Holz-Seitenteilen bestückt und präsentiert sich in nüchternem grau. Die 4 kg Gewicht verleihen dem Synth Pro einen wertigen Eindruck, ohne ihn zur Transportlast werden zu lassen.

Aufbau und Bedienoberfläche

Die Potis sind strukturiert auf der Bedienoberfläche aufgereiht und durch Markierungen sowie die markant gelbe Beschriftung übersichtlich in verschiedene Sektionen aufgeteilt, die wiederum recht überschaubar den Aufbau des Pro Synth widerspiegeln. Die Potis bieten vernünftige Drehwiderstände und haben endlich den Elektronik-Baukasten Look ursprünglicher MFB-Geräte abgelegt. Geboten werden drei syncbare VCO‘s, die sich zu stimmstabilen DCO‘s umschalten und gegeneinander verstimmen lassen. Zwischen den Wellenformen Rechteck, Dreieck und Puls kann stufenlos übergeblendet werden. Steht der Waveform-Regler auf 0, wirkt der jeweilige VCO als Sub-Oszillator. Ansonsten können die Oktavlagen per Schalter zwischen 16‘, 8‘ und 4‘ gewechselt werden.

Nicht nur Puls, sondern der gesamte Wellenform-Bereich lässt sich dank LFO modulieren. Bei Deaktivierung des DCO-Modus ist außerdem FM möglich. Sehr enttäuschend: Es ist kein Noise-Generator an Bord. Die zusammengemischten Oszillatoren wandern nun in die Filter-Sektion. Hier stehen uns gleich zwei Filter zur Verfügung: Ein 12dB Multimode Filter (Lowpass, Bandpass, Hipass) und ein 24dB Lowpass Filter lassen sich in ihrem Anteil mixen, parallel oder seriell schalten und in verschiedenen Intensitäten Stereo nutzen. So lässt sich zum Beispiel im linken Kanal eine andere Filter-Einstellung als im rechten erzeugen. Selten und smart!

Nun bekommen wir es mit gleich drei Envelopes zu tun, von denen der letzte allerdings keine ADSR-, sondern eine AD/R-Hüllkurve ist. Pro Patch lässt sich die jeweils gewählte Hüllkurve auch loopen und als eine Art dritter LFO nutzen. Das fertige Patch wird je nach Wunsch schließlich mit der On Board FX-Sektion dekoriert, die neben Hall und Echo auch Modulations-Effekte wie Chorus oder Flanger bietet. Eine Übersicht über das ganze Prozedere kann man sich mittels des rudimentären Displays verschaffen. Hier werden auch alle weiteren Einstellungen wie MIDI-Settings, der Voice Mode (Poly, Unisono, Mono, Chord, Rotate) oder Modulations- und Envelope-Routings eingestellt.

Etwas umständlich dieser Workflow, möchte ich doch bei einem analogen Synth am liebsten die Routings direkt in der Sektion einstellen können und nicht in einem undurchsichtigen Sub-Menü. Ähnlich ‚basic‘ wie das Display ist auch die Preset-Anwahl gestaltet. Die acht Buttons, die die jeweilige Bank repräsentieren, übernehmen nämlich gleich mehrere Funktionen, wie etwa die Anwahl des Sequenzers (polyphon) oder Arpeggiators (monophon). Ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung ist man hier zunächst etwas aufgeschmissen. Insgesamt stehen jeweils 240 Presets für Sounds und Sequenzen bereit, aufgeteilt in 30 Bänke. 

Verbindung mit der Außenwelt

Auf der Rückseite ist der Synth Pro sparsam, aber smart bestückt. Neben einem 6,3 mm Stereo Klinken-Ausgang (Achtung: Y-Kabel benötigt!) gibt es einen 3,5 mm Kopfhörer-Anschluss, MIDI In / Out / Through und – ungewöhnlich – neben dem herkömmlichen USB PC-Anschluss einen USB KEYS-Eingang für den direkten Einsatz moderner USB-Controller ohne dezidierte MIDI-Kabel. Cool! Analog-typische CV-Anschlüsse, oder einen Audio-In zum Durchschleifen externer Geräte sind leider nicht vorhanden. 

PRAXIS

Handhabung und Klang

Eines vorweg: Da der Synth Pro erst frisch auf dem Markt ist, befand sich unser Test-Gerät noch im Beta-Status, wodurch es von der finalen Ausführung möglicherweise teilweise abweichen könnte. So, aber nun ins Eingemachte. Direkt zu Beginn fällt mir der hohe Output des Synth Pro auf, was per se erst einmal erfreulich ist und mögliches Preamp-Rauschen verhindert. Sowieso ist der Synth Pro im Vergleich z. B. zum Korg Minilogue XD erstaunlich und erfreulich rauscharm. Auch wenn sich die Bedienoberfläche des MFB zunächst sehr übersichtlich und minimalistisch präsentiert, ist der Workflow phasenweise undurchsichtig und verwirrend. Die Presets lassen sich nicht benennen, ihre Anwahl und Verwaltung erklärt sich erst nach einem Blick in die Bedienungsanleitung ... gleiches gilt für den Sequenzer und den Arpeggiator. Bei den Effekten wird zwar der FX-Type im Display angezeigt, nicht jedoch die Art der jeweiligen Parameter. Es lässt sich also nur durch Hören feststellen, welcher Poti beim Delay nun für Time, und welcher für die Intensität zuständig ist - das ist nicht besonders intuitiv und live-freundlich.

Verwirrend ist auch, dass sich das Fine-Tuning der Oszillatoren nur über das Display-Sub-Menü einstellen lässt, die Tuning-Potis sind daher nur für die grobe Stimmung zu gebrauchen. Die Regler der Hüllkurven, Oszillatoren und Filter arbeiten hingegen sehr präzise und nachvollziehbar. Lediglich der Dual Filter mit seiner Stereo-Option mag zunächst Fragezeichen beim Betrachter erzeugen. Hat man das Prinzip und die Möglichkeiten hier allerdings einmal durchstiegen, ist das Filter-Konzept ein nützliches Kreativ-Tool. Die Oszillatoren klingen nach MFB: Kerniges, etwas mittiges Analog-Futter mit Vintage-Charakter. Die Wärme eines Juno-60 darf hier nicht erwartet werden, dafür kann das Filter schon mal aufregend bissig werden und der Synth Pro im Unisono-Modus eine amtliche Bass-Wand aufbauen.

Stellenweise erinnert er mich der MFB mit seiner Klangfärbung an einen Korg Delta, oder den Arp Odyssey, was sich insbesondere bei den Pad-Sounds bemerkbar macht. Die eingebauten Effekte sind keine Erleuchtung, machen aber einen soliden Job.

Interessant wird es, wenn man sich die Stereo-Optionen der beiden Filter zunutze macht. Die Filter lassen sich in 25%, 50% und 100% im Stereo-Bild verteilen. Gepaart mit zwei unterschiedlich laufenden LFO‘s dürften sich Sound Designer hier über komplexe Synth-Texturen freuen.

Die Hüllkurven arbeiten erstaunlich schnell und präzise, was gerade in Kombination mit dem Dual Filter schicke Kick- und Tom-Sounds ermöglicht. Für Snare und Hi-Hat fehlt leider ein Noise Generator.

Die beiden LFO‘s sind erstaunlich flexibel und machen wirklich Spaß. Mit einer Modulations-Matrix hätte man hier semi-modularen Schabernack treiben können. So muss man sich allerdings an die limitierten Routing-Möglichkeiten des MFB halten, was aber trotzdem verspielte Sound Design-Texturen ermöglicht.

Sowohl Arpeggiator, als auch Sequenzer sind im Workflow belastend undurchsichtig und nervenaufreibend. Hat man sie jedoch einmal zum Laufen gebracht, erfreuen sie das Ohr ungemein. Motion Tracking ist wie beim halb so teuren Korg Minilogue xd leider nicht möglich.

FAZIT (Vorläufig)

Der MFB Synth Pro arbeitet erfolgreich gegen die Versuchung, ein Schweizer Taschenmesser à la Korg Minilogue (XD) oder Novation Peak zu sein. Den zahlreichen Limitierungen (teilweise erschwerter Workflow, kein Noise Generator, fehlender Eingang für externes Audio) stehen mindestens genauso viele ungewöhnliche Features (Loopbare Hüllkurven, Dual Filter, On Board Effekte) gegenüber, die den MFB zum Charakter-Synth werden lassen. Bei Betrachtung der Features gleichpreisiger oder günstigerer Konkurrenz-Produkte, wie Novation Peak oder Korg Minilogue (XD), lässt der MFB Synth Pro für seinen Preis doch einiges vermissen, versandet dafür allerdings auch nicht in der stets anwachsenden Masse analoger Poly-Flaggschiffe.

MFB Synth Pro Sound Demo (no talking)

  • Features
  • 8 Stimmen
  • 3 analoge Oszillatoren pro Stimme, umschaltbar zwischen VCO- und DCO-Betrieb
  • Überblendbare Wellenformen: Dreieck, Sägezahn, Rechteck / Puls, Rauschen
  • Oszillator-Sync und -FM im VCO-Modus
  • Analoger 24 dB Tiefpassfilter
  • Analoger 12d B Multimodefilter (Tiefpass, Hochpass, Bandpass)
  • 2 analoge VCAs pro Stimme
  • 2 LFOs mit Tempo-Synchronisation und One-Shot-Mode (Wellenformen: Sägezahn, Rechteck, Dreieck, Zufall)
  • 3 Hüllkurven mit Loop-Funktion
  • Effektsektion mit Hall, Echo, Chorus und weiteren Effekttypen
  • Arpeggiator und polyphoner Step-Sequencer
  • Speicherplätze für 240 Presets und 240 Sequenzer-Pattern
  • Metallgehäuse mit Holzseitenteilen
  • Stereo Line-Ausgang: 6,3 mm Klinke
  • Stereo Kopfhörerausgang: 6,3 mm Klinke
  • MIDI In/Out/Thru
  • USB-MIDI Port und USB-Daten Port
  • Abmessungen (B x T x H): 31.5 x 18 x 4 cm
  • Gewicht: 2.0 kg
  • Inkl. externem Netzteil (6 V, 1,5 A)
  • Preis
  • MFB Synth Pro: Ca. 1.079 € (Straßenpreis, Stand: 12.03.2020)

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