Bass Hersteller_MesaBoogie
Test
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17.12.2013

Mesa Boogie Bass Prodigy Four:88 Test

Bass Topteil

Leichtes Schwergewicht

Der Mesa Boogie Bass Prodigy Four:88 im bonedo-Test  -  Ein Trend prägte in den letzten Jahren die Bassverstärker-Szene, und zwar der zu immer kleineren, leichteren und leistungsfähigeren Modellen im Handtaschenformat, die meist mit einer kräftigen Class-D Endstufe ausgestattet waren. Einige dieser modernen Kraftzwerge klingen in der Tat sehr gut, es gibt aber nach wie vor Bassisten, die auf den warmen Sound von Röhren nicht verzichten möchten. Und das, obwohl dafür normalerweise einige gewichtige Nachteile in Kauf genommen werden müssen. Immerhin sind echte Vollröhrenboliden groß, wiegen gefühlt so viel wie ein Kleinwagen und sind dabei meist spartanisch ausgestattet. Aber glaubt man dem amerikanischen Verstärker-Giganten Mesa Boogie, dann ist die Lösung der meisten dieser Probleme in Reichweite.

Sein brandneues Angebot für den Vollröhrenfan kommt nämlich in einem relativ kompakten Paket mit nur 13 Kilo Gewicht, das trotzdem gewaltige 250 Röhrenwatt bietet und mit jeder Menge EQ-Features zur Soundveränderung ausgestattet ist. Zusammen mit der ganzen Palette an zeitgemäßen Anschlussmöglichkeiten sollte der Mesa Boogie Bass Prodigy Four:88 das Zeug zum modernen, vielseitigen Vollröhren-Top im Kompaktformat haben, das den Arbeitsalltag vieler Bassisten erleichtern könnte.

Details

Four:88 im Namen des Mesa Tops steht natürlich für die vier KT88 Endstufenröhren, die durch das rückseitige Metallgitter blitzen und für satte 250 Watt Ausgangsleistung sorgen. Röhrenverstärker sind um einiges lauter als Transistorgeräte mit einer ähnlichen Wattangabe, der Prodigy sollte leistungsmäßig also allen relevanten Aufgaben mühelos gewachsen sein. Für ein Vollröhrentop dieser Leistungsklasse ist unser Kandidat in der Tat erstaunlich kompakt und kommt, profan gesagt, im quaderförmigen Brotkastenformat mit den Maßen 41 x 24 x 19 cm. Auch das Gewicht von nur 13 Kilo ist leicht handhabbar, transportiert wird der Prodigy an einem stabilen Metallbügel an der Oberseite, der sogar versenkt werden kann, wenn das Gerät seinen Platz gefunden hat.

Das Gehäuse selbst ist komplett aus hochwertigem Metall und steht auf dicken Gummifüßen, für genügend Frischluft sorgen Schlitze an allen Seiten, durch die man auch einen Blick auf das Innenleben erhaschen kann. Von einem in den USA in Handarbeit hergestellten Verstärker darf man eine tadellose Verarbeitung und ein hohe Qualitätsanmutung erwarten, mit Unzulänglichkeiten oder Nachlässigkeiten will man sich nicht wirklich beschäftigen. Zumal für das Objekt der Begierde zweieinhalb Riesen über die Ladentheke gehen. Aber bei diesem Preisniveau sollte man als potenzieller Besitzer eines Prodigy solche Kritikpunkte auch nicht befürchten müssen, und so zeigt sich der Amp auch absolut stabil und sehr edel; bei normaler Beanspruchung und pfleglicher Behandlung wird man lange Freude an diesem Röhrenkraftwerk haben.

Wer am Prodigy unbedingt rummeckern möchte, der könnte sich höchstens den Voice-Schalter zur Brust nehmen. Der läuft nicht supergeschmeidig, rastet auch nicht besonders fest in den Positionen ein und wirkt deshalb auch nicht ganz so hochwertig, seine Funktion erfüllt er aber dennoch einwandfrei. Dieser Regler sitzt ziemlich genau in der Mitte der Front und stellt fünf, oder genauer gesagt, vier EQ-Presets zur Verfügung, Position drei heißt nämlich „Flat“ und verändert den Klang nicht. Mit dem Voice-Schalter kann man dem Amp also seinen bevorzugten Grundsound verpassen, der dann anschließend mit dem Dreiband-EQ und dessen Regler Bass, Mid und Treble fein getrimmt wird. Bei Vollröhrentops erwarten die meisten vermutlich einen passiven EQ, mit dem die Bänder nur abgesenkt werden. Der Mesa EQ bietet allerdings eine bunte Mischung: Bass und Höhenregler sind mit einer Centerfrequenz und Boost/Cut-Arbeitsweise ausgestattet, der Mittenregler arbeitet hingegen wie ein passiver EQ und kann das Band nur absenken. Vor all diesen EQ-Werkzeugen gibt es allerdings noch eine Möglichkeit, den Sound des Prodigy an das verwendete Instrument oder die bevorzugte Spieltechnik anzupassen. Über der Eingangsbuchse sitzt nämlich ein kleiner Schalter mit den drei Positionen „Bright“, „Normal“ und  „Active“. Die Stellung „Bright“ empfiehlt Mesa in der übrigens sehr ausführlichen englischen Bedienungsanleitung für passive Instrumente, „Normal“ eignet sich danach eher dazu, harsch klingende Bässe oder Boxen etwas im Zaum zu halten, und „Active“ klingt wie „Bright“, hat allerdings deutlich mehr Headroom, damit aktive Bässe den Amp nicht so schnell in die Zerre fahren. Das sind natürlich nur Vorschläge und keine Vorschriften, Experimentieren ist angesagt auf dem Weg zum gewünschten Sound. Dabei spielt auch der Gainregler eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn bei höheren Einstellungen sollte der Klang runder, gesättigter und wärmer werden - mehr dazu im Praxisteil. Rechts neben dem Voice-Schalter schließt sich der Master für die Endlautstärke an, womit wir mit den Grundfunktionen auch schon durch wären.

Aber das ist noch nicht alles, was der neue Vollröhren-Mesa zu bieten hat, denn im Pflichtenheft der Konstrukteure ging es nicht nur um den klassischen Röhrensound, sondern auch um größtmögliche Flexibilität. Und zu der trägt auch der Full-Half-Powerswitch bei, denn wer nicht die geballte Kraft von 250 Watt braucht, kann damit zwei Endstufenröhren ausschalten und den Verstärker mit 125 Watt fahren. Dieses Prozedere sollte sich auch auf den Sound auswirken, denn mit 125 Watt hat der Amp deutlich weniger Headroom, was in der Regel schneller warme Röhrensounds produziert oder ihn zum Verzerren bringt - eine sehr praktische und reizvolle Option, besonders im Studiobetrieb.

Ein weiteres modernes Feature für den Einsatz des Prodigy im Studio bietet der Dreiwege-Schalter mit den Bezeichnungen „Silent Rec“, „Mute“ und „“Play“. Im „Silent Rec“-Modus wird das Signal an der Endstufe gekappt, damit der Prodigy im Studio mit dem DI-Output ohne den Sound der Lautsprecherboxen aufgenommen werden kann. Alle Geräte, die am Effekt-Loop angeschlossen sind, bleiben dabei intakt und dürfen ebenfalls mitspielen. Mit der Position „Mute“ lässt sich der Verstärker beispielsweise zum Stimmen des Basses stummschalten, in Stellung „Play“ arbeitet er im normalen Livebetrieb.

Zwar nicht die Buchse selbst, aber die zum bereits erwähnten DI-Out gehörenden Bedienelemente findet man auch vorne an der Front. Dazu gehören neben dem Pre/Post EQ-Schalter auch ein Groundlift-Schalter, der zum Einsatz kommt, falls es brummen sollte, und sogar ein Levelregler für die Signalstärke des symmetrischen Ausgangs ist mit von der Partie.

Noch ein kleines Zusatzfeature gefällig? Kein Problem, der neue Mesa kann liefern, denn neben dem DI-Level parkt noch ein weiterer mit der relativ eindeutigen Bezeichnung „Solo“. Richtig, mit diesem Soloregler stellt man eine zweite Lautstärke für den Solo-Spot oder für lautere Songpassagen ein, die dann per optionalem Fußschalter abgerufen werden kann. Aber nicht nur die Solo-Lautstärke kann per Fußschalter bedient werden, auch für die Mute-Funktion und den Voice-Schalter gibt es diese Option. Alle drei Klinkenbuchsen für die Pedale findet man auf der Rückseite, daneben weitere vier Klinkenbuchsen für den Effekt-Loop mit Send und Return, dem „Tuner“-Ausgang zum Anschluss eines Stimmgerätes und schließlich der „Slave“-Buchse, die das Signal an zusätzliche Verstärker weiterleitet, falls die Power des Prodigy mal nicht ausreichen sollte. Für den Lautsprecheranschluss sind drei Klinkenbuchsen vorgesehen, eine 8-Ohm-Ausführung für eine einzelne Box mit acht Ohm Impedanz und zwei 4-Ohm-Ausführungen, an denen entweder gleichzeitig zwei 8-Ohm-Boxen oder eine einzelne 4-Ohm-Box betrieben werden kann.

Ganz rechts sitzt der symmetrische XLR-Ausgang, den ich weiter oben bereits erwähnt habe, und neben ihm die tatsächlich letzte Buchse der Rückseite. Diese 8-Pin DIN-Buchse verbindet den gesondert erhältlichen Bass Prodigy Fußschalter von Mesa Boogie mit dem Verstärker. Die Mesa Prodigy Leiste hat vier Fußtaster und stellt luxuriöserweise alle vier steuerbaren Funktionen Voice, Solo, Mute und die Aktivierung des Effekt-Loops zu Verfügung. Zusätzlich verfügt der Amp auch noch über eine Tuner-Out-Buchse, an die ein Stimmgerät gehängt werden kann.

Wir sehen zum Ende der Beschreibung, dass der Prodigy wirklich mit modernen Features vollgepackt ist. Der Bassist bekommt nicht nur jede Menge Möglichkeiten, den Klang des Verstärkers an seine Bedürfnisse anzupassen, sondern auch sinnvolle Features wie den Multi-Watt Switch oder die Silent Record Funktionen, die das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten erheblich erweitern. Dazu gehört auch ein komplettes Set von Anschlüssen, das dazu beiträgt, das Röhrentop flexibel zu betreiben und komfortabel zu bedienen. Hier ist also eindeutig Vollausstattung angesagt, was bei diesem Preis aber auch unbedingt in die Erwartungshaltung eingeschlossen ist!

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