Test
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11.12.2020

Praxis

Ungewöhnliches Spielgefühl

Sind die Pedale mit den mitgelieferten, abgewinkelten Beatern bestückt und an den Bass- und Snareboxen befestigt, kann es auch schon losgehen. Schon beim ersten Probetreten wird jedoch deutlich, dass die Boxen nicht gegen das Wegrutschen gefeit sind, es sei denn, die montierte Fußmaschine ist mit herausschraubbaren Dornen oder einer Grundplatte mit Klettstreifen (oder beidem) ausgestattet und steht auf einem Teppich. Kein Problem, denn bei den meisten Pedalen gehört so etwas zur Standardausrüstung und ein kleiner Teppich sollte sich auch schnell auftreiben lassen. Kurioserweise besitzen ausgerechnet die von Meinl explizit als „Bassbox/ Snarebox Pedal“ ausgewiesenen und separat erhältlichen Fußmaschinen (Steel - TMBP) jedoch keine solche „Wegrutschsperre“. Doch das nur als Hinweis am Rande, da die Pedale nicht zum Umfang dieses Tests gehören. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist das Spielgefühl, da der Schlägel durch die waagerechte Ausrichtung immer in Richtung Spielfläche fällt und die Schwerkraft in der Phase des Schwungholens nicht genutzt werden kann. Es bedarf auch etwas Übung, dass der Schlägel beim Auftreffen nicht stottert.

Akustiksound

Aus den aktenkoffergroßen Bassboxen kommt erfreulich viel Bass, der zwar – dem relativ kleinen Volumen der Box geschuldet – nicht besonders tief in den Keller reicht, dafür jedoch auch nicht zu dick aufträgt. Der weiche Beater sorgt, sofern er leicht schräg und nicht flach auftrifft, für einen warmen, holzigen Ton und die Dämpfstreifen unter der Spielfläche für einen trockenen Charakter. Etwas mehr Schärfe und Lautstärke bescheren die härteren Beater der Snareboxen in Kombination mit dem Effekt der Snareteppiche. Dennoch bleibt auch hier der Grundsound trocken und holzig und harmoniert gut mit dem Sound der Bassboxen, was bei den folgenden Aufnahmen mit Overheadmikrofonen gut zu hören ist.

Mit Verstärkung

Unverstärkt besitzen die Bass- und SnareBoxen zwar schon genug Lautstärke, um sich in akustischen Sessions gut hörbar zu machen, doch live oder in lauteren Situationen kann etwas Verstärkung durchaus angebracht sein. Für diesen Test habe ich ein Sennheiser e602 (BassBoX) und ein Shure SM57 (SnareBoX) an verschiedenen Positionen getestet. Im Vergleich zur Tiefmitten-betonenden Position im Resonanzloch und der leicht pappig klingenden Positionierung nahe an der Schlagfläche klingt es recht ausgewogen, wenn die Mikrofone etwas vor dem Resonanzloch aufgestellt werden und sowohl auf das Resonanzloch als auch auf die Schlagfläche zielen. Je nach Gusto kann hier mit verschiedenen Mikrofonen und Positionen natürlich noch viel weiter experimentiert werden. Die drei zuvor beschriebenen Positionen könnt ihr euch hier im Vergleich anhören.

Ohne Mikrofone und die zusätzlich benötigten Stative kommen die beiden Boxen mit eingebautem Piezo-Pickup aus. An meinem Audiointerface schließe ich die Piezos direkt an die Instrumenteneingänge an und brauche keine weitere Vorverstärkung. Dabei stehen die Drehregler der Bass- und SnareBoX etwa auf 3,5. Was unbearbeitet aus den Piezos herauskommt, vermag jedoch nicht wirklich zu begeistern, da die Signale einen topfig-mittigen Charakter haben und in den Höhen stark abfallen. Um dem entgegen zu wirken, bedarf es des gezielten Einsatzes eines Equalizers. Bei der SnareBoX hebe ich die Höhen drastisch an, bei der BassBoX entschärfe ich den mir zu dominanten Grundton bei 150 Hz und verpasse dem Signal mehr Kick bei etwa 10 kHz.

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