Workshop_Folge
Workshop
3
28.08.2013

Konzept 5 - Upper Structure Arpeggios

Ein einfacher Dm-Akkord besteht ja bekanntlich aus den Tönen D, F und A.
Bein Dm7/9/11 kommen noch die Töne C, E und G dazu. C, E und G bilden aber zusammen auch einen C-Dur Akkord. Diesen Dreiklang nennt man in diesem Zusammenhang Upper Structure, denn er bildet eine Struktur (nämlich einen Dur-Dreiklang). Aber eigentlich handelt es sich hierbei um die Obertöne des Dm7/9/11 Akkords.

Bei den alterierten Akkorden bilden #5, Grundton und #9 auch einen Dur-Dreiklang. Im Falle eines D7#5#9 wären das die Töne Bb (bzw. Ais) D und F (bzw. Eis): Also ein Bb-Dur Dreiklang. Bei einem D7b5b9 bilden die Töne Ab, C und Eb einen Ab-Dur Dreiklang.

Die Upper Structures bieten sich an, in Form von Arpeggios in die Improvisation eingebaut zu werden. Da es sich letztendlich um einfache Dur-Akkorde handelt, sind sie leicht zu „händeln“, klingen aber trotzdem sehr komplex - so wie in diesem Beispiel.

In Takt 1 finden wir ein C-Dur Arpeggio, in Takt 2 ein Bb-Dur Arpeggio, in Takt 3 wird ein F-Dur Dreiklang gebrochen und in Takt 4 ein Eb-Dur Dreiklang (Eb-Dur passt auch auf den #5#9 Akkord, obwohl es eigentlich die Upper Structure von A7b5b9 ist.)

Eine weitere Möglichkeit, einer simplen Akkordverbindung ein paar „schräge“ Noten zu verpassen, ist das sogenannte Inside Outside Prinzip. Es stammt aus dem modalen Jazz, wo oft minutenlang auf nur einer Harmonie herumimprovisiert wird. Als einer der „Erfinder“ dieser Technik ist John Coltrane anzusehen. Der Pianist seines Quartetts, McCoy Tyner, hat diese Stilistik dann auf das Klavier übertragen (Hörtipp: „Passion Dance“ von McCoy Tyner). Später übernahmen auch andere Pianisten diese Technik. Chick Coreas legendäres Album „Now he sings, now he sobs“ wimmelt nur so von Inside-Outside Phrasen, und auch bei Herbie Hancock und vielen anderen, modernen Jazzpianisten sind solche Licks zu hören (übrigens auch in dem oben genannten Kenny Kirkland Solo).

Das Prinzip des Inside-Outside-Spiels besteht darin, kurzzeitig die Ausgangstonart („Inside“) zu verlassen und z.B. alles einen Halbton höher zu spielen („Outside“), um dann kurze Zeit später wieder in die Ausgangstonart zurückzukehren. Damit dies nicht „chaotisch“ oder einfach nur falsch klingt, bringt man Struktur in das Ganze, indem man Phrasen sequenziert, das heißt, man wiederholt dieselbe oder eine ähnliche Phrase in der fremden Tonart, so wie im nächsten Beispiel, in dem zwei Mal von „Inside“ D-Moll nach „Outside“ Eb-Moll gewechselt wird. Die anderen Musiker wie Bassist und Gitarrist bleiben auf Dm, nur der Solist vollzieht diese Wechsel. Das erzeugt eine interessante Reibung, die sich aber sogleich wieder auflöst. Die Voicings in der linken Hand machen die Wechsel mit.

Im nächsten Beispiel nutzen wir die Inside-Outside-Technik über unseren beiden Akkorden Dm und Gm. Im zweiten Takt springen wir nach Abm und lösen die Reibung dann nach Gm auf. Im vierten Takt wandern wir über Ebm zurück nach Dm. Wichtig ist auch hier die Sequenzierung, also die Wiederholung derselben Phrase in den verschiedenen Tonarten, damit es nicht chaotisch klingt.

Konzept 6 - Beispiel 2 - Die Noten als PDF-Download

Hier noch ein ähnliches Beispiel. Übrigens bestehen die Phrasen auch wieder aus pentatonischem Tonmaterial auf der fünften Stufe (also A-Pentatonik über Dm, Eb-Pentatonik über Abm usw.)

Konzept 6 - Beispiel 3 - Die Noten als PDF-Download

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