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01.02.2013

Backstage-Quickie: 10 Fragen an Martin Kilger

Martin Kilger hat in seiner Karriere schon einiges gesehen. Das Multitalent ist nicht nur als Texter, Komponist, Sänger und Keyboarder unterwegs, sondern auch als Videoregisseur. Zum neuen Album "LEON" haben wir uns bei dem Überlebenskünstler ein paar Tipps abgeholt.

Als Keyboarder spielte Martin Kilger für Künstler wie Nina Hagen und die Söhne Mannheims. Als Videoregisseur drehte der Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien Clips und Dokumentationen (u.a. für Xavier Naidoo, Brothers Keepers, Groove Guerilla, Joachim Witt und Valentine), die ihm Nominierungen für den "Echo" und den "Viva Comet" einbrachten.

Mittelpunkt seines Schaffens war aber zu jeder Zeit die Solo-Karriere: Sein Debut "Leicht" brachte es 2007 zum höchsten Neueinsteiger in die Charts und hielt sich drei Monate im deutschen Airplay. Einen ähnlichen Achtungserfolg erreichte er mit dem Nachfolger "Wofür ich steh", dass er in Hamburg mit dem renommierten Produzenten Franz Plasa aufnahm. Darauf arbeitete er ein weiteres Mal mit Xavier Naidoo, der den Song "Weinen" mit seiner Soulstimme veredelte.

Klingt wie ein verheißungsvoller Start in die Karriere. Doch auch Tiefschläge blieben nicht aus: Die Plattenfirma Sony lässt schon vor dem zweiten Album fallen wie eine heiße Kartoffel. Auf der folgenden Tour wird ausgerechnet beim Gig in der Wahlheimat Hamburg der Bus ausgeräumt, so dass die restlichen Shows auf geliehenen Instrumenten bestritten werden müssen.

Bei jedem normalen Künstler wäre die Luft erstmal raus. Nicht so bei Martin Kilger, der macht ein Album draus. Der dritte Longplayer "Nackt" erscheint auf dem eigenen Label und entgegnet den entstandenen Problemen eine ordentliche Portion Wortwitz. Jetzt ist das vierte Album "LEON" erschienen. Produziert hat er die Langgrille mit Sandi Strmljan (u.a. Udo Lindenberg, No Angels), wie der Vorgänger erscheint die Platte im Selbstvertrieb. Die dadurch entstehende künstlerische Freiheit nutzt Martin Kilger für seine eigene Pop-Vision: Catchy Refrains mit gefühlvollen deutschen Texten, die er aus einfach aus dem eigenen Leben zu pflücken scheint. Wie das klingt könnt ihr im Video zur aktuellen Single "Ich kann dich sehen" begutachten:

1) Wie wurde Musik dein Leben und deine Karriere?

Mein Vater hat mich ans Schlagzeug gesetzt und mir das Singen und musizieren vorgelebt. Als Kind hätte ich nie gedacht, dass ich einmal wie er Musik machen könnte. Später wurde immer klarer, dass eigentlich kein Weg daran vorbei führt. Auch die Umwege - Uni und Jobs als Tontechniker - haben letztendlich nur zu dem geführt, was es jetzt ist. Musik ist mein Leben.  

2) Was würdest du machen, wenn du kein Musiker wärst?

"Dann würde es mich ja nicht geben" ist die richtige Antwort. Die zweitrichtigste ist, dass ich neben der Musik noch die Leidenschaft des Filmens entwickelt habe und mich damit auch sehr wohl fühle. Wahrscheinlich wäre ich also Filmer.

3) Was ist das Besondere an deinem Instrument?

Das Korg SV-1 ist auf das reduziert, was ich brauche. Eine perfekte Tastatur, nicht zu viel Gewicht und die Sounds der richtigen Pianos, E-Pianos und Hammonds. Das genügt mir. Wenn es mal mehr sein muss, hänge ich einfach meinen Laptop dran und benutze Plug-Ins. Gesteuert werden die aber immer über das SV-1.

4) Was ist die wichtigste Musikequipment-Erfindung aller Zeiten – und warum?

Das ist der Tuner. Er hilft weniger den Instrumentalisten als den Mitmusikern, die dann einfach weniger Kopfschmerzen bekommen. 

5) Erinnerst du dich an deine erste Studio-Erfahrung und wie war das für dich?

Ja, ich erinnere mich. Es war wirklich schön! Ich hatte Recordings im Joy Flemming Studio bei einem Talentwettbewerb gewonnen und wir haben ein Demo aufgenommen. "I give you all I have" hieß der Song. Eine meiner ersten Eigenkompositionen. Wenn ich daran denke, muss ich ein bisschen lachen. Joy war total nett im Studio und hat mir wirklich viel geholfen. 

6) Auf welche deiner Aufnahmen bist du am meisten stolz?

Auf mein neues Studioalbum "Leon" bin ich besonders stolz. Es war ein langer Weg einen Produktionsstil zu finden, der Raum lässt für Ideen und Experimente (wie ich sie auf meinem Debutalbum "Leicht" noch extrem ausgelebt habe) und trotzdem durch die weitere Hand im Studio auf eine professionelle Bahn gelenkt wird. Das ist gelungen und ich bin einfach stolz. Leon ist ein Prachtkerl!

7) Erzähle uns von deiner schönsten oder schlimmsten Erfahrung auf der Bühne.

Die schlimmste Erfahrung war mein Auftritt als Keyboarder mit den Söhnen Mannheims in Lich. Es war der erste Gig zum zweiten Album "Noiz". Ich habe mit einem Clubkonzert gerechnet und dann waren es 50 000 Menschen vor der Bühne. Das Keyboard war nicht meines und hatte anders gewichtete Tasten. Sehr schlecht.

Bei "Und wenn ein Lied" ging die Band von der Bühne - da ging mir das Licht auf: Das wird eine Vocals/Piano-Version. S***! Ich hatte mir nur flüchtig die Chords rausgeschrieben und aufs obere Keyboard gelegt. Während des Songs ist mir dieser Fresszettel langsam aber sicher weggerutscht. Das war natürlich Mist und ich hab deshalb immer schneller gespielt. Seitdem hat sich die Band immer gefreut, wenn ich mitgespielt habe, da ja alles schneller ging und sie bald wieder im Hotel sein konnten. 

8) Was ist deine Lieblingsbeschäftigung auf Tour, pflegst du irgendwelche Rituale?

das ist das Musizieren. ;)

Nein, im Ernst, eigentlich mache und denke ich auf Tour nichts anderes. Ein bisschen die Stadt kennenlernen, alte bekannte abklappern und warten… auf den Soundcheck, auf den Abend, auf das Adrenalin.

9) Was würdest du ändern, wenn du im Musikbusiness das Sagen hättest?

Ich würde die großen Plattenfirmen schliessen, Medienmonopole schliessen und dann auf die Revolution warten, aus der bestimmt ein perfekter Sound entstehen würde. 

10) Welchen Rat würdest du jungen Musikern geben, die sich als Profi durchsetzen wollen?

Nicht zu viel reinreden lassen, in das was euer Bauchgefühl ist. Je mehr Erfolg, desto mehr quatschen dir Leute aus der Industrie rein, die scheinbar wissen, wie es geht. Wenn man sich den Markt anschaut, ist das offensichtlich nicht so. Also - immer auf den Bauch hören und nicht aufgeben. Lieber zu lange an ein Traumschloß glauben, als es zu verlassen.

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