Bass Hersteller_Marleaux
Test
7
05.01.2016

Praxis

Alle Marleaux-Bässe, mit denen ich bisher das Vergnügen hatte, waren ungemein komfortabel zu bespielen und rangierten in Sachen Ergonomie in der internationalen Oberliga. Erwartungsgemäß ist das auch beim Contra der Fall. Aber beginnen wir doch vorne: beim Gewicht.

Sechssaiter sind in der Regel ja vergleichsweise große Bässe mit breiten Hälsen und vielen Hardware-Komponenten, was sich verständlicherweise auch im Gesamtgewicht der Instrumente niederschlägt. Umso erfreulicher ist es, dass mein Contra-Testbass gerade mal 4,4 kg auf die Waage bringt. Das ist für einen ausgewachsenen Sechssaiter ein moderates und durchaus leicht beherrschbares Gewicht - zumindest, wenn die Gewichtsverteilung der Konstruktion stimmt! Tatsächlich wurde der Contra geradezu hervorragend austariert. Er neigt trotz der Hohlkammern im Korpus nicht im Geringsten zur Kopflastigkeit, sondern hängt in einer perfekten Spielposition mit leicht nach oben ragendem Hals am Körper.

Auch der Spielkomfort ist beeindruckend, denn die perfekt abgerichtete Bundierung ermöglicht eine ultraflache Saitenlage bei einem Hals mit nur minimaler Krümmung und verursacht mit einer ausgefeilten Spieltechnik keinerlei Scheppern oder sonstige unerwünschte Nebengeräusche. Durch die normale Longscale-Mensur von 34 Zoll sind auch die tiefen Lagen mühelos zu erreichen und das sehr angenehme flache Halsprofil macht die Navigation auf dem Sechssaiter-Hals zum Kinderspiel. Offensichtlich wurde der Contra von Gerald Marleaux mit der Intention konstruiert, dem Spieler keinerlei Hindernisse bei der Ausübung seiner Kunst in den Weg zu legen. Dies ist eine Eigenschaft, die man nur bei Instrumenten mit echtem Weltklasse-Format findet! Mein außerordentlich positiver Eindruck festigt sich zusehends, während ich einige Minuten - zunächst rein akustisch ohne Verstärker - auf dem ungewöhnlichen Marleaux spiele. Der Bass ist rein akustisch gespielt schon relativ laut und liefert einen warmen, offenen Klang mit ultralangem Sustain in allen Lagen. Am Körper und in den Händen spürt man die starken Schwingungen der gesamten Konstruktion.

Eine derart gesunde Tonentwicklung kann auch am Verstärker nur für positive Ergebnisse sorgen! An meinem Test-Rig produziert der Contra ein ultratiefen, aber luftigen Basssound mit warmen, runden Mitten und einem mild-samtigen Höhenbereich. Die Töne schwellen nach dem Anschlag auf eine sehr organische Art an und klingen äußerst langsam aus, was mich zu komplexen Akkordverbindungen und lyrischen Melodiespiel in den hohen Lagen inspiriert, zumal auch die letzten Bünde auf dem Sechssaiter absolut mühelos zu erreichen sind.

Die tiefen Töne besitzen sehr viel Autorität und werden dennoch transparent und glasklar wiedergegeben - der Contra singt ganz wunderbar in allen Lagen und konnte mich mit seinem einzigartigen und akustisch angehauchten weichen Sound in kürzester Zeit voll überzeugen.

Aber Moment: bisher habe ich den Contra ja nur im passiven Betrieb gespielt. Offen gestanden würden mir die Klangvariationen, die alleine mit dem Tonabnehmer- Regler und der passiven Tonblende möglich sind, eigentlich auch schon völlig genügen. Ein paar zusätzliche Klangmöglichkeiten sind aber natürlich immer willkommen, zumal die hochwertige Marleaux V2-Elektronik für ihre effektive und musikalische Arbeitsweise vollkommen zu Recht berühmt ist. Mit aktiviertem Preamp fühlt sich der Contra-Sechssaiter etwas moderner und perkussiver an, der Ton wird eine Spur straffer und strahlt mehr im Höhenbereich. Die akustische Grundqualität und der luftig-voluminöse Klang des Instruments bleiben im aktiven Betrieb mit dem außerordentlich transparenten Marleaux-Preamp allerdings erhalten, der Sound kann jedoch mithilfe des hervorragend abgestimmten Zweiband-Equalizers um zahlreiche Schattierungen erweitert werden.

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