Bass
Test
7
21.11.2016

Praxis

Die Electric Stadium DI besitzt wirklich einige interessante Klangwerkzeuge. Man kann das Pedal allerdings auch einfach als aktive DI-Box zur Weiterleitung des unbearbeiteten Sounds verwenden. In diesem Fall liefert der symmetrische XLR-Ausgang ein absolut unverfälschtes, transparentes und nebengeräuschfreies Signal, über das sich jeder FOH-Techniker und Studioingenieur freuen wird!

Richtig Spaß macht der elegante Bodentreter allerdings erst, wenn man den Engage-Fußtaster aktiviert und dem Bassound mit Hilfe der fünf Relger ordentlich Charakter einhaucht. Zuerst muss natürlich der Gain-Pegel an den verwendeten Bass angepasst werden, was mithilfe des dreiteiligen VU-Meters wirklich sehr komfortabel und exakt zu bewerkstelligen ist. Danach kann es dann mit den speziellen Tools der Stadium DI losgehen.

Damit ihr einen Eindruck von der Wirkungsweise der einzelnen Regler bekommt, habe ich jedes Feature separat mit verschiedenen Einstellungen aufgenommen.

Im ersten Clip hört ihr die Wirkung des Fat-Switches, der neben dem Volume-Regler. Wie bereits erwähnt, boostet dieser bei einer Frequenz um150 Hz und kann bereits am Anfang der Signalkette eingesetzt werden, wenn man einen runderen Sound erzielen möchte. Im Clip hört ihr meinen Bass zuerst acht Takte neutral, dann acht Takte in der zweiten Fat-Switch-Stellung (+3 dB Boost) und am Ende schließlich acht Takte in Stellung drei (+6 dB). Dieser Effekt ist eher subtil, mein Bass klingt jedoch in der Tat nach jedem Durchgang etwas runder und voller, wird dabei aber nie schwammig. Das Fat-Feature wurde wirklich sehr geschmackvoll abgestimmt!

Meine einziger Kritikpunkt bezieht sich auf die Bedienung, weil der kleine Switch wirklich sehr nahe am Volume-Regler platziert wurde und man Gefahr läuft, im Eifer des Gefechts ungewollt die Endlautstärke zu verstellen. Ist aber alles halb so wild, denn der Fat-Switch ist im Grunde eher ein sogenanntes "Set and Forget"-Feature, das man einmal an seinen Bass anpasst und dann eigentlich nicht mehr anfassen muss.

Jetzt gehen wir eine Etage tiefer in die zweite Reglerreihe und hören uns das Attack-Feature an. In den ersten acht Takten ist das Signal abermals neutral - der Attack-Regler befindet sich dementsprechend in Mittelstellung. In den folgenden acht Takten steht der Attack-Regler auf 4 Uhr, und im letzten Durchgang habe ich den Regler gegen den Uhrzeigersinn auf ca. 7 Uhr gestellt.

Und siehe da: der Attack-Regler macht seinem Namen alle Ehre - geboostet klingt mein Bass gleich deutlich perkussiver! Man hört die Anschläge besser heraus und auch Bundgeräusche treten weiter in den Vordergrund. Der Sound wirkt wesentlich klarer, klingt dabei jedoch keineswegs harsch, obwohl ich den Regler fast voll aufgedreht habe.

Gegen den Uhrzeigersinn filtert der Attack-Regler Höhen und Hochmitten ähnlich einer passiven Tonblende zunehmend aus. Er eignet sich somit auch hervorragend für Vintage-mäßige Sounds oder einfach zum Abmildern von etwas zu HiFi-mäßig klingenden Bässen. Der Attack-Regler wirkt zwar effektiv, liefert aber auf dem ganzen Reglerweg praxisorientierte Sounds und wurde ebenfalls außerordentlich geschmackvoll abgestimmt.

Als nächstes hören wir uns den Growl-Regler an. Auch hier wieder zuerst neutral, dann in einer milden Einstellung bei ca. 11 Uhr, und schließlich ordentlich aufgedreht bei ca. 5 Uhr. Wow, der Growl-Regler haucht meinem Basssound wirklich eine Menge Charakter und Wärme ein. Im zweiten Durchgang klingt die Stadium DI wie ein leicht zerrender, obertonreicher Röhren-Amp, der Grundsound meines Basses bleibt aber im Wesentlichen erhalten. Heftiger aufgedreht wird die Verzerrung logischerweise deutlich stärker, der Sound bleibt aber dennoch transparent, weil der Growl-Regler lediglich die tiefen Frequenzen bearbeitet.

Für den zweiten Growl-Clip habe ich den Drive-Regler aktiviert, der die Verzerrung auf das gesamte Frequenzspektrum des Signals erweitert. Ich empfinde den Overdrive-Sound als durchaus angenehm; die Durchsetzungskraft wird zum Glück trotz der starken Verzerrung nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Clou wäre allerdings, wenn man das Drive-Feature für Soloeinlagen mit einem zweiten Fußschalter aktivieren könnte!

Der letzte Clip zeigt den Kompressor der flexiblen Bass DI-Box. Für dieses Beispiel habe ich alle Sound-Tools verwendet: der Fat-Switch steht in der Mittelstellung (+3 dB bei 150 Hz), den Attack-Regler habe ich auf 14 Uhr justiert, und der Growl-Regler sorgt auf ca. 10Uhr für eine dezente Sättigung im Bassbereich. In den ersten acht Takten steht der Kompressor-Regler auf 11 Uhr, für die nachfolgenden Takte habe ich den Kompressor dann fast voll aufgedreht.

Moderat eingesetzt, verdichtet der Kompressor nur subtil und der Bass klingt eine Spur aufgeräumter und knackiger. Voll aufgedreht wird der Bassbereich zwar hörbar schlanker und transparenter, der Kompressor erzeugt aber keinerlei Pumpeffekte oder Artefakte und das Spielgefühl bleibt absolut natürlich und direkt.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare