Test
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21.05.2016

Praxis

Dem ein oder anderen Leser mag es schon aufgefallen sein, dass ich solche kleinen Sound-Spielereien generell spannend finde. Auch wenn sie nicht immer passen, können sie doch in manchen Situationen die perfekte Lösung für eine bestimmte Sound-Vorstellung sein. Große Wirkung bei wenig Einsatz ist auch bei den LP Sound Enhancers angesagt… wobei ihr erster Benutzungsversuch kläglich endet. Am alten Sonor Teardrop Set mit Yamaha Dave Weckl Signature Snaredrum, welches in unserer Drum-Schule steht, müssen sich die kleinen Klangaufwerter unverrichteter Dinge wieder zurückziehen. Weder an den Spannreifen des Kits noch an den Alureifen der Yamaha Snare möchten sich die Teile befestigen lassen. Gleiches gilt für Messingreifen, und dass es an Die Cast (Guss) -Reifen mit der Magnethaftung generell nichts wird, bestätigt ein kurzer Check an diversen anderen Trommeln aus meinem Fundus, hier können die Teile nur aufgelegt werden.  Auch an den so genannten S-Hoops oder besonders breiten Sticksaver-Reifen dürfte es eng werden, hier solltet ihr bei Interesse lieber nochmal eine Mail an den Vertrieb oder LP direkt schreiben. Die gute Nachricht: an allen normalen, geflanschten Stahlreifen gibt es mit dem Anbringen und stabilen Sitz keinerlei Probleme. Es ist wirklich eine Freude, die Dinger „dranschnappen“ zu lassen, die flexible Verbindung zwischen Shaker beziehungsweise Jingles und Rahmen stellt zudem immer eine klanglich funktionierende Position auf dem Fell her. Dadurch, dass der halbe Snare-Teppich des Snare-Modells leicht nach unten gewinkelt ist, dürfte auch er an allen Trommeln funktionieren, an denen sich das Instrument befestigen lässt. Kommen wir nun zu den Sounds.

Wie erwartet, erzeugt die Jingle-Variante auf der Snare einen typischen, lebendigen Schellenkranz-Sound, gleichzeitig wird das Fell-Sustain durch den Kontakt mit den Schellen deutlich begrenzt. Ein interessanter, musikalisch vielfältig einsetzbarer Effekt-Sound, der sich als sehr mikrofon-freundlich erweist und den ich selbst bisher immer mit festgeklebten Jingle-Ringen oder kleinen Tambourines erzeugt habe. Hier ist der LP Sound Enhancer deutlich im Vorteil, denn man muss sich keine Gedanken mehr darüber machen, wohin die Konstruktion wohl wandert, wenn das Gaffatape mal nicht mehr hält. Die kompakte Konstruktion hält sich zudem schön aus dem Spielbereich des Fells heraus. Hier habe ich euch zwei Soundfiles aufgenommen.

Zumindest an der Snare klingt der Sound Enhancer in der Shaker-Variante deutlich bedeckter, so richtig aufgehen möchte die Sache nicht. Das feine Füllmaterial hat Mühe, sich wirklich effektiv gegen die Grundlautstärke einer Snare durchzusetzen, die hohe Fellspannung sorgt zudem dafür, dass die Shaker nur wenig „hochhüpfen“ können. So dominiert auf der Snare eher eine Art intensiver Gate-Effekt. Interessanter hört sich die Sache auf großen Toms an, wo sich die Shaker deutlicher von der Grundfrequenz der Trommel absetzen können. Sie erzeugen hier eine Art feines Rauschen, das durchaus musikalisch klingt und dem Tom einen leicht „elektronischen“ Charakter verleiht. Das könnt ihr gut ganz unten im letzten Soundfile dieses Tests hören. 

Wie die beiden anderen Effekte, wirkt auch der Sound Enhancer in der Snare-Version zunächst einmal als Dämpfer des Trommel-Sustains. Das ist wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Konstruktion den halben Teppich mit ziemlichem Nachdruck auf das Fell presst. Einer Snare mit angeschaltetem Teppich verhilft sie so zu einem trockenen Ton, die Wirkung der Spiralen selbst bleibt im Hintergrund. Interessanter wird es, wenn man den Sound Enhancer tatsächlich die Arbeit des regulären Teppichs übernehmen lässt, diesen also abschaltet. Dann stellt sich – je nach Snare und Stimmung – eine Art „Retrosound“ ein, ein knochig-trockener Ton mit wenig Teppichanteil und Brillianz. Einen noch stärker hervor tretenden Effekt erhält man auch hier wieder, wenn man den Sound Enhancer an einem Tom befestigt. Wie schon bei der Shaker-Version, kitzeln stärker schwingende Felle den maximalen Effekt aus den Teilen, wobei sich etliche Variationen erzeugen lassen. Beispielsweise klingt ein hoch gestimmtes Zehner-Tom fast wie eine trockene Sidesnare. Den Effekt hört ihr im letzten Soundfile in Kombination mit dem Jingle an der Snaredrum sowie dem Shaker am 14 Zoll Floortom. Dazu sei allerdings angemerkt, dass direkte Treffer auf die Snare-Spiralen zu Verformungen derselben führen können, so ist es mir jedenfalls mit dem Testexemplar ergangen.

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