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Test
10
16.05.2020

Praxis

Auf geht‘s …

Das Update auf v10.5 erfolgt wie gewohnt im App Store und verlief in meinem Fall problemlos. Da ich es wie viele professionelle Anwender aus einer Vielzahl von Gründen gerne vermeide, ständig das Betriebssystem zu aktualisieren, empfand ich es als beruhigend, dass mein aktuell installiertes macOS 10.14.6 die Mindestanforderung zum Betrieb von Logic Pro X 10.5 erfüllt. Beim ersten Öffnen der neuen Version wird man per Dialogfenster vor die Wahl gestellt, ob man weiterhin die bisherigen Tastaturkommandos oder ein aktualisiertes Set verwenden möchte, das mit den neuen Funktionen korrespondiert. Hierbei habe ich mich zunächst für die alte Variante entschieden, um meinen Workflow in laufenden Produktionen beizubehalten.

Live Loops (und Remix FX)

Dass die Inspiration zu diesem neuen Logic Feature von einem Konkurrenzprodukt stammt, wird wohl kaum jemand abstreiten, dieses dann auch als „Live Loops“ zu betiteln ist vielleicht schon etwas frech, wobei sich wohl kaum ein Logic User daran stören wird. Fakt ist, dass die Live Loops in Logic für einen ordentlichen Kreativschub sorgen, indem man jegliche Apple Loops und Clips zu sogenannten Scenes schichten und per Maus, Logic Remote oder Novation Launchpad im Live-Loops-Raster arrangieren und performen kann. Eine solche Performance lässt sich bei Bedarf simpel in die herkömmliche Spurenansicht übertragen, wie das folgende Video exemplarisch zeigt.

Das Plugin Remix FX mit seinen typischen DJ-Effekten kennt man bereits aus GarageBand und ist nun endlich in Logic verfügbar, wo es eine tolle Ergänzung zur Live-Loops-Performance aber auch in der Spurenansicht darstellt. Das Touchscreen der Logic Remote ist hierfür die ideale Spielwiese, wobei auch die Steuerung per Maus oder Automation gewinnbringend eingesetzt werden kann. Der Einsatz des Plugins ist in einigen der später folgenden Audiobeispiele zu hören. 

Sampling Power!

Sampling ist nach wie vor ein mächtiges Produktionswerkzeug und in Logic 10.5 nach dem etwas in die Jahre gekommenen EXS 24 nun endlich deutlich intuitiver und inspirierender geworden. Der EXS wird durch das Plugin „Sampler“ ersetzt, doch keine Angst, die Abwärtskompatibilität zu sämtlichen EXS Libraries ist gegeben. Neben einer zugänglicheren Oberfläche, Flex Time-Integration und erweiterten Klangformungsmöglichkeiten ist die Erstellung eigener Sample Instruments nun ein Kinderspiel. So kann man Audiofiles zum Beispiel auf einen leeren Bereich in der Spurliste ziehen und schon werden automatisch Sample Instruments – u. a. mit automatischer Tonhöhenerkennung und Mapping-Option – erzeugt.

Ein fantastisches Feature ist das automatisierte Multisampling externer Hardware-Klangerzeuger (sowie interner VIs) mithilfe des Plugins Auto Sampler, wozu möglicherweise in Kürze ein Workshop folgt. Abgerundet wird die neue „Sampling Power“ durch das Plugin „Quick Sampler“, der sich zwar auf die Verwendung eines einzigen Audiofiles beschränkt, aber als inspirierendes Kreativwerkzeug nicht unterschätzt werden sollte, da er viele Modulationsmöglichkeiten und interessante Loop-Funktionen besitzt, wie man beim groben Check der enthaltenen Presets erkennen kann.

Drum Machine Designer und Drum Synth

Das Besondere am neuen Drum Machine Designer (DMD) ist sein hybrider Aufbau. Auf den ersten Blick erscheint der DMD als gewöhnliches Plugin mit verschiedenen Drum Kits, allerdings besteht jedes Drum Pad aus einem separaten Plugin mit eigenem Channel Strip, womit dieses neue Instrument quasi ein Mutterschiff für verschiedene (native und Drittanbieter-) Plugins und gleichzeitig ein sogenannter Summenstapel ist. Das bietet ein Maximum an klanglicher und kreativer Flexibilität bei optimaler Übersicht und Bedienbarkeit – toll (ich glaube in Berlin sagt man „nice“)!.

Passend zu diesem neuen Feature gibt es das neue Drum Synth Plugin zur synthetischen Generierung elektronischer Drumsounds, also ohne Samples, wodurch die Klangformungsmöglichkeiten differenzierter sind. Das klingt wirklich überzeugend und zeitgemäß, wie man in den folgenden Audiobeispielen hören kann. Ab ca. der zweiten Hälfte in den Audiobeispiele kommen übrigens auch die neuen Remix FX zum Einsatz.

Step Sequencer

Der neue Step Sequencer ist ein üppig ausgestattetes Kreativ-Tool, das sowohl für Drums als auch tonale Instrumente eingesetzt werden kann und seitens Perfomance-Möglichkeiten und Parameterautomation keinen Wunsch unerfüllt lässt. Als Inspirationsquelle befinden sich außerdem bereits eine Vielzahl von Preset-Sequenzen in den Apple Loops. Dass (bisher) keine Noteneingabe per MIDI – auch nicht in Verbindung mit dem Step-Input-Keyboard – möglich ist, überrascht ein wenig, allerdings würde es mich sehr wundern, wenn dieser vermutlich temporäre Mangel nicht in einem kommenden Update behoben wird. Trotz dieses Kritikpunkts ist der Step Sequencer ein phänomenaler Mehrwert für Logic User!

Soundinhalte

Das Logic Update beinhaltet eine großzügige Vielzahl neuer Sounds, Apple Loops, Drum Kits sowie auf Live Loops basierender „Starter Grids“ verschiedener elektronischer Stilrichtungen. An produktionsfertig klingenden Inspirationsquellen mangelt es definitiv nicht und der Umfang der Neuerungen sowie des kompletten Sound Contents im Lieferumfang von Logic Pro X ist ein hervorstechendes Merkmal im Vergleich zur Konkurrenz. Im Folgenden hört ihr weitere Audiobeispiele, die mithilfe der neuen Soundinhalte und Features entstanden sind.

Stabilität

In der mehrtägigen Testphase seit dem Erscheinen des Updates sind mir keine gravierenden Instabilitäten aufgefallen. Vereinzelt gab es aber kleinere „Hänger“ bei den Remix FX unter Verwendung der Logic Remote, aber insgesamt macht das große 10.5er Update einen stabilen Eindruck, was sowohl die Arbeit an neuen als auch älteren Projekten (<10.5) betrifft.

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