Workshop
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27.05.2019

Limiter und Loudness Maximizer im Stereo-Bus? Pro und Contra

Die wichtigsten Argumente für und gegen die Mix-Bearbeitung der Stereosumme

Workshop: Master-Channel-Mix unter der Lupe – Teil 4

Ein Limiter kann euren Mix nicht nur auf das nächste Level in Sachen Lautheit hieven, sondern eure hart erarbeitete Mischung auch regelrecht zerstören. Deshalb können wir unsere Reihe über Insert-Effekte im Master-Bus unmöglich ohne die Frage zu Ende gehen lassen, ob/wann/wie ihr Limiter und Loudness Maximizer beim Abmischen einsetzen solltet.

Limiter in der Stereosumme: Die Lage

In Zeiten opulent eingerichteter Homestudios, leistungsfähiger DAWs und zahlreicher Online-Plattformen, die Musikstreaming anbieten, möchte so mancher sein eigenes Mastering durchführen. Warum also nicht gleich beim Mixing einen Psychoakustik-Limiter im Stereo-Bus einsetzen und für ordentlich Dampf sorgen? Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn jeder der verschiedenen Anbieter hat seine ganz eigene Herangehensweise, die Lautstärke und die Dynamik des eingereichten Musikmaterials auf ein vergleichbares Niveau zu bringen. Während der eine Anbieter das Signal komprimiert, senkt der andere schlichtweg den Gesamtpegel des Materials ab.

 

Limiter in der Stereosumme: Das Problem

Damit stoßen wir auch schon auf das zentrale Problem des Limiter-Einsatzes im Master-Bus. Sorgt ihr dafür, dass ihr die Lautheit eures Materials zu stark erhöht, wird es auf so manchen Online-Plattformen deutlich leiser wiedergegeben als von euch angeliefert. Je nachdem, wie stark die Dynamik dabei nachträglich gestaucht wird, fehlen dem Song dann vor allem die Transienten, für die eigentlich noch ganz locker Headroom vorhanden gewesen wäre. Die Wahrheit liegt also – wie so oft – auch hier in der goldenen Mitte.

Mein Vorschlag lautet, dass ihr durchaus einen Limiter als letztes Insert-Plug-in in eurem Master-Bus einsetzen solltet, euren Begrenzer allerdings nicht völlig frei ans Werk gehen lasst, sondern ein paar gezielte Entscheidungen dazu trefft. Sofern ihr bis an die 0dBFS-Grenze heran mischt, ist es vorteilhaft, wenn ihr einen Limiter als radikalen Pegelbegrenzer nutzt, der die Signalspitzen oberhalb eines bestimmten Limits herunterregelt, aber die Lautheit eures Audiomaterials intakt lässt. Das mit Cubase ausgelieferte Limiter-Plug-in bietet beispielsweise ein Preset mit dem Namen „Protection Limiter“. Mit diesem Preset betrieben, müsst ihr nur noch den Schwellenwert des Limiters auf den gewünschten Pegel einstellen, und schon habt ihr ein erstklassiges „Sicherheits-Tool“.

 

Limiter in der Stereosumme: Praxis-Tipps

Eine sinnvolle Justierung für einen solchen Peak Limiter liegt bei -0,3 dBFS. Begrenzt ihr die Pegelspitzen auf dieses Maß, vermeidet ihr in jedem Fall digitales Clipping durch sogenannte Intersample Peaks – das sind Signalspitzen, die bei der D/A-Wandlung von Signalen durch Interpolation auftreten können. Besser ist es selbstverständlich noch, wenn ihr bereits in eurem Mix dafür sorgt, dass die einzelnen Signale diesen Pegelbereich erst gar nicht erreichen. Das gilt insbesondere für die Transienten von Drums, Percussion und dergleichen, die ihr wunderbar per Kompression und Automation einfangen könnt.

Falls ihr separate Musikstücke für die Wiedergabe auf einer bestimmten Online-Plattform mischt, kann es außerdem sinnvoll sein, zu berücksichtigen, welche Kompressionspraxis dort gepflegt wird. In der Regel sollten bei den für Dienste wie Spotify, YouTube & Co. angelieferten Dateien keine Peaks oberhalb von  1 dBFS liegen. So verhindert ihr, dass die Dynamik eurer Songs durch den jeweiligen Anbieter nachträglich stark heruntergeregelt werden. Die Folge ist sonst, dass eure Tracks leiser wiedergegeben werden als andere.

Sofern ihr aber mehrere Songs abmischt, die zusammengehören (etwa ein Album oder eine EP), solltet ihr beim Mixen insbesondere auf einen beherzt zupackenden Limiter oder Loudness Maximizer verzichten. Andernfalls wird es in vielen Fällen später nahezu unmöglich, in einer songübergreifenden Mastering-Session die Dynamik der verschiedenen Tracks komfortabel anzugleichen. Dabei ist es ganz gleich, ob ihr das selbst ausführt oder einen externen Mastering-Engineer beauftragt. Arbeitet ihr mit einem eher unauffällig agierenden Protection Limiter, dann ist der beste Tipp, den ich euch geben kann, bereits während des Mixens mit dem Schwellenwert des Pegelbegrenzer-Limiters im Hinterkopf zu arbeiten, diesen aber erst nach Fertigstellen des Mixes einzuschalten. E r arbeitet dann nur für den Fall, dass euch die eine oder andere Signalspitze durch die Lappen gegangen sein sollte. Ganz gleich aber, welche Art Pegelbegrenzung oder Lautmacher ihr einsetzt, sollte ein Limiter das letzte Glied der Insert-Kette bilden. Andernfalls wäre der sorgsam eingerichtete Pegelspitzenschutz wirkungslos.

Ein klein wenig aufwändiger ist mein nächster Tipp. Sofern ihr mit einem Loudness Maximizer arbeitet, um den Sound der „großen weiten Welt“ bereits während der Abmischung anzutesten, solltet ihr euch ein entsprechendes Monitoring-Setup einrichten. Ihr könnt beispielsweise am Regler eurer Monitor-Lautstärke zwei Markierungen an den beiden Positionen anbringen, an denen die empfundene Wiedergabelautstärke mit und ohne aktivierten Loudness Maximizer in etwa gleich ist (Das lässt sich mit einem Pegelmessgerät an der Abhörposition überprüfen.). Durch die Markierungen am Regler könnt ihr zwischen „reinem Mix“ und „Home-Mastering“ hin und herschalten. Bricht die Ausgewogenheit der Mischverhältnisse eures Mixes bei der einen oder anderen Wiedergabevariante zusammen, solltet ihr nochmal in Klausur gehen und eine weitere Mix-Session einberufen. Habt ihr dagegen einen ausgewogenen Mix am Start, wird der Einsatz von Limiter und Loudness Maximizer optimalerweise kaum das Balancing der Tracks verändern.

Welche Limiter sind angesagt?

Neben den Bordmitteln gängiger DAWs zählt der UAD Loudness Maximizer wohl zu den beliebtesten „Lautmachern“ im Master-Bus. Auch Slate Digital haben mit dem FG-X ein Mastering-Plug-in im Programm, das sich in der Stereosumme gut macht. Es besticht vor allem durch seinen transparenten Sound. Aber auch mit Freeware könnt ihr im Bereich Limiting und Loudness Maximizing schon Einiges erreichen. So findet sich das VST-Plug-in LoudMax des unabhängigen Entwicklers Thomas Mundt mittlerweile im Arsenal vieler DAW-Mixer und auch der W1 Limiter von George Yohng ist ein häufig eingesetztes Tool. Er gilt als besonders sanft agierender Pegelbegrenzer. Beide Plug-ins sind übrigens als 64-Bit-Variante verfügbar.

Wie sind eure eigenen Erfahrungen mit Limiter und Loudness Maximizern im Stereo-Bus?

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