Mikrofon
Test
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04.01.2011

Lauten Oceanus LT-381 Test

Großmembran-Röhren-Kondensatormikrofon

Kompakt ist anders

Es gibt Hersteller, die das Äußere ihrer Produkte eher mit einem konsequenten Understatement designen. Dazu gehört die im kalifornischen San José ansässige Firma „Lauten“ ganz sicher nicht. Mit dem Oceanus möchte man offenbar gleich signalisieren, dass einen Großes erwartet – eben getreu der amerikanischen Devise „think big“. Diesem Grundsatz schließt sich auch die Tatsache an, dass dieses Röhrenmikro gleich zwei Glaskolben beinhaltet. Doch da wir uns bei bonedo ja nicht von solch profanen Äußerlichkeiten blenden oder gar beeinflussen lassen, musste auch unser Goliath im Test zeigen, ob er tatsächlich zu den „Großen“ zählt.

Waren wir uns beim Test im Studio noch nicht ganz sicher, ob sich der Name „Lauten“ nun englisch oder deutsch ausspricht, bin ich mir nach kurzer Recherche nun sicher, dass man mit der deutschen Variante definitiv nicht falsch liegt. Der Name Lauten ist nämlich vom Nachnamen des Gründers Brian A. Loudenslager abgeleitet, der eigentlich mal Lautenschlager war, durch jahrelange falsche englische Aussprache aber zu Loudenslager wurde. Ihr könnt mir noch folgen...? Der Name Lautenschlager tauchte erstmals 1552 in Gunterfurst, Erbach, Hessen (Good Old Germany!) auf und hat eine grundmusikalische Basis, gemeint war nämlich der Lautenspieler. So, hätten wir das also auch geklärt und können uns nun mit „Lauten und Trompeten“ dem eigentlichen Test widmen.

Details

GROSS-Membran Mikrofon

Als uns das Oceanus LT-381 erreichte, dachte ich zuerst, der nette Paketzusteller hätte den falschen Karton aus seinem Auto ausgeladen. Ich habe doch ein (!) Mikrofon geordert und nicht ein ganzes Set oder ein kleines Mischpult! Die Dimensionen des Pakets ließen aber eben nicht unbedingt auf ein Mikro schließen, sodass ich sofort den Absender kontrollierte. Ok, stimmt, hier steht der deutsche Lauten-Vertrieb, das wird wohl seine Richtigkeit haben. Also dann, danke lieber Paketmann! Nach dem Öffnen der Kartonage kommt aber tatsächlich nur ein großer Alu-Koffer zum Vorschein, der von seinem Volumen her auch locker mal für einen Kurztrip als „normaler Koffer“ zweckentfremdet werden könnte. Und wie es sich für einen vernünftigen „Reisekoffer“ gehört, ist auch das Lauten-Behältnis mit zwei Zahlenschlössern ausgestattet.

Mit zwei Röhren röhrt es sich besser

So, jetzt aber endlich die beiden Verriegelungen öffnen und ins Innere des Silberkastens schauen. Klack, klack...offen. Und siehe da, nicht wie sonst häufig üblich, viel Umverpackung um wenig Inhalt, hier erwartet einen „pralle Einlage“. Der Koffer beherbergt neben dem Mikrofon, das zusätzlich in einer edlen Holzschatulle steckt, ein Speisenetzteil nebst Stromkabel, eine Spinnenhalterung sowie ein 7-poliges XLR-Kabel.

Beim Oceanus handelt es sich um ein Doppelgroßmembran-Röhrenkondensatormikrofon – welch geschmeidiges Wort, ungefähr so wie „Eiersollbruchstellen-Verursacher“. Die Besonderheit bei diesem Mikro ist jedoch, dass hier gleich zwei Röhren im Inneren ihren Dienst verrichten. In der Eingangsschaltung sitzt eine Pentode, ausgangsseitig wartet statt eines Übertragers (Trafo) eine Triode auf das Signal. Lauten haben hier noch einen weiteren Elektrik-Trick auf Lager – die Pentode ist nämlich wie eine Triode beschaltet. Dadurch möchte  man unter anderem ein verbessertes Rauschverhalten erreichen, da eine Pentode eine höhere Ausgangsspannung abgibt als eine Triode. Die Entscheidung für eine zweite Röhre statt einer Trafo-Schaltung kann man natürlich auch elektrotechnisch erläutern (ebener Frequenzgang, verbessertes Impulsverhalten, etc.), doch man kann es auch unter klangästhetischen Aspekten sehen, denn Röhrenverzerrungen werden definitiv als angenehmer und harmonischer empfunden als selbige eines Transformators. Im übrigen „färben“ zwei Röhren auch noch mal mehr als eine, und ich denke nicht, dass man mit dem Oceanus ein neutral klingendes Mikrofon schaffen wollte. Somit wirft man hier von Anfang an eben gleich noch ein bisschen mehr in die Waagschale.

Alles ein bisschen größer und von allem ein bisschen mehr

Apropos Waagschale, hier landen nicht nur soundspezifische Eigenschaften drin, sondern auch pures Material. Das LT-381 bringt nämlich die stolzen Maße 8,9 x 19,05 x 9,1cm und ein Gewicht von knapp 1,3 kg mit sich – hier sollte man schon einen etwas massiveren Mikrofonständer (z.B. Overhead-Stativ mit Gegengewicht) in Betracht ziehen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Die Verarbeitung des Mikrofon-Körpers entspricht Größe und Gewicht und kann definitiv als massiv und solide bezeichnet werden. Hier wackelt und rappelt wirklich nichts – die Verschraubungen am Body wurden mit Inbus-Schrauben realisiert, der Mikrofonkorb ist sauber eingepasst und besteht aus massivem Drahtgeflecht, die 7-polige XLR-Buchse wurde fest verschraubt und ist von einem langen, sauber geschnittenen Gewinde umgeben, um das Mikro fest mit der Spinnenhalterung zu verbinden. Die Rückseite des Mikros ziert ein schwarzer Kühlrippenkörper, denn zwei Röhren entwickeln natürlich auch ein bisschen Wärme – so wirkt das Oceanus wie ein kleines Kraftwerk. Hinter dem Mikrofonkorb schimmert die goldbedampfte Doppel-Großmembran durch, die mit 16 Kreuzschlitzschrauben pro Seite eingespannt wurde. Natürlich hat man auch das Wort „Großmembran“ im Hause Lauten wirklich wörtlich genommen. Normalerweise haben wir es ja mit 1“-Membranen bei dieser Mikrofongattung zu tun, beim Oceanus lautet das Maß aber 1,23“ (31,25 mm). Alles eben ein bisschen größer und von allem ein bisschen mehr – und das natürlich konsequent. Die elastische Spinnenhalterung ist bei solch einem Boliden natürlich eine Vollmetallkonstruktion und verrichtet treue Dienste. Das Gelenk ist mühelos so festzuziehen, dass die 1,3 Kilo sicher in Position bleiben.

Der Bolide kommt mit einem massiven Netzteil

Schauen wir uns das Netzteil mal genauer an. Auch hier hinterlässt das Stahlblechgehäuse einen grundsoliden und massiven Eindruck. Auf der Vorderseite finden wir zwei XLR-Buchsen – eine 7-polige, um das Mikrofon anzuschließen, und eine 3-polige, um das Signal ans Mischpult oder einen Preamp weiterzuleiten. Oberhalb dieser Anschlüsse sitzt ein großes Rasterpoti, um die Richtcharakteristik einzustellen. Hier stehen mit Kugel, Niere, Acht und sechs Zwischenpositionen insgesamt neun Pattern zur Verfügung. Ich persönlich frage mich an solchen Stellen zwar immer, wer unbedingt sechs „Zwischen-Nieren“ benötigt, aber lassen wir das mal dahingestellt sein. Die Rückseite beherbergt den Netzanschluss nebst Power-Schalter.

Der Frequenzgang ist mit den obligatorischen 20 Hz - 20 kHz angegeben, der Dynamikumfang mit mind. 100 dB, der maximal verträgliche Schalldruckpegel mit 120 dB(SPL) (THD: 0,5%@1kHz), der äquivalente Eigengeräuschpegel mit <20 dB(A) und die Empfindlichkeit mit 16 mV/Pa.

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