Test
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26.09.2013

Lauten Atlantis FC 387 Test

Umschaltbares Großmembran-Kondensatormikrofon

Drei Mikrofone in einem?

Wir haben das Lauten Atlantis FC 387 zum Test im Studio gehabt. Das geradezu gigantisch große Studiomikrofon kommt mit einer Besonderheit: Umschaltbarkeit. Dies wäre nun nichts besonderes, wenn sich nur die Richtcharakteristik umschalten ließe. Es ist aber zusätzlich die Klangcharakteristik, welche sich an dem Mikrofon auswählen lässt, was laut Hersteller besonders bei der Aufnahme von Vocals vorteilhaft sein soll – und auf diesen wichtigen Signaltyp wurde das Mikrofon optimiert.

„Lauten“ wird übrigens zwar nicht deutsch ausgesprochen, ist aber dennoch ein Verweis auf den deutschen Ursprung des Familiennamens des Firmengründers Brian A. Loudenslager. „Lauten“ ist also kein aus der Luft gegriffener Familienname; „laut“ ist zudem ja nicht per se ein schlechtes Attribut, wenn es um Klang geht (Einer der schönsten – wenn auch recht ignoranten – Sprüche diesbezüglich ist auf Motörhead-T-Shirts zu lesen: „Everything louder than everything else“.). Ein Ansatz bei der Planung und Herstellung eines Mikrofons ist es, ein möglichst flexibles Werkzeug zu schaffen, welches unterschiedlichsten Signalen möglichst gut gerecht wird. Eine dünne, weibliche, gehauchte Fistelstimme ist nun mal etwas anderes als beispielsweise Lemmy Kilmisters Reibeisenstimme – und nicht so laut.

Details

Monstermembrane

Die Entwicklung des Atlantis geschah in Zusammenarbeit mit Prouzent Fab Dupont (u.a. Jennifer Lopez, Shakira), welcher ein hochwertiges, vielseitiges Mikrofon erschaffen wollte. Die beiden dazu nach Braunmühl-Weber-Manier verbauten Kapseln sind wie im von uns bereits getesteten Lauten Oceanus riesig: Die Membran misst jeweils majestätische 31,25 Millimeter im Durchmesser. Dadurch wird Performance in den Höhen prinzipiell genau so schwierig wie die flotte Reaktion auf Änderungen im Druckgradienten. Durch die große bewegte Membranfläche kann von den Kondensatorkapseln ein größerer Spannungsunterschied abgegriffen werden. Am Output des Atlantis ist es jedoch mit 16 mV/Pa eher ein geringer Wert für ein Großmembran-Mikro – hier haben aber die Elektronik und vor allem die Übertrager ein Wörtchen mitzureden. Mit 12 dB(A) bewegt sich das Eigenrauschen in angemessenem Rahmen. Es darf gebrüllt werden, ohne dass die Verzerrungen überhandnehmen: 0,5% THD ist bei 130 dB(SPL) erreicht. Und bezüglich des Pegels haben wir hier eine Besonderheit: Neben 10 dB Vordämpfung kann auch ein Boost von 10 dB ausgewählt werden. Es ist jedoch fraglich, ob sich dahinter nicht einfach ein „umgelabeltes“ 0/-10/-20dB-Pad versteckt. Das Signal der rückwärtigen Membran kann mit einem kleinen Schalter mit vollem Pegel mit dem der vorderen gemischt werden, bei wählbarer Polarität. Einfacher ausgedrückt: Man kann zwischen den Richtcharakteristiken Kugel, Niere und Acht wählen.

N, F oder doch lieber G?

Ein mit diesen drei Buchstaben versehener Schalter ist definitiv ein Unikum an einem Mikrofon – und beileibe nicht selbsterklärend. Wie im Eingangstext angemerkt, kann mit diesem kleinen Schiebeschalter die Klangcharakteristik gewählt werden, die Buchstaben stehen dabei für „Neutral“, „Forward“ und „Gentle“, wobei letztgenannter Modus zumindest bei der Vorstellung des Atlantis für die Öffentlichkeit noch „Mellow“ genannt wurde. Die Begriffe sagen es schon, „Forward“ soll die Stimme präsenter, konkreter, greifbarer machen, „Gentle“ das Gegenteil: In diesem Setting werden Hochmitten und Höhen zurückgefahren, das Signal wird sanfter und verhaltener.

Brian Loudenslager und sein Engineer Charles Chen haben mir die Funktionsweise des Schalters bestätigt, die ich während des ersten Tests angenommen habe: Das gemischte Signal beider Kapseln (also Kugel, Niere oder Acht) wird in drei wählbare EQ-Schaltungen geführt. Das ist jetzt nicht per se eine „billige“ Lösung, denn es ist nicht unüblich, den Frequenzgang eines Kapselsignals im Mikrofonverstärker zu verändern. Und so trivial ist es ja auch nicht: Es spielen sowohl Impedanzen als auch Phasenlagen eine Rolle. So wird eine Änderung im Frequenzband auch dadurch erzielt, dass die Ausgangsimpedanzen der jeweiligen Schaltungen unterschiedlich sind, die Eingangsimpedanz der nachfolgenden Stage aber natürlich gleich bleibt. Zudem sorgt der Phasenfrequenzgang eines Signals immer auch für zu beachtende Effekte im Zusammenspiel mit anderen Signalen. Das lässt sich allerdings nicht vorherbestimmen, doch sollte man sich bewusst sein, dass unterschiedliche (oder auch unterschiedlich eingestellte) EQs extreme Veränderungen bezüglich der „Mixability“ eines Signals haben können. Vor diesem Hintergrund ist es also schon irgendwie schade, dass man sich beim Atlantis schon vor der Aufnahme festlegen muss.

Kein Hochpassfilter

Linearität ist für gewöhnlich sowieso nicht die Sache eines Großmembranmikrofons, erst recht also nicht die eines „Größtmembranmikrofons“. Verwunderlich ist es demnach nicht, dass die grafischen Frequenzgänge für die neun unterschiedlichen Settings (drei Richtcharakteristiken mal drei Klangcharakteristiken) aussehen wie die Gebirgszüge der Hochgebirge unseres Planeten in der Profilansicht. Für alle gilt jedoch, dass es eine breite Verringerung des Pegels mit der Mitte bei etwa 0,5 kHz gibt, eine entsprechende Erhöhung im Bereich unter 100 Hz, also unter dem Grundtonbereich der meisten Sänger! Wem das klanglich beziehungsweise technisch nicht passt, der kann mit einem Hochpassfilter frühestens am Mic-Pre dagegenhalten, denn das Mikrofon selbst verfügt über kein Filter.

Sicher nicht zuletzt aufgrund der großen Membran vollführt der Frequenzgang einen rapiden Absturz oberhalb von spätestens 15 kHz. Klanglich nicht weniger wichtig: Das Mikrofon verwendet einen Feldeffekttransistor und einen speziell angefertigten Ausgangsübertrager. Diese Bauteile haben zwar nicht per se eine bestimmte Klangkomponente zur Folge, machen sich bei manchen Mikrofonen aber deutlich auf die eine oder andere Art und Weise bemerkbar.

Das Lauten Atlantis FC 387 kommt übrigens mit einer ebenfalls groß dimensionierten Spinne in einer schönen Holzkiste – und einem samtenen Staubschutztuch.

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