Gitarre Hersteller_Laney
Test
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22.04.2013

Laney Ironheart IRT-Studio Test

Vollröhren Gitarrentopteil

Rack-ete?

Das Laney Ironheart IRT-Studio Topteil im bonedo Test – Nachdem Laney in seiner Ironheart-Topteilserie mit 120, 60 und 15 Watt drei unterschiedliche Größen vorgestellt hatte, kommt jetzt ein speziell für den Studioalltag konzipiertes weiteres Modell im 19“ Format auf den Markt, das zwischen 15 und 1 Watt umschaltbar ist. Neben einem eingebauten Dummy Load, das den Anschluss einer Box überflüssig macht, fällt einem vor allem der USB-Ausgang und die damit verbundene Reamping-Funktion ins Auge. Ein USB-Ausgang an einem Vollröhren-Gitarrentopteil? Das ist für mich Neuland und könnte sich als sehr praktisch fürs Projektstudio oder mobiles Recording erweisen.

Wer also unterwegs ein paar coole Riffs mit echtem Vollröhrensound schnell noch in seinen Laptop spielen will, bräuchte jetzt nicht einmal mehr ein Audio-Interface dabeizuhaben! Neben diesen neuen Funktionen verspricht Laney in seiner Studiovariante den schon von den anderen Modellen bekannten, auf drei Kanälen aufgebauten „crushing Ironheart tone“. Ich bin gespannt!

Details

Gehäuse / Optik:

Mit 5,5 Kilo ist Laneys IRT-Studiotopteil im Gegensatz zu sonstigen Topteilen sehr leicht ausgefallen. Das Gerät macht einen robusten und hochwertigen Eindruck und ist sauber verarbeitet. Zwei Griffe an der Front sollten die Rackmontage erleichtern, ansonsten sorgen vier Gummifüße für rutschfesten Stand. Das Design ist, wie auch bei den Ironheart-Geschwistern, eher schlicht in Schwarz mit weißer Schrift gehalten. An allen Seiten des Gerätes befinden sich Schlitze zur Belüftung, oben kommt noch ein Gitter hinzu, welches einen Einblick auf die beiden EL 84 Endstufenröhren erlaubt. Die Potis liegen gut in der Hand und machen einen wertigen Eindruck, die Regler der beiden EQ-Sektionen verfügen zusätzlich über eine Push/Pull-Funktion, die im herausgezogenen Zustand farblich rot und dadurch gut sichtbar gekennzeichnet ist.

Schaltet man das Gerät an, leuchtet es Rot im Inneren und das Design wird, wie ich finde, geschmackvoll abgerundet. Betrieben wird das Topteil mit drei ECC 83 Vorstufen- und den schon erwähnten zwei EL 84 Endstufenröhren. Der von Laney designte Hall ist digital. Mitgeliefert werden eine praktische Hülle und ein Fußschalter mit passendem Anschlusskabel, ein USB-Kabel gehört leider nicht zum Lieferumfang.

Bedienfeld:

Beim Anschluss des Gitarrenkabels hat man die Wahl zwischen einem 15 Watt und einem <1Watt Eingang. Zweiter ist sehr praktisch, will man auch schon bei geringeren Lautstärken, z.B. im Heimstudio, den gewünschten Röhrensound erzeugen.

Der IRT-Studio verfügt über drei Kanäle, die in Clean, Rhythm und Lead unterteilt sind. Clean und Rhythm müssen sich eine EQ-Sektion teilen, und während der Clean-Kanal in puncto Lautstärke und Sound über einen Volumenregler verfügt, hat man dem Rhythm-Kanal zusätzlich zum Volume- noch einen Gainregler spendiert. Die EQ-Sektionen für Clean/Rhythm und Lead sind klassisch in Bass, Middle und Treble unterteilt, haben aber durch ihre Push/Pull-Funktion klanglich noch ein Ass im Ärmel, dass von Laney folgendermaßen beschrieben wird:

Die Push-Funktion im Bassbereich vergrößert das Frequenzband mehr in Richtung Tiefen und gibt dem Sound, wenn gewünscht, noch mehr Low End. In den Mitten wird der Frequenzbereich verschoben und etwas eingeschränkt und soll diese so „tighter“ machen. Der obere Frequenzbereich wird erweitert und soll dünn klingenden Pickups in den Höhen ein runderes Klangbild verleihen. 

Der Lead Channel ist genau so aufgebaut wie der Rhythm Channel. Darüber hinaus gibt es für alle drei Kanäle einen Pre-Boost, der den jeweiligen Kanal noch einmal extra anfahren kann. Rechts der EQ-Abteilung finden wir neben dem Regler für den schon erwähnten digitalen Hall noch die zwei Einstellungsmöglichkeiten Tone und Dynamics, die sich auf den Gesamtklang auswirken. Mit dem Dynamics Poti lässt sich der Bassbereich zusätzlich beeinflussen. Dreht man es auf, werden die Bassfrequenzen ein wenig gepusht – im niedrig gehaltenen Zustand soll der Bass etwas kompakter wiedergegeben werden. Der Tone-Regler kontrolliert am Ende der Signalkette noch einmal die Höhen, die dort zusätzlich angehoben oder abgesenkt werden können. Diese beiden separaten Funktionen sollen der Anpassung des Gesamtklangs an verschiedene Boxentypen und Raumumgebungen dienen und sind somit eine sehr praktische Ergänzung.

Rückseite:

An der Rückseite des IRT-Studio befinden sich einige Anschlussmöglichkeiten mehr, als man das von „normalen“ Topteilen gewohnt ist. Den Anfang macht auf der linken Seite ein DI-Ausgang, der durch einen Schalter mit einer internen Speakersimulation belegt werden kann, daneben die USB-Sektion, über die zwei Signale in den Rechner geschleust werden. Das erste Signal im linken Kanal umgeht den Ampsound und ist somit „trocken“, wobei seine Lautstärke über einen kleinen Gainregler justiert wird, der rechte Kanal beinhaltet das komplette Ampsignal inklusive Speakersimulation, wenn diese aktiviert ist. Falls man im Nachhinein mit einer Ampeinstellung beim Aufnehmen nicht zufrieden war, kann man die aufgenommene Gitarrenspur über die USB-Verbindung wieder an den Verstärker zurücksenden, am Re-Amp-Send abgreifen und über den Eingang des Amps erneut durch Vor- und Endstufe schicken. So lässt sich dieses Signal korrigieren, bei Bedarf mit Effekten versehen und noch einmal über den USB-Ausgang aufnehmen. So verspricht es zumindest Laney, aber mehr dazu später im Praxisteil!

Da der Verstärker einen eingebauten Dummy Load besitzt, ist auch der Betrieb ohne angeschlossene Lautsprecher möglich. Deshalb ist ein Kopfhörerausgang eine durchaus sinnvolle Einrichtung, mit deren Hilfe man selbst ungestört üben bzw. seine Umgebung lautstärkemäßig außen vor lassen kann. Die Stärke des Kopfhörersignals wird über ein Poti angepasst, außerdem steht zur Wahl, ob als Quelle das Stereo-USB-Signal oder das des Amps dienen soll. Wer möchte, kann den Phone-Ausgang auch als DI-Out verwenden.

Schon fast logisch, dass Laney hier die Möglichkeiten ausreizt und dem IRT Studio auch einen AUX-In im Stereo-Miniklinken-Format zum Anschluss eines Audio-Players spendiert. Da der Aux In vor der Endstufe sitzt, wird sein Signal auch an den DI Out sowie den Phone Out weitergegeben. Die Lautstärke muss allerdings mit dem angeschlossenen Player kontrolliert werden.

Die folgende FX-Sektion liegt im Schaltkreis vor dem Aux-In, beeinflusst also dessen Signal nicht. Neben den für einen FX-Loop obligatorischen Send- und Return-Buchsen dient ein kleiner Schalter mit den Einstellungen -10db, 0db und Bypass der Anpassung verschiedener Effektgeräte bzw. nimmt den Einschleifweg aus dem Signalpfad. Die daneben positionierte fünfpolige Buchse wartet auf den mitgelieferten Fußschalter, über den die Kanäle, der Pre Boost sowie der Reverb aktiviert werden. Ganz rechts beschließt der  Boxen-Ausgang die Reihe der Anschlussmöglichkeiten, bei dem per Schalter die Impedanz zwischen acht oder 16 Ohm gewählt werden kann.   

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