Test
2
07.11.2020

KRK Rokit RP10-3 G4 Test

Aktive Near-/Midfields mit drei Wegen

Drei Wege für ein Halleluja

Die preiswerte KRK-Rokit-Serie ist mittlerweile in der vierten Gerätegeneration. Und auch das Dickschiff der Reihe, der Dreiwege-Monitor KRK Rokit RP10-3 G4 ist upgedatet worden – wie das „G4“ hinter der Produktbezeichnung zeigt. RP5 und RP7 Generation Nr. 4 der erfolgreichen Boxenserie haben wir schon getestet, nun ist auch der Nachfolger der RP10 G3 an der Reihe.

Details & Praxis

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich einiges verändert, manches ist aber bei der KRK Rokit RP10-3 G4 wie beim Vorgängermodell. Gleich geblieben sind trotz aufgeräumterer Frontpartie das Gehäusekonzept des Front-Ported-Chassis sowie das Bestückungsprinzip. Der 10“-Woofer ist namensgebend, der Mittelton wird von einem 4,5“-Konus wiedergegeben. Als Hochtöner kommt weiterhin eine 1“-Kalotte zum Einsatz, die jedoch nun auch das gelbe Membranmaterial Glas-Aramid mit den anderen Treibern teilt. Die Hoch-Mitteltoneinheit ist in beide Richtungen um 90 Grad drehbar, um eine vertikale wie beidseitig horizontale Ausrichtung des Studiolautsprechers zu ermöglichen. Alle drei Schallwandler werden separat und nach der Weiche verstärkt („Tri-Amping“), allerdings nun mit Class-D-Leistungsverstärkern. Insgesamt stehen 300 Watt zur Verfügung, den maximalen Schalldruckpegel geben KRK mit 112 dB SPL an, den Frequenzgang der Rokit RP10-3 G4 mit 26 Hz – 40 kHz.

Die Rückseite des in China gefertigten Monitors lässt Änderungen zur G3 erkennen. So wird der Input über eine XLR/TRS-Combobuchse erledigt, die Aufstellungsanpassung übernimmt ein DSP-gestütztes System, welches mit Display und Bedienrad eingestellt werden muss und weniger Freiräume bietet, als es zunächst den Anschein macht. Die Vor- und Nachteile sind in den Reviews von RP5 und RP7 schon genannt. Ich kann mich der Meinung unseres Testers anschließen und finde blind einstellbare Schaltfunktionen sinnvoller oder erwarte eine tiefere Eingriffsmöglichkeit, als die Rückseite zunächst suggeriert. Die beschauliche Wahlmöglichkeit an Filterungen wird manchem Käufer vielleicht erst klar werden, wenn er die Monitore aufgestellt hat und die Funktionalität einer umfangreicheren DSP-Steuerung erwartet.

Die Speaker spielen generell recht pegellinear, es ist dafür aber notwendig, sie nicht im absoluten Nahbereich zu betreiben. Darunter sind bei vertikaler und horizontaler Veränderung der Hörposition Klangfarbenänderungen bemerkbar – egal, wie sie ausgerichtet sind. In der KRK Rokit RP10-3 G4 fällt nicht nur optisch der zusätzliche Mitteltöner auf, sondern auch klanglich. Die Auflösung ist außerordentlich gut für einen Dreiwegelautsprecher dieser Preisklasse. Stimmen lassen sich dadurch gut pegelmäßig im Mix gegenüber anderen Signalen positionieren. Auch im Höhenreich performt der große Lautsprecher gut. In einem Bereich zwischen den Lautsprechern, der gerne etwas größer sein dürfte, spielen die RP10-3 mit recht feiner Zeichnung und ohne auffallende Schrillheit und Biss. Lediglich außerhalb des Sweet Spots wird die Wiedergabe im Spektrum etwas unregelmäßig, aber auch das ist nichts, was wirklich als problematisch zu bezeichnen wäre. Absolut erwachsen kommt der Bass daher. Schwammig ist er in keinem Fall, sondern schnell und präzise. Ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist der Tiefgang, denn auch noch im Subbass produziert der Studiomonitor ordentlich Pegel. Insgesamt ist der Bass bei normalen Aufstellungsorten (also nicht zu nah an der Wand) nicht übertrieben im Pegel. Ein Unterschied zu hochwertigeren Lautsprechern diese Bauart und -größe ist aber, dass dort der Subbass linearer ist und eine bessere Pitchkontrolle zulässt. Bei den KRK Rokit RP10-3 G4 wirkt er etwas im Spektrum angesetzt und nicht so sensitiv bezüglich Tonhöhen. Der absolute Tiefbass leistet nicht die Trockenheit, die der wichtigere Bereich zwischen 50 und 150 Hz liefert. Man darf aber bei dem Ansatz von Kritik nicht vergessen, dass wir es hier mit einem der preiswertesten Aktivlautsprecher dieser Größe und Bestückungsart zu tun haben. Dementsprechend kann man auch Bühnentiefe und Ortungsschärfe ordentliche Noten geben. Sinnvoll ist es auch hier, einen Abstand von über einem Meter zu den Speakern zu wählen, um ein klares Bild zu erhalten. Besonders die Bildmitte ist dann schön weit vorne positioniert, tiefer im Mix liegende Signale lassen sich auch noch gut erkennen. Für einige User nicht unwichtig ist, dass die RP10-3 der vierten Generation sehr hohe Pegel generieren können, bevor sie das Signal verflachen und sich das Ported-System im Bass zu verschlucken beginnt.

Fazit

Wer auf einen großen Speaker angewiesen ist, weil dieser in einem größeren Raum und mit größerem Abstand betrieben werden soll, ist mit den KRK Rokit RP10-3 G4 gut beraten. Natürlich gibt es für mehr Geld Lautsprecher, die klanglich in vielen Belangen mehr liefern, doch die Tatsache, dass recht detaillierte Mitten und Höhen mit einem tiefen und recht trockenen Bass auch noch bei hohen Pegeln gut funktionieren, ist doch erstaunlich. Und besonders, wer hochwertige Nahfeldmonitore besitzt und es dann und wann zum „Belohnungshören“ etwas krachen lassen will, hat mit diesen Dreiwegelautsprechern die preiswerte Möglichkeit – und den entsprechenden Look gleich dazu. Die DSP-Steuerung halte ich für einen konzeptionellen Rückschritt, der nicht notwendig gewesen wäre. Alles in allem liefern die KRK Rokit RP10-3 G4 aber ein erstaunliches Preis-Leistungsverhältnis.

  • Pro
  • gute Auflösung
  • breiter Frequenzgang
  • flexible Aufstelmöglichkeiten
  • für Größe und klangliche Eigenschaften preiswert
  • Contra
  • DSP und Display kein Fortschritt zu G3
  • Features & Spezifikationen
  • Aktive Studiomonitore
  • 3 Wege
  • 10”-Tieftöner
  • 4,5"-Mitteltöner
  • 1”-Hochtöner
  • alle Treibermembranen aus Glas-Aramid-Verbundmaterial
  • Tri-Amped Class-D Endstufe 300 Watt
  • Digitaler EQ mit 25 Presets
  • Limiter
  • Frequenzbereich: 26 - 40000 Hz
  • Preis (Stück): € 459,– (Straßenpreis am 7.11.2020)

Verwandte Artikel

User Kommentare