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Test
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06.10.2017

Praxis

Nach wenigen Sekunden ist das G1 Air spielbereit. Zum Ausschalten muss man den Taster länger gedrückt halten. Es gibt auch eine Energiesparfunktion, die das Gerät nach einer einstellbaren Zeit der Nichtbenutzung automatisch abschaltet. Das Lautsprechersystem ist sehr kraftvoll und klingt ausgewogen. Ich habe den Lautstärkeregler nie weiter als zur  Hälfte aufgedreht. Da ist noch viel Reserve. Es rauscht nichts, es ist, als säße man an einem akustischen Instrument!

Bei einem Digitalpiano muss zur der Bewertung des Klangs immer auch die Umsetzung  desselben auf der Tastatur untersucht werden. Was nützt der tollste Klang, wenn man ihn nicht ausdruckstark spielen kann? Hier muss ich dem G1 Air hervorragende Noten geben. Die Abstimmung zwischen der RH3-Tastatur und den Klaviersounds ist meisterhaft gelungen. Das Spiel auf der realistischen Hammermechanik befähigt den Pianisten kleinste Nuancen im Spiel umzusetzen. Es macht wirklich viel Spass zu spielen, weil man das Gefühl hat, an einem echten Flügel zu sitzen. Dadurch, dass drei verschiedene Konzertflügel und fünf verschiedene Anschlagsdynamik-Kennlinien vorhanden sind, findet man für sich bestimmt die optimale Kombination. Die 120-stimmige Tonerzeugung erzeugt ein unglaublich authentisches Klangbild. 

Hier die drei Flügel im Vergleich. Ich habe die drei Soundvariationen jeweils der Reihe nach angespielt.

Auch das obligatorische Vergleichs-MIDIfile habe ich durch alle drei Konzertflügel geschickt, hier immer jeweils die erste Soundvariation.

Der deutsche Flügel (vermutlich ein Bechstein) ist im Vergleich etwas kraftvoller als der warme Österreicher (höchstwahrscheinlich ein Bösendorfer), während der Japaner (offensichtlich ein Yamaha) als dynamisch und lebendig beschrieben wird.

Die übrigen Klänge des G1 Air sind als nette Zugabe anzusehen. Sie sind qualitativ hochwertig. Ich hätte mir etwas brillantere und dynamischere E-Pianos gewünscht.

Hier ein Querschnitt durch das zusätzliche Soundangebot.

Drückt man gleichzeitig z. B. die Taste “G.PIANO” und “OTHER”, so wird ein Layer erzeugt. Zusammen mit den Streichersounds kann man so gelungene Piano-Layers erzeugen. Drückt man die Taste “SPLIT”, so liegt automatisch einer von drei möglichen Bass-Sounds im unteren Bereich der Tastatur. Durch wiederholtes Betätigen dieser Taste wechselt man von einem Kontrabass über einen elektrischen Bass zu einem Kontrabass, bei dem mit jedem gespielten Ton auch ein Schlagzeugbecken hörbar ist, was vor allem bei Swingtiteln verblüffend echt klingt. Den Splitpunkt kann man übrigens leicht verändern, indem man bei gedrückter SPLIT-Taste die gewünschte Taste auf der Tastatur drückt.

Die gespielten Sounds können mit Hall und Chorus verfeinert werden. Jeder Effekt kann in vier Stufen (off, 1, 2 oder 3) in der Intensität eingestellt werden. Da hätte ich mir eine etwas feinere Abstufung gewünscht. Die Parameter für den Hall- und Chorusanteil merkt sich das G1 Air für jeden einzelnen Sound, sodass beim erneuten Aufrufen eines Klangs die Effekte direkt passend eingestellt sind.

Für den Gesamtklang des Instruments kann die Brillanz in drei Stufen (1, 2 oder 3) beeinflusst werden. Dieser Parameter ist global und wird nicht für jeden Klang separat gespeichert. Bei einem Instrument in dieser Preisklasse wäre eine Klangregelung mit Höhen und Tiefen zur Anpassung des Gesamtklangs an die räumlichen Gegebenheiten sinnvoll und wünschenswert. Die Brillanzregelung ist zwar effektiv aber, zu grob abgestuft.

 

Bedienung

Die Bedienung des Instruments ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Korg hätte anstelle der drei LED-Segmente besser ein richtiges Display einbauen sollen, welches die wichtigsten Parameter gleichzeitig anzeigt. Die Anzeige zeigt beim Einschalten zunächst immer “G1” an, eine Art Begrüßung in Form des Instrumentennamens. Anschließend erscheint “GP1”, das bedeutet, dass die erste Variation des deutschen Konzertflügels als Klang gewählt ist. Dieser Sound ist als Startsound nach dem Einschalten voreingestellt. Nach zwei Sekunden springt die Anzeige auf “U01”. Damit wird die Nummer des ersten selbst aufgenommenen Songs angezeigt. Ändert man den Sound z. B. durch Betätigung der Taste J.PIANO, so wird der erste japanische Flügelsound eingestellt. Kurz erscheint also JP1, drückt man nochmals erscheint JP2. Nach zwei Sekunden springt die Anzeige dann wieder auf U01 zurück.

Das G1 Air bietet Möglichkeiten in der Voreinstellung, alle Einstellungen von Sounds, Funktionen und Parametern beim Ausschalten zu sichern. So voreingestellt erscheint beim nächsten Einschalten der zuletzt ausgewählte Sound und (nach zwei Sekunden) auch der zuletzt gespielte Song im Display. Im FUNCTION-Menü des G1 Air befinden sich sehr viele Parameter, die in Form von Kürzeln mit den LED-Segmenten angezeigt und mit den SELECT-Tastern angewählt werden. Die Funktionen reichen von der Hallstärke eines Klangs (Kürzel rEv) über die Transponierung (trS) bis zur Einstellung der Lautstärle-Balance zwischen dem oberen und unteren Sound im Split-Modus (SuL). Es sind 34 verschiedene Parameter.

Leider sind die verwendeten Kürzel oft nicht einleuchtend, und ohne die Bedienungsanleitung in der Hand, ist man zunächst ein bisschen hilflos. Um die letzten Parameter der Liste zu erreichen, muss die entsprechende SELECT-Taste 33-mal gedrückt werden. Das G1 Air ist natürlich keine Workstation. Es soll in erster Linie die Funktion eines gut klingenden Digitalpianos erfüllen, aber ein wenig mehr Bedienkomfort und Übersicht über die Parameter, würde die Spielfreude ungemein erhöhen. Selbst das kleinere und günstigere Korg C1 Air hat mehr Bedienelemente (z. B. separate Taster für Reverb, Chorus, Transpose usw.) und ist damit - meiner Ansicht nach - ergonomischer ausgestattet als das G1 Air.

 

Player/Recorder

Im G1 Air sind 10 Demosongs (d01-d10) und 40 klassische Übungsstücke von Bach bis Liszt für Piano (P01-P40) gespeichert. Der MIDI-Player/Recorder offeriert zwei Spuren, PART1 und PART2, die durch Betätigen der entsprechenden Taste ein- oder ausgeschaltet werden können. Bei den Piano-Songs kann man so die rechte oder linke Hand stumm schalten und selbst mitspielen und üben.

Außerdem können bis zu 99 User-Songs aufgenommen werden, die ebenfalls aus maximal zwei Spuren bestehen. Übrigens können auch unterschiedliche Sounds während der Aufnahme verwendet werden, dann werden aber die Effektanteile des ersten Sounds beibehalten. Das Metronom gibt dabei das richtige Tempo vor. Es können auch Aufnahmen an beliebiger Stelle im Song neu eingespielt werden, dann allerdings bis zum Ende des Songs (kein punch out).

Bei der Wiedergabe eines Songs kann das Tempo verändert und mit der Repeat-Funktion ein bestimmter Bereich als Loop abgespielt werden. Die Audiobeispiele für diesen Test habe ich auch zunächst mit dem Recorder des G1 Air aufgenommen und anschließend über die LINE-Out-Buchse auf den Rechner überspielt.

 

Sonstiges

Das G1 Air ist mit einem sehr nützlichen Feature ausgestattet: Einer Bluetooth (A2DP Sink) Audio Unterstützung, die es erlaubt, Musik vom Smartphone oder Tablet drahtlos über das G1 Air wiederzugeben und dazu Klavier zu spielen.

Die Bluetooth-Verbindung der beiden Geräte wird dabei beim Einschalten des Digitalpianos aufgebaut. Das funktionierte im Test mit einem iPhone und iPad auch gut. Leider brach die Verbindung bei beiden Geräten regelmäßig nach wenigen Minuten ab und konnte nur durch erneutes Einschalten des G1 Air wiederhergestellt werden. Ich vermute, dass es sich hier um einen Defekt beim Testgerät handelt.

Für Musikschulen ist das Korg G1 Air interessant, da es auch einen Partnermodus besitzt, bei dem man zu zweit nebeneinander auf unterschiedlichen Bereichen der Klaviatur parallel in derselben Lage spielen kann. Schließt man das G1 Air mit einem USB-Kabel an einen Computer an, kann der interne Speicher des Digitalpianos mit User-Songs und gespeicherten Parametern auf dem Rechner gesichert werden. Ansonsten kann der USB-Port auch zur Übermittlung von MIDI-Daten genutzt werden.

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