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Test
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12.02.2021

Klevgrand Pipa & Jussi Test

Vocal Synthesizer für PC, Mac und iOS

2 charaktervolle Vocal-Instrumente aus dem hohen Norden

Klevgrand ist ein schwedischer Plugin-Hersteller, bei dem man bei der Suche nach Effekten oder Instrumenten fündig wird, die aus dem gewöhnlichen Raster ausbrechen.

Dementsprechend sind auch die beiden Vocal Synthesizer namens Pipa und Jussi eher origineller Natur und heben sich vom Mainstream multigesampelter Vocal-Libraries deutlich ab. Wir haben beide Instrumente getestet – das Ergebnis lest ihr hier. 

Details & Praxis

Pipa & Jussi – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Gemeinsam ist beiden Vocal Synthesizern, dass man mit ihnen keine ultra-realistischen Gesangs-Performances erzeugen kann wie mit Samples – was offenbar auch nicht die Absicht des Herstellers ist. Dennoch lassen sich Pipa und Jussi sehr musikalisch und organisch (sorry, Vokabular des Herstellers, trifft es aber perfekt) spielen, was über das Triggern von Samples hinausgeht. Beide Instrumente besitzen eine interessante Ästhetik, die für mein Empfinden irgendwo zwischen den eher elektronisch angehauchten Radiohead-Produktionen der frühen 2000er Jahre und isländischen Filmkompositionen liegt. Dennoch klingen sie jeweils eigenständig, was an den unterschiedlichen Klangerzeugungen liegt. Während Pipa auf einen Mix aus Wavetables und Granular-Synthese setzt, formt und kreiert Jussi stimmähnliche Sounds mithilfe von Formantfiltern. 

Pipa & Jussi – Plattformen

Beide Instrumente können als Instrumenten-Plugin unter Windows und macOS verwendet werden. Ebenfalls existieren jeweils iOS-Versionen von Pipa und Jussi, wobei diverse Einschränkungen zu beachten sind, die in den Features am Ende des Testberichts explizit aufgeführt sind. Beispielsweise beschränkt sich die iOS-Verwendung von Pipa bisher auf das iPad und zwar lediglich als AUv3-Plugin innerhalb eines iOS-Hostprogramms, wie z. B. GarageBand. Allerdings ist es bei diesem noch relativ neuen Instrument nicht auszuschließen, dass sich dies künftig noch ändert.

Sound

Genug der Theorie, hören wir einfach mal rein. In den folgenden Audiobeispielen sind die Instrumente Pipa und Jussi – teilweise bis zu vier Instanzen im „Mix“ –  ohne jeglichen Einsatz zusätzlicher Effekte/Plugins zu hören. Lediglich zwei Hörbeispiele sind mit einer Drum-Loop unterlegt. Die Sounds beider Vocal Synthesizer wirken beim Spielen und Editieren in Bezug auf Dynamik und Resonanzen teilweise etwas raubeinig, wodurch tontechnische Eingriffe zweckdienlich wären. Den Reiz und die Inspiration mindert dies für mein Empfinden aber nicht! 

Wie man hört, lassen sich den Vocal Synthesizern auch Klänge entlocken, die nicht zwingend an Gesangsstimmen erinnern.

Weitere Anmerkungen zu Pipa

Im Gegensatz zu Jussi lässt Pipa aufgrund seiner relevanten Parametern zuweisbaren Hüllkurven und LFOs eine zielgerichtete Kreation eigener Klänge zu. Weiterhin gibt es eine praktikable Mapping-Möglichkeit, welche die dynamische Klangsteuerung durch zwei frei definierbare MIDI-Controller ermöglicht. Der Hersteller weist darauf hin, dass Pipa ein relativ resourcenhungriges Plugin ist, wobei man dank der Demoversion seinen eigenen Rechner vorab daraufhin checken kann, ob es zu nennenswerten Problemen kommt. An meinem iMac Pro konnte ich im Test mehrere Instanzen ohne Auffälligkeiten in bestehende Projekte einbinden.

Weitere Anmerkungen zu Jussi

Klangkreationen mit Jussi erfolgen eher spielerisch als analytisch. Dabei ist es nicht immer leicht, einen brauchbaren Sweetspot zu finden. Ist dies aber gelungen, dann hat der Sound durchaus das Potenzial, zum gewissen i-Tüpfelchen einer Produktion oder sogar zum inspirierenden Startpunkt eines (tendenziell experimentellen) Songs zu werden. Erwähnenswert ist der Hold-Mode, der durch die Verwendung des Sustain-Pedals eine polyphone Legato-Spielweise ermöglicht, was zu interessanten musikalischen Ergebnissen führen kann. Leider ist es offenbar nicht möglich, einzelne Parameter per Controller zu steuern, was die Performance-Fähigkeit noch deutlich steigern würde. Abhilfe verschafft die Parameter-Automation im Host-Programm, was im Test mit Logic Pro X 10.6.1 allerdings zu einigen Notenhängern geführt hat und die häufige Verwendung der Region-Bounce-Funktion in Logic erforderte. 

Fazit

Klevgrands Vocal-Instrumente Pipa und Jussi sind subjektiv inspirierende und charaktervolle Nischenprodukte, die trotz ihrer eher künstlichen Ästhetik durchaus eine organische Musikalität erzeugen können. Den Preis erachte ich als fair und sehe beide Instrumente als eine Bereicherung in der Plugin-Sammlung von Musikschaffenden, sowohl im Scoring als auch im weiten Feld der Popularmusik. 

  • Pro
  • sehr eigenständige, stilbildende Klangästhetik
  • musikalischer spielbar als viele Sample-Instrumente
  • ansprechend puristisches GUI + intuitive Bedienung
  • einfaches Controller-Mapping (Pipa)
  • preiswert
  • Contra
  • Pipa (iOS): begrenzte Kompatibilität, kein Standalone-Mode, hoher Resourcenbedarf, GUI nicht skalierbar
  • Jussi: Kein Controller-Mapping, teilweise instabil bei Automation in Logic Pro X (10.6.1), GUI nicht skalierbar
  • Features
  • Vocal Synthesizer Pipa
  • Klangerzeugung: Wavetable & Granular Synthese
  • 3 Voice Types (male, female, mixed)
  • Vowel, Pitch, Dynamics, Gain durch LFO und ENV modulierbar
  • Stereo-, Room- und Reverb-Effekte
  • 2 MIDI-Controller per Mapping verschiedenen Parametern zuweisbar
  • VST3, AU, AAX, iOS (AUv3)
  • Systemvoraussetzungen: Windows 7 und höher / Mac OSX 10.9 und höher, iOS 9.3 (nur iPad)
  • Jussi – synthetische Klangerzeugung
  • Formantensteuerung per Velocity
  • Legato-Modes: Off, On, Hold (polyphon)
  • Room-Effekt
  • VST, AU, AAX, iOS (Standalone, AUv3)
  • Systemvoraussetzungen: Windows 7 und höher / Mac OSX 10.9 und höher, iOS 9.1 (iPhone, iPad, iPod touch)
  • Preis:
  • Pipa 49,99 (macOS/Windows) / 19,99 USD (iPad) per Download (UVP)
  • Jussi 24,99 (macOS/Windows) / 7,99 USD (iPad, iPhone) per Download (UVP)

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