Gitarre Hersteller_Kemper
Test
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31.03.2020

Kemper Kabinet Test

Full Range Lautsprecherbox

Gitarrenbox für den Profiler

Mit dem Kemper Kabinet hat der deutsche Modelling-Spezialist aus Recklinghausen ab sofort seine eigene 1x12 Box im Programm, die speziell auf die Sounds und Features des Kemper Profilers abgestimmt ist. Das Kabinet ist bestückt mit einem Kemper Kone-Lautsprecher, der zusammen mit Celestion entwickelt wurde. Die Box ist passiv, sie kann mit einem Profiler mit eingebauter Endstufe oder mit einer zusätzlicher Class-D-Endstufe betrieben werden.
Der Kemper Kone Lautsprecher ist zwar ein Full-Range-Speaker und kann als solcher auch mit anderen Modeling-Gerätschaften benutzt werden, aber das Konzept bei Kone und Kabinet geht in eine etwas andere Richtung. Das Herzstück zur Klanggestaltung mit dem Kabinet steckt in der DSP des Profilers. Hier können sogenannte Imprints von bestimmten Gitarrenlautsprechern geladen werden, die dann nur auf dem Monitor-Out des Profilers in Verbindung mit dem Kabinet hörbar sind - der virtuelle Speakertausch sozusagen. Wie das alles funktioniert und wer daran seine Freude haben könnte, das erfahrt ihr im folgenden Test.

Details

Das Kabinet kommt im Holzgehäuse, das mit grünem Tolex überzogen ist und recht kompakte Maße (510 x 420 x 230 mm) aufweisen kann. Auch das Gewicht von 11,3 kg lässt es zu, dass man auch weitere Strecken mit der Box in der Hand schadlos überstehen kann, gut ausbalanciert am braunen Leder-Tragegriff. Die Front ist mit schwarzem Bespannstoff inklusive Kemper-Logo bestückt und die Ecken mit braunen Schonern, ebenfalls aus Leder. Die Rückseite ist komplett geschlossen, mit einem etwas eingelassenen Anschlussfeld und zwei Klinkenbuchsen, einmal dem Input für das Signal von Amp bzw. Endstufe und einem Output für den Anschluss eines weiteren Kabinets. Im Inneren werkelt der 12" Kemper Kone mit einer Impedanz von 4 Ohm und einer Belastbarkeit von 200 Watt. Die Box steht stabil und rutschfest auf vier Gummifüßen, alles ist ordentlich verarbeitet und optisch geht das Kabinet auch eher in Richtung Vintage-Look.

Bedienung

Wir Gitarristen sind im Grunde ja eher konservativ und freunden uns in der Regel mit neuen Errungenschaften nur ungern an. Wir sind eben beständig und halten unseren Instrumenten und unserem Equipment, an das wir uns gewöhnt haben, die Treue. Mit den Modeling-Gerätschaften haben wir uns allmählich angefreundet, wobei allerdings mit dem Bühnensound ein wichtiger Faktor häufig vernachlässigt wird. Dort sind wir den Sound und die Interaktion mit Gitarrenlautsprechern gewohnt, und genau in diese Richtung zielt das Kemper Kabinet. Der darin verbaute Kemper Kone Speaker wurde von Kemper gemeinsam mit Celestion entwickelt und ist auf den Profiler abgestimmt, denn über die Profiler-Software sind Feineinstellungen möglich, die den Sound des Speakers noch wesentlich flexibler machen. Dazu ist beim Profiler die Firmware 7.2. nötig. Im Output-Menü des Kemper Profilers findet man eine Seite mit der Bezeichnung Kemper Kone, auf der diese Einstellungen vorgenommen werden. Der Sound eines Amp-Profils, das aus dem Main Out an die PA gegeben wird, bleibt dabei komplett unberührt. Die Einstellungen betreffen nur das Signal für die Bühne, das man aus dem Monitor Out bzw. Lautsprecherausgang des Kemper Profilers sendet. Dabei geht es darum, das gewohnte Klangbild und vor allem das Reaktionsverhalten eines normalen Gitarrenlautsprechers zu erhalten. Dafür muss der Kemper Kone als Lautsprecher ausgewählt werden (Häkchen setzen).

Nun hat man zwei Möglichkeiten, das Kabinet zu nutzen: mit dem Cab aus dem Profil im Standard-Fullrange-Modus oder mit den Speaker Imprints, wofür die Funktion "Monitor Cab Off" geschaltet werden muss. Man deaktiviert damit das Cab des Amp-Profils lediglich für den Monitorausgang und ersetzt es durch eines der Imprints, die man im Kemper-Kone-Menü auswählen kann. Bei diesen Imprints handelt es sich nicht um Standard-Impulsantworten, sondern um DSP basierte Nachbildungen bestimmter Speaker. Aktuell stehen 19 verschiedene dieser Imprints zur Verfügung. Im Fullrange-Modus können mit dem Parameter Sweetening die Bässe und Höhen angehoben werden (max. +6 dB), um den Klang noch etwas zu verfeinern. Wenn die Speaker-Imprints benutzt werden, steht dieser Parameter zwar nicht mehr zur Verfügung, dafür die Funktion Directivity. Bei einem normalen Gitarrenlautsprecher sind die Höhen stark in der Mittelachse zu hören und der Klang wird dumpfer, wenn man sich aus dieser Position herausbewegt. Deshalb stellt man sich auch gerne in einem bestimmten Winkel zur Gitarrenbox, um den angenehmsten Sound des Speakers zu erhalten. Das ist auch beim Mikrofonieren von Gitarrenlautsprechern deutlich zu hören, wobei schon eine kleine Veränderung der Position viel ausmacht. Der Kemper Kone ist so angelegt, dass er beim Off-Axis-Sound weniger dumpf klingt und damit ein etwas gleichmäßigeres Abstrahlverhalten bei hohen Frequenzen zeigt als mancher Gitarrenlautsprecher. Mit dem Parameter Directivity kann genau dort noch etwas feiner justiert werden: Bei Rechtsanschlag erhält man den typischen Höhenstrahl in der Mittelachse wie bei einem Gitarrenlautsprecher, nimmt man den Regler zurück, wird der "Mittelstrahl" etwas weicher. Generell kann natürlich noch in beiden Betriebsmodi der Monitor-Out-EQ zur klanglichen Anpassung nach dem persönlichen Geschmack benutzt werden. Zum Zeitpunkt des Tests (Ende März 2020) war es nur möglich, die Auswahl des Speaker Imprints global einzustellen, also für alle Rigs gleich. In einer künftig erscheinenden Firmware wird es möglich sein, das Speaker Imprint auch pro Rig unterschiedlich auszuwählen.

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