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28.10.2020

Kaufberater: Ultrakompakte Drahtlosanlagen und Wireless-Systeme für Sänger, Musiker und Content-Creator

Kompakte Funkstreckensysteme und drahtlose Mikrofon Receiver, Transmitter und Transceiver: Was sie können und wieviel sie kosten

Wer auf der Suche nach einer Wireless-Lösung für die Übertragung von Audiosignalen ist, sieht sich einer Vielzahl von Angeboten gegenüber. Viele der auf dem Markt erhältlichen Funkanlagen sind allein von ihrer Größe her überdimensioniert. Genau hier kommen ultrakompakte Drahtlos-Sets ins Spiel. Wir haben für euch ein paar der wichtigsten Tipps zusammengestellt, damit ihr unter ihnen eine passende kabellose Verbindung finden könnt. Und selbstverständlich stellen wir euch auch fünf ultrakompakte Drahtlossysteme für verschiedene Budgets und Einsatzzwecke näher vor.

Wo kann kabellose Übertragung helfen?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht so banal, wie es auf den ersten Blick scheint. Viele Musiker denken bei Wireless-Anlagen in erster Linie an Funkmikrofone oder Bodypacks, die bei Gitarren und E-Bässen zum Einsatz kommen. Aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei Moderationen und Präsentationen kann es super-hilfreich sein, auf Kabel zu verzichten. Nicht zuletzt sorgen Mikrofone mit Funksender auch bei Reportagen und Interviews für Bewegungsfreiheit. Aber Drahtlossysteme beschränken sich keinesfalls nur auf Mikrofon- und Instrumentensignale. Musiker denken als nächstes sicher an die Drahtlosübertragung beim In-Ear-Monitoring. Doch Veranstalter können auch die Line-Signale von PAs kabellos nutzen und Videofilmer haben dafür nicht nur Reportage-Mikrofone, sondern auch Set-Mikrofone im Kopf.

Analog oder digital?

Eine unausgesprochene Daumenregel, die viele Käufer beherzigen, ist: Wer komplett latenzfrei arbeiten möchte, funkt analog. Wem Signalqualität und Abhörsicherheit wichtig sind, funkt digital. Eine weitere Frage, die sich Drahtlos-Freunde stellen müssen, ist die, ob es bei der Anwendung kritisch ist, dass Latenzen auftreten. Eine Zeitverzögerung, die bei einem einzelnen Mikrofon noch unerheblich ist, kann für andere Einsatzzwecke katastrophal sein. Wer beispielsweise die Line-Signale einer Klein-PA statt per Kabel mit mehreren digitalen Wireless-Geräten übertragen möchte und dabei auf unterschiedliche Systeme zurückgreift, kann in der Praxis auf unschöne Kammfilter-Effekte stoßen. Eine Lösung hierfür ist es, für die Drahtlosverbindungen auf identische Geräte zurückzugreifen. Eine andere Lösung ist (wie eingangs erwähnt) der Einsatz von analogen Funkstrecken.

Welcher Funkbereich ist der richtige für mich?

Die Frage nach dem passenden Funkbereich ist auch eine Frage nach der benötigten Reichweite und nach dem Einsatzort. Denn für den Betrieb von Funkanlagen sind für die unterschiedlichen Funkbereiche ganz bestimmte Funkleistungen zugelassen. Wer sich maximal im Bereich von 20 bis 30 m bewegt kommt mit einer Funkleistung von 10 mW aus und kann sich nach Geräten im europaweit ohne Gebühren nutzbaren Frequenzbereich von 863 bis 865 MHz umschauen. Aufgrund der geringen Bandbreite können hier allerdings meist nur bis zu vier Geräte parallel betrieben werden. Reichweiten von bis zu 60 m sind im digital genutzten Funkbereich um 2,4 GHz drin. Wer eine Distanz von bis zu 100 m kabellos überbrücken möchte, benötigt dagegen Geräte, die eine Funkleistung von bis zu 50 mW liefern können. Diese Sendeleistung ist in den professionell nutzbaren anmeldefreien Bereichen zwischen 470 und 694 MHz zugelassen, aber auch in den allgemein verfügbaren Frequenzen von 174-230 MHz und in der LTE-Mittenlücke von 823-832 MHz.

Wer Setups aus einer Vielzahl von Geräten im selben Funkfrequenzbereich zusammenstellen möchte, fährt am besten mit dem professionellen Bereich von bis 608 MHz sowie 614 bis 694 MHz. Die Duplexlücke zwischen 823 und 832 MHz ist für den privaten Bereich geeignet und kostenlos nutzbar, aber an den Rändern störanfällig. Wer als Amateur nicht nur europaweit, sondern weltweit lizenzfrei übertragen möchte, sollte sich für den WLAN/Bluetooth-Bereich um 2,4 GHz und 5 GHz entscheiden, kann aber im ISM-Band um 2,4 GHz nur bis zu drei oder vier Systeme parallel betreiben. Profis, denen eine hohe Signalsicherheit wichtig ist, suchen dagegen nach Systemen, die im anmeldefreien professionellen Funkfrequenzbereich zwischen 470 und 608 MHz sowie 614 und 694 MHz arbeiten.

Weitere wichtige Parameter von Drahtlosanlagen

Über die Frage von analog oder digital und Überlegungen zum passenden Funkbereich hinaus gibt es noch ein paar wichtige Aspekte, die vor dem Kauf geklärt sein sollten. Wenn Bass-Signale übertragen werden sollen, spielt der Audio-Frequenzumfang der Drahtlos-Anlage eine entscheidende Rolle. Oftmals arbeiten kompakte Wireless-Systeme nicht unterhalb von 30 oder 35 Hz und schneiden das Audiosignal unten herum ab. Wer bei einem Event lange auf der Bühne steht, nicht ständig die verbauten Akkus aufladen oder neue Batterien kaufen möchte, sollte außerdem auf die maximale Betriebsdauer achten. Und spätestens wenn der Akku leer ist, wird auch die Akku-Ladezeit von Bedeutung sein. Denn wer will schon ein Gerät 5 Stunden lang aufladen, wenn er es nur 2 Stunden einsetzen kann?

Auch das Handling spielt für Amateure wie Profis gleichermaßen eine Rolle. Wer es schnell und unkompliziert mag, kann etwa gezielt nach den Stichworten „One Button Pairing“ suchen. Außerdem kann es in manchen Situationen hilfreich sein, wenn die kleinen drahtlosen Helfer sich auch per USB versorgen lassen. Der Trick dabei ist, dass dann auch handelsübliche Netzteile mit Micro-USB-Buchsen zum Einsatz kommen können. Das macht zumindest die stationär installierten Geräte eines Funksets unabhängig vom Batterie-Ladezustand. Eine weitere Frage, die sich Kaufinteressenten stellen können ist, ob die Übertragung eines Monosignals ausreicht oder besser eine Stereolösung her sollte? Und professionelle Anwender interessieren sich eventuell dafür, ob die jeweilige Anlage eine Signalverschlüsselung bietet.

Welches ultrakompakte Wireless-System passt zu mir?

Die Frage nach der passenden Drahtloslösung nicht nur die Frage nach den Anforderungen, die an die kabellose Verbindung gestellt werden, sondern auch nach dem vorhandenen Budget. Wir haben deshalb für euch fünf Sender-Empfänger-Sets herausgesucht, die verschiedenen Bedingungen und Portemonnaies gerecht werden.

Mikrofonsignal: Fun Generation Wireless Plug&Play

Die günstigste dieser Lösungen ist das digitale Mini-Funksystem Fun Generation Wireless Plug&Play. Für weit unter 100,- € erhält man hier Sender und Empfänger, die kaum größer als ein XLR-Stecker sind. Auch wenn die Reichweite von 35 m überschaubar ist und lediglich aus vier Frequenz-Presets gewählt werden kann, ist dieses kleine System super-hilfreich in Proberäumen, auf kleinen Bühnen und auch bei Präsentationen und Moderationen. Denn das Wireless-System macht jedes Mikrofon, das ohne Phantomspannung auskommt, ohne großen Aufwand zum Funkmikrofon und Kabel überflüssig. Weil das Set im WLAN-Bereich um 5,8 GHz funkt, kann es weltweit ohne Mehrkosten und Anmeldung betrieben werden.

Fun Generation Wireless Plug&Play Test

Fun Generation Wireless Plug&Play (Produktseite auf thomann.de)

Mikrofonsignal: the t.bone free2b

Unser Preis-Leistungs-Tipp ist der drahtlose Mikrofonadapter the t.bone free2b. Knapp unter 100,- € ist nicht viel Geld für eine digitale Wireless-Lösung, die zwar keine Phantomspannung liefert und auch nicht mehr als 30 m Reichweite versprechen kann. Aber Rückhaltesicherungen sorgen hier für Sicherheit, dank LED-Ring gibt es einen guten Überblick über den Status der Verbindung, eine Auswahl aus sechs Kanälen kann getroffen werden und sogar eine Abschaltautomatik ist integriert. Außerdem wird der free2b-Adapter als kleines Extra mit einem Blitzschuh und einem Adapterkabel ausgeliefert, die den Betrieb an Kameras ermöglichen. Das System agiert im Bereich von 2,4 GHz, wo auch WLAN-, Bluetooth- und Haushaltsgeräte unterwegs sind. Deshalb ist sein Betrieb ebenfalls weltweit anmelde- und gebührenfrei.

the t.bone free2b Test

the t.bone free2b (Produktseite auf thomann.de)

XLR-Funksystem: XVive U3 Microphone Wireless System

Wer sein liebgewonnenes Live-Mikrofon zum Funkmikrofon umgestalten will, kann auf das Xvive U3 zurückgreifen. Diese Mini-Funkanlage besteht aus zwei unscheinbaren XLR-Steckern, in deren Gehäusen ein Sender und ein Empfänger untergebracht sind. Sie können nicht nur Mikrofonsignale, sondern bei Bedarf auch Line-Signale kabellos übermitteln. Das System stellt zwar keine Phantomspannung für Kondensatormikrofone bereit, dafür spricht aber seine Reichweite von bis zu 70 m eine ebenso deutliche Sprache wie seine Audiobandbreite von 20 Hz bis 20 kHz, 110 dB Signal-Rausch-Abstand und eine geringe Latenz von unter 5 ms. Die Stromversorgung übernehmen – ganz stressfrei – integrierte Lithium-Akkus, die via Micro-USB-Buchse geladen werden. Das System funkt im 2,4 GHz-Bereich und bietet 6 schaltbare Kanäle. Damit ist es kostenlos und lizenzfrei einsetzbar und lässt sich mit weiteren Xvive U3 kombinieren.

XVive U3 Microphone Wireless System Test

XVive U3 Microphone Wireless System (Produktseite auf thomann.de)

Lavalier-Mikrofon: Saramonic Blink 500 B1

Für die Videoproduktion unterwegs, aber auch für journalistische Beiträge und Vlogger kann ein drahtloses Lavaliermikrofon interessant sein. Einmal angesteckt greift beispielsweise das Mikrofon des Saramonic Blink 500 B1-Sets Sound mit seiner Kugelcharakteristik auf. Deshalb eignet es sich auch dafür, neben der Stimme von Moderatoren, Reportern, Interviewern und anderen Sprechern zusätzlich auch die Atmosphäre eines Drehortes aufzuzeichnen. Das Set besticht durch einige kleine Gimmicks wie einen Gürtel-Clip, der zugleich in Kameraschuh-Halterungen passt, um den Empfänger beispielsweise an einer DSLR-Kamera zu nutzen. Die Reichweite von bis zu 50 m sorgt für Bewegungsfreiheit und kreative Möglichkeiten beim Filmen. Sender und Empfänger wiegen jeweils weniger als 35 g und sorgen so für ungestörtes Arbeiten. Dieses Mini-Wireless-System funkt im Bereich um 2,4 GHz und kann allgemein anmeldefrei betrieben werden. Per automatischem Channel-Hopping sucht sich diese ultrakompakte Saramonic-Anlage den jeweils besten Funkkanal für die Übertragung selbst heraus.

Saramonic Blink 500 B1 (Produktseite auf thomann.de)

PA-Line-Signale: IMG Stageline Fly-16SET

Das IMG Stageline Fly-16SET ist für die drahtlose Übertragung von mono Line-Level-Signalen bei PA-Systemen konzipiert. Die analoge Kleinst-Funkstrecke überträgt ihr Signal in der allgemein anmeldefreien Duplex-Lücke von 823-832 MHz. Dabei übermittelt das IMG-Set Audiofrequenzen zwischen 30 Hz und 17 kHz, beschränkt sich also mehr oder weniger auf den Kern-Frequenzbereich vieler günstiger Beschallungsanlagen. Um mehrere dieser kompakten Drahtlosgeräte parallel betreiben zu können, lässt sich aus 16 Kanal-Presets wählen und können im Optimalfall bis zu 8 Geräte parallel verwendet werden. Das Wireless-System bietet ganz komfortabel ein Kanalwahl-Display und die Anzeige des Batteriezustands.

IMG Stageline Fly-16SET Test

IMG Stageline Fly-16SET (Produktseite auf thomann.de)

In-Ear-Monitoring: XVive U4 Monitor Wireless System

Speziell für den Einsatz beim In-Ear-Monitoring ist das XVive U4 Monitor Wireless System ausgelegt. Diese digitale Funklösung lässt sich auf der ganzen Welt ohne Anmeldung und Gebühren betreiben. Zwar arbeitet sie im vielgenutzten ISM-Band um 2,4 GHz. Um möglichen Störungen aus dem Weg gehen zu können, lässt sich aber aus sechs Funkkanälen wählen. Der breite Audio-Frequenzbereich des Systems reicht von 20 bis 20.000 Hz und genügt ebenso hohen Ansprüchen wie der Dynamikumfang von 107 dB. Ein Pluspunkt: Der Arbeitspegel ist zwischen Line- und Mikrofon-Niveau umschaltbar. Dazu macht das Gehäuse aus ABS-Plastik und Metall das System zu einem robusten Begleiter auf der Bühne und im Proberaum. Allerdings überträgt das Xvive U4 Monitoring-Signale lediglich in Mono. Der Empfänger lässt sich als Bodypack per Clip am Gürtel, Hosenbund oder Gitarrengurt befestigen.

Xvive U4 Monitor Wireless System Test

Xvive U4 Monitor Wireless System (Produktseite auf thomann.de)

Video-Filmer: Rode RodeLink Newsshooter Kit

Videofilmer mit professionellem Anspruch greifen eher zu einer digitalen Kleinst-Funkstrecke, die neben hoher Signalqualität Sicherheit durch Signalverschlüsselung, komfortable Anzeigen und eine hohe Reichweite bietet. Der Audio-Frequenzbereich, den dieses Wireless-System abdeckt, reicht von 35 Hz bis 22 kHz und sorgt dafür, dass bei Videoaufnahmen der Sound am Drehort/Set möglichst breitbandig aufgezeichnet werden kann. 100 m Reichweite sprechen hier ebenfalls eine professionelle Sprache wie der hohe Dynamikumfang von 112 dB und die OLED-Displays. Selbstverständlich wird der Sender auch in Sachen Phantomspannung seinem professionellen Anspruch gerecht, weil er für Kondensatormikrofone die nötige Betriebsspannung liefern kann. Zubehör wie Blitzschuhadapter und Verbindungskabel für DSLR-Kameras sind ebenfalls gleich dabei. Da lässt sich der Umstand, dass bei dieser Lösung keine Kanalwahl besteht locker verkraften.

Rode RodeLink Newsshooter Kit Test

Rode RodeLink Newsshooter Kit (Produktseite auf thomann.de)

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