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06.08.2019

Kaufberater digitale Recording-Mischpulte (2019)

Worauf sollte man beim Kauf eines Digitalmixers achten?

Digitalmischpulte – Übersicht

Digitale Mischpulte bieten für das heimische Recording etliche Annehmlichkeiten. Vom Abspeichern verschiedener Aufnahmekonfigurationen über das komfortable Einbinden interner Effekte bis hin zu hilfreichen Displays, die für beste Übersicht sorgen, und einer DAW-Steuerung, die Computer-Maus und -Tastatur zumindest stellenweise aufs Abstellgleis schickt. Digitale Mischpulte können ganz einfach eine große Unterstützung sein.

Wir stellen euch deshalb zentrale Features vor, auf die ihr beim Kauf eines digitalen Mischpults euer Augenmerk legen könnt. Selbstverständlich findet ihr in diesem Kaufberater auch einige der zur Zeit angesagtesten Geräte, um euch auf die Schnelle passende Anlaufstellen an die Hand zu geben. Denn die Suche nach einem Digitalmixer für eure Aufnahmen kann sonst ein wenig unübersichtlich werden. Sicher findet ihr danach mit Leichtigkeit die perfekte digitale Recordinghilfe.

Details

Eingänge, Eingangstypen und Kanalzüge

Ein Vorteil von Digitalmixern gegenüber analogen Mischpulten liegt in der Anzahl der Kanäle, die bei den digitalen Vertretern nicht selten weitgehend unabhängig von der Anzahl der physikalischen Ein- und Ausgänge ist. Doch auch wenn digitale Mischpulte hier deutlich flexibler sind, wird die Kanalzahl bei euren Überlegungen sicher dennoch eine Rolle spielen.

Schon für unter 500 Euro bekommt ihr mit dem Roland MX-1 Mix Performer einen Mixer, der 18 Kanäle zu eurer DAW schicken kann und immerhin elf Kanalzüge aufweist. Noch dazu bietet der MX-1 beleuchtete Regler und kann mit zahlreichen Effekten aufwarten. Neben einer digitalen Schnittstelle hat der MX-1 Cinchpärchen für die Verbindung mit zwei Consumer-Geräten und kann Sound auf sechs Kanälen per Klinkenanschluss aufgreifen. Das ist für ein Einsteigergerät keine schlechte Hausnummer. Vor allem wenn ihr weitere Geräte aus Rolands AIRA-Reihe nutzt, werden euch Bedienung und Konzept dieses Einsteiger-Mischpults zusagen.

Etwa das doppelte Budget müsst ihr für die nächstgrößere Lösung einplanen. Dafür kann das Presonus StudioLive 16.0.2 aber auch mit zwölf Eingängen für Mikrofon- und Line-Signale auftrumpfen. Allein schon aufgrund der zwölf XLR-Anschlüsse für seine aufnahmeseitigen Mikrofoneingänge muss dieses Gerät deutlich wuchtiger ausfallen als Rolands MX-1. Dafür kann der Presonus-Mixer aber auch ganze zwölf Kanal-Fader unterbringen und hat sogar noch Platz für vier Aux-Schieberegler und einen Main-Fader. Neben XLR- und Klinkenausgängen für das Hauptsignal stellt das StudioLive 16.0.2 auch Anschlüsse für Monitoring und Aux-Wege bereit. Der Pegel des Main Out ist sogar kalibrierbar.

Spotlight: Budget-Digitalmixer: Roland MX-1 Mix Performer

Mit dem Roland MX-1 Mix Performer habt ihr ein USB-Mischpult an der Hand, dass sich wie gesagt perfekt in Rolands AIRA-Reihe einpasst. Funktionen wie ein integrierter Sequencer für "Beat FX" machen den MX-1 zu einem zeitgemäßen Mix-Tool, das über die üblichen Fähigkeiten sonstiger Digitalmixer hinausgeht. So können beispielsweise Filter-, Sidechain- oder Slicer-Effekte mittels eines Step Sequencer programmiert werden. Damit ist der MX-1 kein schnöder Mixer, der Signale nur verwaltet, sondern einer, der auch extrem kreative Bearbeitungen zulässt. Interessant ist auch, dass der MX-1 eine "Mastering FX"-Sektion mit an Bord hat. Mit ihrer Hilfe könnt ihr eurem Mix im Handumdrehen Presets zuordnen, die auf verschiedene Equalizerfilter und Kompressionsraten zurückgreifen. Einen ausführlichen Test zum MX-1 findet ihr hier: Roland MX-1 Mix Performer Test

Regler, Schalter, Taster, Displays

Besonders komfortabel lässt sich ein digitales Mischpult selbstverständlich mithilfe eines integrierten Displays bedienen. Hier reicht die Spannweite von einfachen Nummernanzeigen bis hin zum feinauflösenden TFT-Panel. Letzteres findet ihr etwa in monochromer Ausführung beim Behringer X32 Producer. Der Allen & Heath Qu-16 Chrome ist mit einem vierfarbigen Display ausgestattet, das eine Auflösung von 800 mal 480 Pixeln bietet und sogar mit Touchscreen-Funktionalität aufwartet.

Wenn es um die Bedienelemente geht, steht jedwede Form von Beleuchtung ganz oben auf der Wunschliste vieler Nutzer. Besonders hilfreich sind dabei Taster, deren Gruppen verschiedenfarbig beleuchtet werden. Das lässt EQ, FX und weitere Funktionen auch im Halbdunkel auf den ersten Blick erkennen und sorgt so für besten Überblick. Neben den schon vorgestellten Digitalmixern hat beispielsweise auch der Behringer X32 Compact farblich unterschiedliche Taster-Beleuchtungen. Beim Roland MX-1 Mix Performer sind mit Ausnahme einiger Potis sämtliche Bedienelemente mit verschiedenfarbiger Beleuchtung versehen. Dadurch lässt sich dieses Mischpult auch im (Halb-)Dunkel komfortabel bedienen. Die farblichen Unterscheidungen sorgen dafür, dass ihr euch auf seiner Bedienoberfläche jederzeit schnell zurechtfindet.

Eine feine Sache sind auch möglichst lange Regelwege bei den Fadern. Sie versprühen nicht nur den Hauch großer Studiokonsolen, sondern sorgen auch dafür, dass ihr die Kanalpegel (bei identischer Faderauflösung) deutlich genauer regeln könnt. Die gute Nachricht ist, dass Faderwege von 100 mm Länge heute nicht länger nur den teuren Digitalmixern vorbehalten sind. Das Gleiche gilt für die Ausstattung mit Motorfadern. Sie ermöglichen ein komfortables Total Recall und machen im Homestudio auch heute noch richtig was her. Unbezahlbar ist auch diese Funktion zum Glück längst nicht mehr. So bekommt ihr auch in der Preisklasse um 2.000 Euro (und zu einem deutlich geringeren "Straßenpreis") bereits Digitalmixer mit Motorfadern geboten. Dazu zählen etwa der Behringer X32 Producer, der Behringer X32 Compact und der Allen & Heath Qu-16 Chrome.

Spotlight: Digitalmixer der unteren Mittelklasse: Behringer X32 Compact

In der Preisklasse unter 3000 Euro sind die Digitalmixer der Behringer-X32-Reihe in Sachen Preis-Leistungsverhältnis kaum zu schlagen. Sie bieten 16 gelayerte Input-Fader für bis zu 32 Eingangskanäle und weitere acht Bus-Fader sowie ein Schieberegler für den Master-Channel. Wenngleich es sich um Motorfader handelt, sind sie jedoch nicht berührungsempfindlich. Im Gegensatz zum kleineren Bruder (dem Behringer X32 Producer) hält das X32 Compact für jeden Kanal Mini-LC-Displays bereit, die allesamt nicht nur eine individuelle Beschriftung und zuweisbare Icons anzeigen, sondern auch noch mehrfarbig beleuchtet sind. Außerdem kann das X32 Compact mit einem 7"-TFT-Panel aufwarten, das mehrfarbig und nicht nur monochrom ist. Auch zum Behringer X32 Compact findet ihr einen ausführlichen Test auf Bonedo: Behringer X32 Test

Audio-Interface-Qualität, Konnektivität und Remote-Funktionalität

Die Qualität der integrierten Audio-Interfaces entspricht bei heutigen Digitalmixern allesamt gängigen Studiostandards. Eine Tiefe von 24 Bit und Samplefrequenzen von mindestens 44,1 oder 48 kHz sind durch die Bank weg am Start. Hier müssen also keinerlei Zugeständnisse gemacht werden. In puncto Konnektivität sieht das schon anders aus. Wer mit digitalen Profi-Formaten wie AES/EBU arbeiten möchte, hat deutlich weniger Auswahl. Auch bei der Anbindung an das offene Audio-over-Ethernet-Protokoll AES50 sind längst nicht alle Digitalmixer der Mittelklasse auf neustem Stand. Die X32-Geräte von Behringer sind hier eine echte Ausnahme.

Die Erweiterbarkeit eines Digitalmixers kann ein weiteres gutes Argument für dessen Kauf sein. So lässt sich zum Beispiel das Behringer X32 mit der Steckkarte uTrack-X32 von Cymatic Audio erweitern. Diese Recording- und Playback-Karte ermöglicht den direkten Anschluss eines Speichermediums (zum Beispiel einer USB-Festplatte), die den Einsatz eines zusätzlichen Musik-PCs überflüssig macht. Außerdem lässt sich über den Ethernet-Anschluss der Erweiterungskarte eine Fernbedienung für den Digitalmixer anschließen. Die Fernsteuerung der Cymatic-Audiokarte ist aber auch per Android, iPhone und iPad möglich. Für das Behringer X32 Producer hält der Hersteller noch weitere verschiedene Erweiterungskarten bereit. Sie machen die Anbindung des Digitalmixers per Dante-, MADI-, USB- und Firewire-Anschluss möglich.

Überhaupt gilt es bei der Konnektivität für euch ganz genau hinzuschauen. Nicht nur die momentane Ausstattung eures (Heim-)Studios, sondern auch eventuelle zukünftige Erweiterungen könnt ihr hier im Blick behalten. Der Allen & Heath Qu-24 Chrome lässt sich zusätzlich per dSnake-Anschluss im Livebereich mit Stageboxen verbinden. Möchtet ihr euren Digitalmixer also nicht nur im Studio, sondern auch on the road einsetzen, könnte das für euch eine interessante Variante sein.

Soll euer neues Digitalmischpult auch als DAW-Controller fungieren, ist das ebenfalls einen genauen Blick wert, denn nicht jedes Gerät bietet diese Funktionalität. Der schon vorgestellte Roland MX-1 Mix Performer agiert beispielsweise als MIDI-Controller für die Transportfunktionen der Software. Auch der Yamaha DM 1000-VCM und der Allen & Heath Qu-16 Chrome kann euch hier eine große Hilfe sein. Als reiner Controller ist ein Digitalmischpult aber definitiv überdimensioniert. Benötigt ihr also nicht die gebotenen Hardwareanschlüsse, die A/D-Wandlung und die internen Effekte eines Digitalmischers, seid ihr mit einem schlichten DAW-Controller besser dran. Hier könnt ihr euch dann zum Beispiel den Icon QCon Pro oder den Presonus Faderport 8 anschauen.

FX-Sektion, Extras und Zubehör

Die eigene DAW zu entlasten kann ein ganz wesentlicher Grund für die Anschaffung eines Digitalmixers sein. Daher sorgen sich viele Käufer im Effektbereich vor allem um den Umfang der Ausstattung. EQ und Kompressor gehören hier definitiv ebenso zum Standard wie Delay und Reverb oder Modulationseffekte. Auch Verzerrer und Amp-Simulationen sind heute weit verbreitet anzutreffen. Interessant ist daher nicht unbedingt die Art der gebotenen Effekte, sondern wie diese eingesetzt werden können. So habt ihr etwa die Möglichkeit, verschiedene Effekte zugleich auf einzelne Kanäle anzuwenden, wenn der Mixer gleich mehrere interne Effektwege bietet. Das ist beispielsweise beim Presonus StudioLive 16.0.2 der Fall.

Vor allem wenn es um Equalizer und Kompressor geht, ist die Kombination mit einem ausreichend großen Display eine große Hilfe. Hier spielt dann also die Verbindung verschiedener Features eine Rolle. Aber auch die Art der Regelungsmöglichkeiten der einzelnen Effekte kann ebenso wichtig sein, wie die Einbindung externer Effekte unterschiedlich ist. So könnt ihr etwa beim Presonus StudioLive 16.0.2 vier Aux-Wege und zwei interne Effektbusse nutzen. Und das Behringer X32 Compact stellt sogar gleich acht Stereo-FX-Returns und ein internes digitales Effektrack mit acht Slots, in jedem Kanal einen vollparametrischen Equalizer mit vier Bändern und in allen Kanälen ein Delay zur Verfügung.

Auch wenn von den Herstellern selbst nur selten passgenaue Transportboxen, Koffer oder Taschen erhältlich sind, müsst ihr euren digitalen Mixer-Schatz keineswegs in einer Plastiktüte umhertragen. Im Musikfachhandel finden sich etliche Angebote von gängigen Case-Herstellern, die maßgeschneiderte Transportbehältnisse im Programm haben. Es ist beispielsweise kein Problem, für den Presonus StudioLive 16.0.2 ein Backpack-Set oder für den Presonus StudioLive 16.4.2. AI ein Hardcase zu finden.

Fazit

Im unteren bis mittleren Preissegment habt ihr bei digitalen Mischpulten eine gute Auswahl, die vom relativ einfach, aber kreativ ausgestatteten USB-Kleinmischer bis hin zum ausgewachsenen Studio- und Live-Allrounder mit 4-Farb-Touchscreen und Ethernet-Anschluss reicht. Daher findet ihr sowohl für den kleinen Geldbeutel als auch in höheren Gefilden problemlos Lösungen, die euch viel Spaß versprechen. Die größten und entscheidenden Unterschiede bestehen wohl in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Konnektivität. Neben dem Aufbau der Bedienoberfläche und dem Vorhandensein von einem oder mehreren TFT-Displays spielen die Anschlussmöglichkeiten eine wesentliche Rolle. Für Freunde von All-in-One-Lösungen ist außerdem die Möglichkeit zur DAW-Steuerung ein Entscheidungskriterium. Eine der größten Überraschungen stellen dabei fraglos die Digitalmixer der X32-Reihe von Behringer dar. Sie bieten in sämtlichen Bereichen erstaunlich professionelle Features, ohne dabei gleich die Geldbörse zu zerfetzen.

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