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05.03.2014

John Lennon Songwriting Contest in Europa

Internationaler Wettbewerb für Songschreiber

Interview mit JLSC Executive Director Brian Rothschild

John Lennon ist ohne Frage einer der größten Songwriter der Popgeschichte: Unvergessen sind seine Hits mit den Beatles oder auch Solosongs wie „Give Peace a Chance“ oder „Imagine“.  Mit dem JLSC gibt es in den USA seit 1997 einen internationalen Songwriting-Wettbewerb, der seinen Namen trägt - nun kommt er nach Europa! 

Hinter dem Wettbewerb steht eine Non-Profit Organisation, die auch den John Lennon Educational Tour Bus betreibt. Seit letztem Jahr tourt auch in Europa so ein Bus: Seine Mission ist es, durch kostenlose Workshops jungen Menschen kreatives Machen nahezubringen: Innerhalb eines Tages entstehen im mobilen Video- und Tonstudio unter Anleitung professionell produzierte Werke (HIER haben wir schon ausführlich über den neuen Bus berichtet, der übrigens auch von Thomann unterstützt wird). Wir sprachen mit Brian Rothschild, der das Projekt von Anfang an mit aufgebaut hat, über Motivation und Zielsetzung dieses Wettbewerbes für Songschreiber:

John Lennon Songwriting Contest in Europa

Brian im Büro der Organisation. (Foto: © JLSC)

Bonedo: Brian, wie kam es zu dem Wettbewerb?

Brian Rothschild: Ich habe ihn gemeinsam mit dem Musikmanager  David Sonnenberg von DAS Communications aus der Taufe gehoben. Wir haben über die Jahre unaufgefordert so viele Demos zugeschickt bekommen, dass uns klar wurde, dass es eine Menge Songwriter da draußen gibt, die anscheinend keine Kontakte in der Musikindustrie hatten. Denen wollten wir eine Chance geben, Gehör für ihre Musik zu bekommen – das war eigentlich der Auslöser diesen Contest auf die Beine zu stellen. John Lennons Namen mit diesem Wettbewerb zu verbinden ist natürlich eine Verpflichtung: Er ist einer der größten Songwriter unserer Zeit, ganz zu schweigen von seinem kulturellen Einfluss. Wir achten also sehr darauf, mit den Einsendungen respektvoll umzugehen. 

Es winken Preise im Gesamtwert von mehr als 300.000 Dollar US. Das allein wäre natürlich Grund genug für eine Teilnahme. Aber der größte Wert für unsere Gewinner ist sicher das Prestige sagen zu können, dass sie den John Lennon Songwriting Contest gewonnen haben. Einige Sieger konnten im Anschluss Titelmelodien für erfolgreiche Fernsehserien schreiben, mit berühmten Künstlern performen und sich eigene Karrieren aufbauen – wie z.B. der Jazzmusiker Peter Cincotti. Es also wirklich etwas, was man in erster Linie macht, um seiner Musik Gehör zu verschaffen, und das Prestige für sich nutzen zu können.

Bonedo: Wie habt Ihr die Jury ausgewählt – und gefunden? Da sind ja wirklich viele große Namen und Legenden drin!

Brian: Natürlich haben gezielt wir nach den größtmöglichen Namen im Music-Biz und den besten Songwritern gesucht. Autoren wie Toby Gad, der übrigens aus Europa kommt, aber einige der erfolgreichsten Songs der letzten Jahre geschrieben hat – wie „If I were a Boy“ für Beyonce oder „Girls Don’t Cry“ für Fergie. Jede Menge große Hits! Aber man kennt nicht unbedingt seinen Namen. Wir haben nach Autoren gesucht, die erfolgreich in unterschiedlichen Musikgenres arbeiten – aber natürlich auch nach Berühmtheiten, die für mögliche Teilnehmer eine Größe darstellen. Nachdem wir uns die Wunschkandidaten überlegt hatten, fragten wir sie dann direkt oder über das Management an – teilweise natürlich auch über Juroren, die wir aus vorherigen Jahren kannten. So kam es dann zum Beispiel zu George Clinton: wir bekamen den Kontakt über Freunde. Da John Lennon für die meisten Juroren ein sehr großen Einfluss darstellt, fühlen sich viele schon fast geehrt, involviert zu sein.

Bonedo: Eure Juroren von Natasha Bedingfield über Fergie bis zu Bob Weir und Jim Steinman kommen ja aus vielen verschiedenen Bereichen und Genres. Hören sich ALLE Juroren ALLE Einsendungen an, oder habt Ihr ihnen eine zu ihnen passende Kategorie gegeben? Wie wählt Ihr die Gewinner aus?

Brian: Genau – wir geben ihnen in der Regel stilistisch passende Kategorien. Natasha ist zum Beispiel in der Pop-Kategorie. Fergie ist schon ein paar Jahre dabei, und wollte jedes Mal gern unterschiedliche Kategorien machen: Sie hatte schon Hip Hop, Rock und Pop glaube ich. Die Celebrity Juroren wählen dann die finalen Sieger aus den Einsendungen aus. Natürlich gibt es zusätzlich eine Menge Hilfe auf dem Weg dahin, wir bekommen sehr viele Einsendungen.

Bonedo: Eine andere Frage, die sich Interessenten stellen könnten, ist: "Warum kostet die Teilnahme 30 Dollar pro Song"?

Brian: (Lacht) Ja, die Frage kommt schon ab und zu. Aber natürlich erledigt sich so ein großer Wettbewerb nicht von allein, das verursacht Kosten. Außerdem ist es ja oft so, dass Wettbewerbe, die umsonst sind, schnell keine Wertigkeit mehr in den Augen der Allgemeinheit haben – aber die Schwelle ist mit 30 Dollar ja nun auch nicht besonders hoch.

Alle Einnahmen von dem Wettbewerb tragen übrigens zur Finanzierung des John Lennon Educational Tourbus bei, der ja eine Non-Profit Organisation ist: Der Wettbewerb erlaubt uns so, die nächste Generation kreativer Menschen und Künstler zu inspirieren.

Bonedo: In Deutschland gab es bereits seit Anfang der 90er Jahre den „John Lennon Talent Award“ – den gibt es nun nicht mehr. Ersetzt dieser Contest den Talent Award?

Brian: Nein, das hat nichts damit zu tun. Yoko Ono hatte das natürlich frei gegeben, und wir kannten uns auch. Aber der war schon sehr anders als unser. Das der Award aufhört hat nichts mit uns zu tun.

Bonedo: Abschließend, wie ist das eigentlich mit der erwarteten Qualität der Aufnahme für Einsendungen – muss das professionell ausproduziert sein?

Brian: Nein: Dies ist ein Songwriting-Wettbewerb. Die Qualität der Aufnahme oder der Performance sind nicht entscheidend: Wir suchen nach einem tollen neuen Song: Den kannst Du auf einem alten verstimmten Piano spielen, Du kannst ihn selbst singen, obwohl Du kein perfekter Sänger bist. Wir versuchen sehr stark, den Song und die Idee in den Vordergrund zu stellen, und danach zu bewerten. Wir bekommen alle Arten von Einsendungen: Von sehr gut produziert, bis zu einfachsten Demos mit Akustikgitarre. Selbst wenn also Du keine Möglichkeiten hast, es aufwändig zu produzieren – schick uns Deinen Song! Wenn Du einen großartigen Song hast, mach Dir über die Aufnahmequalität nicht unnötig Sorgen: Uns geht es um das Werk an sich!

Bonedo: Müssen die Songs auf englisch sein? Gibt es da Vorgaben?

Brian: Nein, die Songs können gern in der Heimatsprache sein. Wir legen viel Wert darauf, dass die europäischen Songwriter mitbekommen, dass wir ein Kanal für sie sein möchten, wo sie ihrer Musik Gehör verschaffen können: wir möchten deutsche, französische, italienische, skandinavische – ungarische – Musik beim John Lennon Contest haben. Musik ist das wichtigste, was wir in der Welt haben, um Negativität und Gewalt mit etwas positivem zu bekämpfen. Wir möchten lokale Kultur stärken: also ja, Du kannst Songs in jeder Sprache bei uns einreichen.

Bonedo: Was für Juroren aus Europa habt Ihr noch mit dabei – ich habe gelesen, dass Adel Tawil mitmacht?

Brian: Bisher außer Adel natürlich auch Natasha Bedingfield – ich muss noch mal nachschauen, aktuell sind es bereits 75 Juroren. Adel ist auch erst seit einer Woche offiziell dabei. Es sind noch nicht alle Juroren auf unserer Website. Der Lennon Bus wird Adel Tawil übrigens bei all seinen Tourdaten begleiten!

Bonedo: Vielen Dank für Deine Zeit und die Infos – wir sind gespannt auf diesen Wettbewerb, und hoffen, dass dabei auch aus Europa ein paar tolle Songs dabei sein werden!

Brian: Sehr gern! Wir sind genau so gespannt – und werden übrigens mit dem John Lennon Tourbus auch auf der Frankfurter Musikmesse zugegen sein: Dort gäbe es also für Interessenten auch die Möglichkeit uns noch direkt Fragen dazu zu stellen.

Alle Infos zum John Lennon Songwriting-Wettbewerb:

http://www.jlsc.com

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