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14.05.2021

iZotope Spire Studio 2nd Generation Test

Mobiler Achtspur-Recorder

AI-gestütztes Recording mit dem Smartphone oder Tablet

Das iZotope Spire Studio 2nd Generation ist ein mobiler Achtspur-Recorder, der sich drahtlos über ein Smartphone oder Tablet steuern lässt und damit eine interessante Alternative zu mobilen Audiointerfaces darstellt. Und als wäre dies nicht bereits ungewöhnlich genug, hat der Hersteller zusätzlich einige Features aus seinen vielfach gelobten Plug-ins direkt in das Gerät integriert, um dem Anwender eine Art künstlich intelligenten Tontechniker zur Seite zu stellen. In seiner zweiten Generation bietet das Spire Studio unter anderem verbesserte Vorverstärker, mehr Speicherplatz und eine längere Akkulaufzeit. Grund genug, um uns den kompakten Recorder mit dem zylindrischen Design noch einmal genauer anzusehen.

Das Spire Studio kann in Verbindung mit Mobilgeräten genutzt werden, die mit iOS 13 bzw. Android 8 oder neueren Betriebssystemen laufen. Die zugehörige App Spire (ohne „Studio“) ist in ihrer Basisversion kostenlos im App Store und Play Store erhältlich. Für iOS-Systeme bietet iZotope zusätzlich eine kostenpflichtige Pro-Version (iOS only) mit erweiterten Funktionen an, die nach dem Kauf des Recorders für sechs Monate kostenlos nutzbar ist. Zur Verwendung ist sie jedoch keine Voraussetzung. Getestet wurde das Spire Studio mit einem Samsung Galaxy Tab S6 Lite und der Basisversion der App.

Details

Spire Studio vs. Audiointerface

Im Grunde handelt es sich beim iZotope Spire Studio um einen Standalone-Recorder, der bei einer festen Auflösung von 24 Bit/48 kHz mit bis zu acht Spuren pro Song arbeitet und für schnelles und einfaches Recording vollständig autark betrieben werden kann. Die Bedienung läuft dabei über nur fünf Taster und den berührungsempfindlichen LED-Kranz, der z.B. zum Anpassen der Kopfhörerlautstärke genutzt werden kann. Zugriff auf den gesamten Funktionsumfang erhält man aber erst in Kombination mit einem Smartphone oder Tablet, das sozusagen die Rolle eines externen Bedien-Panels übernimmt. Die Verbindung läuft dabei über einen eigenen WLAN-Hotspot, der sich mit Hilfe der zugehörigen App problemlos einrichten lässt. In Hinblick auf die Stromversorgung ist das Spire Studio mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet, der in der zweiten Generation vier bis sechs Stunden Betriebsdauer ermöglicht und über ein enthaltenes Netzteil geladen wird. Der interne Speicher wurde für die Neuauflage des Recorders ebenfalls deutlich erweitert und bietet nun Platz für etwa acht Stunden Musik.

Verglichen mit einem Audiointerface birgt dieses Konzept gerade in Verbindung mit Mobilgeräten einige klare Vorteile. Da das Spire Studio nicht nur internen Speicherplatz bereitstellt, sondern auch alle Audioberechnungen selbst übernimmt (unter anderem auch für latenzfreie Effekte während des Recordings), entlastet es das verwendete Smartphone oder Tablet. Die drahtlose Anbindung und die Stromversorgung über den internen Akku sorgen zudem dafür, dass man auf Kabelverbindungen und eventuell benötigte Adapter verzichten kann. Unklarheiten zur Kompatibilität, wie sie vor allem bei der Verwendung von grundsätzlich sehr unterschiedlich konfigurierten Android-Geräten entstehen, treten dadurch ebenfalls in den Hintergrund. Nicht zu vergessen ist bei alledem jedoch, dass das Spire Studio eben kein Audiointerface ist. Für Aufgaben wie die direkte Medienwiedergabe vom Smartphone oder die Verwendung mit Apps von Drittanbietern ist der Recorder nicht vorgesehen, und natürlich ist man konzeptbedingt auf eine maximale Anzahl von acht Spuren pro Song beschränkt.

Ein internes Mikro und zwei Preamps

Das iZotope Spire Studio ist mit einem internen Mikrofon mit Kugelcharakteristik ausgestattet, das hinter einem kleinen Schutzgitter auf der Vorderseite sitzt und ganz direkt Aufnahmen ohne weitere Ausstattung ermöglicht. Zur Verwendung externer Mikrofone hat der Recorder zwei Vorverstärker an Bord, die in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Grace Design entwickelt wurden und in der zweiten Generation ein geringeres Grundrauschen und einen großzügigeren Headroom für verzerrungsfreie Aufnahmen bieten. Das maximale Gain der Preamps liegt mit 50 dB im unteren Mittelfeld und ist z.B. für Gesangsaufnahmen mit den meisten dynamischen Bühnenmikrofonen gerade noch ausreichend (je nach Besprechungsabstand und Lautstärke des Gesangs). Grundsätzlich empfiehlt sich hier aber die Verwendung von empfindlicheren Kondensatormikrofonen. Die dazu erforderliche 48V-Phantomspeisung lässt sich auf der Rückseite des Recorders für beide Kanäle gemeinsam aktivieren.

Die beiden Eingänge des Spire Studio sind als XLR/Klinke-Kombibuchsen umgesetzt und bieten die Möglichkeit, sowohl Mikrofone (über XLR) als auch Line-Quellen oder Instrumente wie z.B. eine E-Gitarre oder einen Bass (über 6,3er Klinke) anzuschließen. Aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit hat der Hersteller bei den Line-Wegen auf eine Umschaltfunktion zwischen klassischem Line-In und Instrumenteneingang verzichtet. Wegen der typisch hohen Eingangsimpedanz von 1 MOhm ist es naheliegend, von Instrumenteneingängen zu sprechen, die gleichzeitig dazu ausgelegt sind, symmetrische Line-Signale entgegenzunehmen. Beim Aufnehmen von „echten“ Line-Quellen kann es wegen der erhöhten Impedanz durchaus zu gewissen klanglichen Veränderungen kommen. Da das Spire Studio nicht zum Anschluss von externen Vorverstärkern oder Mischpulten konzipiert ist, werden sich daran jedoch die wenigsten Anwender ernsthaft stören.Ausgangsseitig bietet der Recorder zwei Kopfhörerausgänge im 3,5er Klinkenformat, von denen einer auf der Frontseite und ein weiterer auf der Rückseite des Gehäuses untergebracht ist. Der zusätzliche Ausgang bietet sich für Mitmusiker oder Zuhörer an, wobei die Regelung der Lautstärke für beide Kanäle gemeinsam läuft. Grundsätzlich können beide Kopfhörerausgänge natürlich auch zur Verbindung mit einer HiFi-Anlage genutzt werden.

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