Test
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09.05.2019

Praxis

Home is where the head is?

Man sagt, dass die kleinsten Räume in akustischer Hinsicht die größten Probleme machen. Von daher sieht es zunächst einmal schlecht aus für die Isovox 2, denn im Grunde handelt es sich hier einen sehr, sehr kleinen Raum, in den man seinen Kopf hineinstecken kann. Noch wichtiger als die klanglichen Ergebnisse ist da meiner Meinung nach die Frage, ob man sich auch bei längerem „Aufenthalt“ in der kleinen Gesangskabine überhaupt wohl fühlen kann. Inwieweit die grundsätzlich beengten Verhältnisse akzeptabel sind, muss jeder Nutzer für sich selbst beantworten. Ein Thema, das sich dagegen weitgehend objektiv bewerten lässt, ist die Luftzufuhr. 

Laut Website bietet die Isovox ein passives Belüftungssystem, von dem ich aber auch bei genauerer Betrachtung nichts entdecken kann. Im Praxistest entsteht schon nach Minuten des Sprechens oder Singens ein klares Bedürfnis nach einer Pause und frischer Luft, und in diesen Momenten ist es ein Segen, dass sich die Rückwand aufklappen lässt, um für ein wenig Durchzug zu sorgen. Wenn man sich für sich selbst damit arrangieren kann, dann ist das natürlich in Ordnung. Den Gedanken, einen gebuchten Sänger oder Sprecher auch nur dazu aufzufordern, für längere Zeit den Kopf in die Kiste zu stecken, erscheint mir dagegen abwegig.

Ebenfalls zu bedenken ist, dass man dank der Innenbeleuchtung zwar prinzipiell Texte ablesen kann, aber dass sich ein Blatt Papier nicht befriedigend hinter dem Mikrofon auflegen lässt. Die Verwendung eines Tablets funktioniert in diesem Zusammenhang deutlich besser. Den Touchscreen zu bedienen und umzublättern, ist aber natürlich genauso schwer, wie sich am Kopf zu kratzen. Für Sprecher, die längere Texte aufnehmen wollen, könnte ein entsprechender Fußschalter wie das IK Multimedia iRig BlueTurn Abhilfe schaffen. Überraschend ist bei alledem, dass der Hersteller auf seiner Seite mit „Bewegung und Platz bei der Aufnahme“ wirbt.

Klang: Potenzial zum guten Kompromiss

Ihre Kernfunktion, nämlich das Absenken von unerwünschtem Raumklang, erfüllt die Isovox als vollständig geschlossenes System grundsätzlich sehr gut. Davon, dass aufgrund der inneren Akustik deutliche Verfärbungen des Klangs entstehen, war auszugehen, und das trifft auch eindeutig zu. Man muss der mobilen Gesangskabine allerdings zugutehalten, dass diese Berge und Täler im Frequenzspektrum an Stellen auftreten, die für Sprache und Gesang nicht vollständig kontraproduktiv sind. Allgemein ist anzumerken, dass die Aufnahmen aus der Isovox um etwa 4 dB lauter sind als die Aufnahmen ohne Hilfsmittel. Für die folgenden Audios wurde dies nachträglich ausgeglichen.

Bei einer Aufnahme in einem unbehandelten Kellerraum mit entsprechend langer Nachhallzeit erhält die Stimme unserer Sängerin durch die Isovox mehr Fundament im Bassbereich und eine deutliche Betonung im oberen Präsenzbereich. Gleichzeitig wird in den tiefen Mitten aufgeräumt, und allgemein sind all das durchaus Stellen, an denen man bei der Nachbearbeitung für Pop-Vocals auch gerne mit dem Equalizer ansetzen würde. Allerdings sind diese Betonungen ausgesprochen stark, und die Ergebnisse wirken auch mit dem eigentlich recht natürlich klingenden Großmembran-Kondensatormikro Lewitt LCT 540S schon recht gehypt und nicht mehr wirklich natürlich. Da viele günstige Mikros den Präsenzbereich noch weit ausgiebiger betonen, besteht also die eindeutige Gefahr, mit der Isovox in nennenswertem Maß über das Ziel hinauszuschießen.

Als Referenz wurde eine Aufnahme in einem trockenen Studioraum gemacht, und zusätzlich gibt es Varianten mit aktiviertem Lowcut-Filter des Mikrofons (80 Hz) und teilweise geöffneter Isovox. In diesem Fällen nehmen sowohl die positiven als auch die negativen Effekte schrittweise ab.

Bei einer Sprachaufnahme zeigen sich vor allem die Effekte des erhöhten Bassbereichs noch wesentlich deutlicher. Die Männerstimme bewegt sich natürlich in einem tieferen Frequenzbereich und in diesem Fall muss man schon von einer extremen Überbetonung sprechen. Selbst wer den typischen Klang einer Radiostimme anpeilt, darf hier nach der Aufnahme ruhig großzügig mit dem Equalizer die tiefen Frequenzen absenken. Dass man diese Effekte auch auf diesem Weg nicht vollständig glattbügeln kann, zeigt eine Version, für die das Signal aus der Isovox über EQ-Matching dem Referenzsignal aus dem Studioraum angeglichen wurde.

Positiv ist nach wie vor, dass nicht nur der Raumklang, sondern auch allerlei Nebengeräusche wie das Rauschen eines Lüfters oder Straßenlärm effektiv abgesenkt werden. Und auch in die andere Richtung, also nach außen, durch Türen und Wände und in das Ohr eines möglichen Nachbarn, sorgt die Isovox in gleichem Maß für Schalldämmung.

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