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Feature
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26.07.2017

Interview und Gear-Chat: Carl Michael Grabinger

Grooves für Jazzanova, Freundeskreis und The Voice Kids

Ein Gespräch mit dem umtriebigen Drummer

Mit seinem facettenreichen Drumming hat Carl Michael Grabinger unzähligen deutschen Acts ein solides Groove-Fundament geliefert. So spielte er live und für Studioproduktionen mit Andreas Bourani, Mark Forster und Cro, trommelte bei den MTV Unplugged Produktionen von Max Herre und Revolverheld und flog zudem mit der Liveband des Berliner DJ-Kollektivs Jazzanova um die Welt. Nebenbei ist der 32-jährige, der auf den kurzen Namen Grabi hört, mit dem Gitarristen Henrik Freischlader im Blues Trio unterwegs und seit mittlerweile vier Jahren auch in der Band des erfolgreichen TV-Formats „The Voice Kids“ zu sehen. Wir trafen ihn am Rande der Proben zu einem Gespräch.

Kommst du aus einer Musikerfamilie?

Ja, mein Vater ist Pianist und hat klassisches Klavier studiert, hatte aber trotzdem nebenher Bands, in denen er beispielsweise auch Funk gespielt hat. Meine Mutter ist Sängerin und hat viele Chöre dirigiert, lehrt Dirigat und gibt Klavierunterricht. Mein Vater wollte anfangs, dass ich auf Nummer sicher gehe und Orchestermusiker werde, weil mein Uronkel Solo-Pauker war. Nebenbei habe ich bei meinen Eltern noch ein bisschen Klavierunterricht bekommen, aber mein Fokus lag einfach immer auf dem Trommeln. Als ich sechs Jahre alt war, habe ich dann angefangen, Unterricht zu nehmen, hatte aber nach fünf Jahren keine Lust mehr drauf und schließlich aufgehört. Ich habe in der Zeit Kleine Trommel, Marimba und viel Percussion gelernt, war aber einfach unglücklich. Auf VHS-Cassetten habe ich mir dann viel Drum-Videos angeguckt und mir am Computer Grooves rausgehört. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mir eigentlich alles selbst beigebracht. Durch David Garibaldi habe ich Ghostnotes ausgecheckt und auch viel von Dave Weckls Videomaterial geübt. Mit 16 Jahren spielte ich dann in der Bigband des Landesjazzorchesters.

Hast du schließlich Jazz studiert?

Nein. Ich wollte das erst, habe aber damals gehört, dass die Popakademie aufmacht. Ich habe dann in Mannheim nicht nur an der Jazzhochschule, sondern auch an der Popakademie die Aufnahmeprüfung gespielt und wurde bei beiden Hochschulen angenommen. Ich wollte dann beides studieren und habe mich mit beiden Dozenten an einen Tisch gesetzt. Die kamen aber nicht wirklich miteinander klar, also musste ich mich entscheiden. Viele Studenten der Jazzhochschule kannte ich schon, und die Popakademie klang für mich spannender und hatte auch ein völlig neues Netzwerk zu bieten. Wir waren seinerzeit der erste Jahrgang und noch so eine Art Versuchsobjekt. Ich habe damals viel mit Moritz Müller zusammen getrommelt, und wir haben Gary Chaffee Zeug ausgecheckt. Von ihm konnte man damals schon viel lernen. Die vielen Kontakte haben mir wirklich weitergeholfen, und mit einigen Leuten mache ich heute immer noch regelmäßig Musik.

Hast du nach deinem Abschluss sofort in festen Projekten gespielt?

Ich habe erst mit dem Bassisten Alex Grube den Popkurs in Hamburg gemacht und bin zur zweiten Arbeitsphase dann nach Hamburg gezogen. Dort konnte ich ein bisschen Studioerfahrung bei Franz Plasa sammeln. Mein erstes Engagement hatte ich bei Tommy Reeve. Damals gab es für mich dann auch zum ersten Mal bezahlte Proben, was ich bis dahin noch gar nicht kannte. Dann führte eins zum anderen, und seit 2010 ist immer mehr passiert. Zwischenzeitlich bin ich nach Berlin gezogen und habe damals viel mit Cassandra Steen, Cro, BOY und Mark Forster gespielt und durfte auch mit Jazzanova um die ganze Welt reisen.

Sagst du auch Anfragen ab?

Ja, das kommt auch recht häufig vor. Natürlich schlägt man damit Gagen aus, aber ich mache das selbst, wenn ich nichts anderes habe. Für manche Sachen kann ich mich einfach musikalisch nicht begeistern und dann auf der Bühne auch nicht richtig dahinter stehen. Die Zeit, die ich dann nicht auf Tour bin, nutze ich lieber in meinem Homestudio und arbeite an Sounds, mache Videos und entwickle mich so weiter.

Bist du sehr kritisch mit deinem Spiel?

Ja, aber das ist ja eigentlich jeder. Ich habe mit 16 damals im Landesjazzorchester den Bassisten Michael Paucker kennengelernt, der heute auch Musical Director bei „The Voice Kids“ ist. Wir haben uns damals schon gut verstanden, uns über drei Jahre im Sommer getroffen und sechs Wochen in meinem Keller zusammen geübt. Besonders hat uns natürlich das Zusammenspiel von Bass und Bassdrum und die ganze Mikrotime interessiert. Das haben wir damals richtig ausgecheckt. Ein weiteres Ding war das Spielen mit binärem und ternärem Feel. Heute gucke ich mir immer noch die Ami-Trommler an und bin begeistert. Mir geht es beim Trommeln aber eher um den Groove, das Feel und den Bogen im Song. Natürlich freue ich mich mal über ein krasses Lick, aber wenn ein Backbeat mit dem richtigen Sound richtig sitzt und die Levels an den jeweiligen Instrumenten passen, bin ich einfach glücklich.

Du hast im letzten Jahr viel mit Henrik Freischlader gespielt. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit ihm?

Henrik hat früher seine Platten alle selber eingespielt, aber hat mit Alex Grube und mir ein Trio gegründet, mit dem wir auch ein Album eingespielt haben. Alex hatte Henrik irgendwann im Netz gefunden und ihn für eine Studiosession empfohlen. Darüber haben sich die beiden kennengelernt und Alex hat anschließend ein paar mal den Bassisten seiner damaligen Band vertreten. Eigentlich wollte Henrik ein neues Soul-Projekt starten und fragte uns damals an. Daraus wurde aber nichts, und auf einmal waren wir das Henrik Freischlader Trio und haben Blues gespielt. Ich habe das als großartige Chance gesehen, im Blues viel zu lernen. Einen richtigen Shuffle zu spielen, ist einfach unglaublich schwer und auch sowas Persönliches. Vor den Aufnahmen hat er uns Demos eingespielt, mit denen wir uns vorbereiten konnten. Anschließend haben wir geprobt und an Details gearbeitet, bevor es dann ins Studio ging. Das Material war so umfangreich, dass sich die Stücke während der ganzen Konzerte nochmal weiterentwickelt haben.

Momentan seid ihr ja bei Freundeskreis mit zwei Drummern unterwegs...

Ja, zum 20. Geburtstag des Freundeskreis Albums „Quadratur des Kreises“ spielen wir gerade einige Open Airs im Sommer. Matteo Scrimali und ich teilen uns dabei die Grooves in verschiedenen Varianten auf. Dabei wird auf der Bühne viel live gejammt. Wir haben in zweieinhalb Tagen Probe 38 Songs durchgespielt, da bleibt natürlich kaum Zeit, etwas im Detail abzusprechen, aber ich kenne Matteos Spiel mittlerweile ganz gut und wir ergänzen uns auf der Bühne.

Wie kann man sich das vorstellen?

Ich habe generell ein tieferes, dunkel klingendes Setup mit einer 24 Zoll Bassdrum, meiner 17 Zoll Hi-Hat und einer tiefen Snare, während Matteo ein höher gestimmtes Set mit einer kleinen Bassdrum hat. Wir triggern beide verschiedene Sounds an, und ich spiele bei manchen Rap Parts auch ein reines 808 E-Drum Kit auf dem SPDS-X Sample Pad oder spiele eine fette, elektronische Kick mit langem Sustain, die dann einen schönen Kontrast zu den Beats von Matteo bildet. Zum Triggern nutze ich das drum-it five von 2box, das klingt viel besser als das Roland-Zeugs und man kann sehr leicht eigene Multi-Layer Sounds kreieren. Mit dem SPD-SX werden nur die Clicks getriggert. Dazu habe ich noch viele Percussion-Elemente wie Congas, Bongos und Cabasa.

Wer hatte die Idee mit den zwei Drummern?

Ich habe vor ungefähr acht Jahren, als ich mit Cassandra Steen zusammengearbeitet habe, Max Herre kennengelernt, dessen Traum es schon immer war, mit zwei Drummern zu spielen. Zu seinem MTV Unplugged haben wir das dann schon in der Konstellation mit Matteo und mir umgesetzt und sind jetzt wieder unterwegs.

 

Seit wann spielst du bei „The Voice Kids“?

Ich spiele da seit vier Jahren und bin damals durch Michael Pauker und den Gitarristen Philip Niessen dazugestoßen. Ich hatte vorher sehr spontan das erste Finale für den damals kurzfristig erkrankten Flo Dauner gespielt und habe deshalb auch noch einige weitere Musiker aus dem Team kennengelernt. Mittlerweile spiele ich bei den Kids Drums und übernehme in den Liveshows von „Voice of Germany“ den Ableton Operator Posten. Dort verwalte ich Spuren, editiere Backing Tracks und Clicks und spiele hin und wieder Percussion.

Beschäftigst du dich selber auch mit Drum-Recording?

Ja, ich habe ein kleines Studio bei mir zuhause. Mit Logic befasse ich mich schon seit längerer Zeit und habe viel mit Libraries rumgebastelt. Jetzt habe ich endlich, nach einigen Jahren ohne Räumlichkeiten, die Möglichkeit, mich selbst aufzunehmen. In meiner Jugend habe ich viel geübt, ohne mich großartig mit dem Sound meines Instruments zu beschäftigen. Seitdem ich aber irgendwann Darren King (https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/interview-und-gear-chat-darren-king.html) mit Mutemath live gesehen und mir dann sein Equipment angeguckt habe, kümmere ich mich viel intensiver um meinen Drumsound. Vor zwei Jahren habe ich dann viel in Mikrofone und Studioequipment investiert, damit ich auf hohem Niveau aufnehmen kann.

Welche Instrumente benutzt du am häufigsten?

Ich spiele Becken von Meinl, die einen tollen Support haben und mir auch manchmal Instrumente fertigen, wie ich sie haben möchte. Dadurch habe ich beispielsweise eine Custom 17 Zoll Hi-Hat bekommen, die unglaublich gut klingt. Mein Lieblingsbecken ist ein mittlerweile sehr gut eingespieltes 20 Zoll Orchesterbecken, das ich als Crash nutze. Es hat einen breiten Sound und einen dunklen Charakter, was mir sehr gefällt. Mein Ride-Becken ist ein Spectrum Ride. Eigentlich mag ich keinen Ping bei einem Ride, man braucht das aber doch irgendwie, und dieses Becken vereint das mit einem guten Wash und der Möglichkeit, es zusätzlich als Crash zu benutzen. Den Rest der Becken variiere ich immer mal. Gerade spiele ich auch noch das 24 Zoll Big Apple Dark Ride, das sehr leise ist, aber trotzdem noch genug Attack und einen schönen Klangcharakter hat. Meine Drumsets kommen von Yamaha. Ich tune da viel rum und experimentiere mit Fellkombinationen. Das Hybrid Maple und das Club Custom nutze ich am häufigsten, wechsle aber zu den verschiedenen Setups häufig die Snares und habe oft auch einige unterschiedliche Modelle dabei, deren Sounds sich drastisch unterscheiden. Man spielt dadurch einfach anders und es macht viel mehr Bock. Neben meinen Yamaha Snares habe ich dann alte Ludwig Modelle wie eine Jazz Festival oder eine Supraphonic dabei. In Kontext einer Double-Drumming Konstellation kommen dann noch viele Percussion-Instrumente dazu.

In den Videos auf deinen Social Media Kanälen hört man von dir manchmal sehr komplexes Drumming. Hättest du Lust, mal in einem Fusion Projekt wie beispielsweise Snarky Puppy zu spielen?

Nicht wirklich. Das ist mir eigentlich viel zu viel Gedaddel. Ich habe früher viel geübt, mich auch mit Stickings beschäftigt und Sachen wie Charley Wilcoxon geübt. Deshalb fällt es mir heute nicht schwer, mir mal Sachen rauszuhören oder komplexeres Zeug zu spielen. Das mache ich aber dann eigentlich nur zum Spaß. Ich höre mir Fusion nur ab und zu mal an, aber so richtig zuhause fühle ich mich dann doch eher in der Popmusik.

Vielen Dank für's Gespräch!

  • Grabis Equipment:
  • Drumset: Yamaha Hybrid Maple Vintage Natural
  • 22“ x 16“ Bassdrum
  • 12“ x 8“ Tom
  • 14“ x 13“ Floortom
  • 16“ x 15“ Floortom
  • Snares: 14“ x 6,5“ Yamaha Copper
  • 14“ x 5“ Ludwig 1965 Jazz Festival
  • 14“ x 5,5“ Ludwig 1963 Buddy Rich Super Classic
  • 14“ x 6,5“ 1970 Luwig Supraphonic
  • Becken: Meinl
  • 17“ Custom Made Hi-Hat
  • 20“ Symphonic Suspended Crash
  • 22“ Spectrum Ride
  • 20“ Pure Alloy Crash
  • 24“ Byzance Big Apple Dark Ride
  • Felle: Evans
  • Bassdrum Emad Coated
  • Toms: G2 als Schlagfell, G1 als Resonanzfell
  • Snare: Genera Dry Coated, Hazy 300 Resonanzfell
  • Teppiche: Fat Cat Wires
  • Sticks: Vic Firth 5A oder 5B

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